Der Gold­markt kor­ri­giert

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CHRISTOPH BUCH­MANN

DDie Kor­rek­tur des Gold­prei­ses ist nun in die End­pha­se ein­ge­tre­ten

ie­ses Ge­fühls­dra­ma ist in Ro­ma­nen in al­len Schat­tie­run­gen be­schrie­ben: Nach be­geis­ter­ter Lie­be folgt die Ent­täu­schung. Schliess­lich wird die Be­zie­hung um je­den Preis be­en­det. Die Edel­me­tal­le be­fin­den sich seit bald zwei Jah­ren in ei­ner Kor­rek­tur­pha­se, die nun in die End­pha­se ge­mün­det ist. Charles Kind­le­ber­ger be­zeich­net in «Ma­ni­as, Pa­nics, and Cras­hes» die­se Pha­se mit «Re­vul­si­on». Seit April wer­den über Jah­re sorg­sam auf­ge­bau­te Gold­po­si­tio­nen oh­ne Rück­sicht auf die Preis­ent­wick­lung ver­kauft. Deut­lich er­sicht­lich ist dies an der Re­duk­ti­on des welt­wei­ten Gold-Be­stands der ETF. Der sank seit Ja­nu­ar 2013 um 22% und al­lei­ne seit April um 16%. Die Re­vul­si­on setz­te sich die­se Wo­che fort.

Ent­steht hier am En­de der Ka­pi­tu­la­ti­ons­pha­se ei­ne gros­se An­la­ge­chan­ce? Aus­schlag­ge­bend für ei­nen er­folg­rei­chen Auf­stieg des Phö­nix aus der Asche ist die An­ge­bots- und Nach­fra­gesi­tua­ti­on. Gold ist ein gu­ter Kan­di­dat für ei­nen Phö­nix. Sta­gnier­te das Pri­mär­an­ge­bot der letz­ten zehn Jah­re um 2500 Ton­nen pro Jahr, so dürf­te es 2013 leicht sin­ken. Die Mi­nen­schlies­sun­gen neh­men zu und neue Mi­nen wer­den nicht mehr ge­baut. Auf der Nach­fra­ge­sei­te kün­de­ten vie­le Mark­touts­ider, die ETF- und Port­fo­lio-In­ves­to­ren, dem Gold aus emo­tio­na­len Grün­den die Be­zie­hung. Die tra­di­tio­nel­len und lang­fris­ti­gen Käu­fer aus Asi­en, die In­si­der, neh­men die Chan­ce wahr: Im ers­ten Halb­jahr 2013 er­war­ben sie, ge­mes­sen in Ton­nen, ge­schätz­te 75% mehr Gold als im ers­ten Halb­jahr 2012. Für den wach­sen­den asia­ti­schen Mit­tel­stand sind die­se Käu­fe im Um­feld Asi­ens ra­tio­nal nach­voll­zieh­bar. Da sich die po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Struk­tu­ren ( Ver­trau­en ins Bank­sys­tem, Re­gu­la­ti­on, In­fla­ti­on) kaum stark ver­än­dern wer­den, sind zu­sätz­li­che Käu­fe aus Asi­en zu er­war­ten.

Im Wes­ten er­scheint das öko­no­mi­sche Glas halb voll. Dank der glo­bal ko­or­di­nier­ten wirt­schafts­po­li­ti­schen Re­ak­ti­on auf die Kri­se 2008 konn­te die dro­hen­de De­fla­ti­on in ei­ne Sta­gna­ti­on ge­mil­dert wer­den. Der Preis hier­für ist ei­ne Ver­drei­fa­chung der west­li­chen No­ten­bank­bi­lan­zen und ei­ne enor­me Stei­ge­rung der Staats­ver­schul­dung auf ein nicht mehr nach­hal­ti­ges Ni­veau. Da­mit er­öff­net sich die ban­ge Fra­ge nach der nächs­ten Ret­tung durch Va­ter Staat bei ei­ner neu­er­li­chen Re­zes­si­on. Da zu­sätz­li­che Staats­aus­ga­ben un­prak­tisch und un­pro­duk­tiv er­schei­nen, bleibt nur ei­ne ag­gres­si­ve­re Geld­po­li­tik. Al­so stellt sich für den An­le­ger die zen­tra­le Hand­lungs­fra­ge wie folgt: Wie agiert er, wenn Ob­li­ga­tio­nen im bes­ten Fal­le un­pro­duk­ti­ves Geld sind, die Ak­ti­en ih­re seit Mit­te 2011 ge­mach­ten Kurs­ge­win­ne zu ver­lie­ren dro­hen und Bar­mit­tel­po­si­tio­nen bei Ban­ken nach wie vor un­ge­lös­te Bo­ni­täts­fra­gen auf­wer­fen? Auf­grund der Gold-Ka­pi­tu­la­ti­ons­pha­se er­scheint es prü­fens­wert, nebst in Im­mo­bi­li­en auch in Gold zu di­ver­si­fi­zie­ren. Gold kor­re­liert mit kei­ner An­la­ge­klas­se, kor­ri­giert seit zwei Jah­ren und no­tiert der­zeit deut­lich im un­te­ren Be­reich des zehn­jäh­ri­gen Auf­wärts­trends.

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