Klei­nes Bre­vier der Eu­ro­kri­se

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AN

Fünf Eu­rostaa­ten wur­de wäh­rend der Schul­den­kri­se seit 2010 fi­nan­zi­ell un­ter die Ar­me ge­grif­fen: Grie­chen­land, Ir­land, Por­tu­gal, Spa­ni­en und zu­letzt im Früh­jahr 2013 Zy­pern. Ita­li­en kam oh­ne di­rek­te Hil­fen aus. Mit Aus­nah­me des Spa­ni­en­kre­dits be­tei­lig­te sich je­weils auch der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds als Ju­ni­or­part­ner der Eu­ro­zo­ne (via ei­nes ih­rer Ret­tungs­schir­me EFSF oder ESM). Die Gel­der wer­den als Kre­di­te in der Re­gel über drei Jah­re in Tran­chen aus­ge­zahlt. Sie sind an har­te Re­form- und Sa­nie­rungs­zie­le ge­knüpft, über de­ren Er­fül­lung die Troi­ka aus EU-Kom­mis­si­on, IWF und EZB wacht.

Ir­land und Spa­ni­en ste­hen kurz vor dem En­de ih­rer Ret­tungs­kre­di­te im De­zem­ber. Die Re­gie­run­gen in bei­den Län­dern wol­len kei­ne neue Hil­fen be­an­tra­gen. Por­tu­gals Pro­gramm läuft im Ju­ni 2014 aus. Ob das Land oh­ne ei­ne An­schluss­hil­fe aus­kommt, ist aus frag­lich – wenn auch nicht un­mög­lich. Grie­chen­land führ­te im Fe­bru­ar 2012 ei­nen Schul­den­schnitt durch, in An­lei­hen, die von pri­va­ten Gläu­bi­gern (Ban­ken) ge­hal­ten wur­den. Er wur­de von al­len Be­tei­lig­ten als frei­wil­lig de­kla­riert – so liess sich ver­mei­den, dass das Land of­fi­zi­ell «De­fault» gin­ge und un­zäh­li­ge CDS-Ver­si­che­rungs­kon­trak­te ge­gen Kre­dit­aus­fäl­le aus­ge­löst wür­den. Grie­chen­lands La­ge bleibt un­ge­klärt: Die Troi­ka reist in die­sen Ta­gen nach At­hen. Nächs­tes Jahr en­det of­fi­zi­ell das Kre­dit­pro­gramm. Es feh­len Mil­li­ar­den, die Zah­len stim­men nicht. Die Re­gie­rung for­dert ei­ne wei­te­re Um­schul­dung.

Von An­fang an ver­such­te die EZB zu hel­fen, wo sie konn­te. Als im Mai 2010 die Grie­chen­land- und da­mit die Eu­ro­schul­den- kri­se of­fen aus­brach, die Re­gie­run­gen die Nicht-Haf­tungs­klau­sel der EU-Ver­trä­ge bra­chen und Mil­li­ar­den­hil­fen un­ter­zeich­ne­ten, wil­lig­te der da­ma­li­ge EZB-Chef Je­an-Clau­de Tri­chet auch ein, Staats­an­lei­hen der be­dräng­ten Staa­ten be­grenzt auf­zu­kau­fen. Die Ak­qui­si­tio­nen wur­den 2012 aus­ge­setzt.

Um den Ban­ken in den Kri­sen­staa­ten den Zu­gang zu EZB-Li­qui­di­tät zu ga­ran­tie­ren, er­fand die EZB neue We­ge. Sie liess im­mer mehr Wert­schrif­ten mit schlech­te­rer Bo­ni­tät als De­ckung (Col­la­te­ral) zu, mit de­nen Ban­ken sich Li­qui­di­tät von der EZB be­schaf­fen. Als selbst dies nicht mehr aus­reich­te, weil die Col­la­te­rals auch dem lo­ckers­ten Stan­dard nicht mehr ge­nüg­ten, füll­ten na­tio­na­le No­ten­ban­ken mit ei­ner Not­fi­nan­zie­rung die Lü­cke: Emer­gen­cy Li­qui­di­ty As­sis­tan­ce (ELA). Sie er­laubt ih­nen, Ban­ken Mit­tel be­reit­zu­stel­len, oh­ne die EZB um Er­laub­nis zu fra­gen oder sich mit an­de­ren No­ten­ban­ken ab­zu­spre­chen.

Der im No­vem­ber 2011 an­ge­tre­te­ne neue EZB-Chef, Ma­rio Draghi, zück­te rasch die er­hoff­te Ba­zoo­ka: lang­fris­ti­ge Li­qui­di­täts­ge­schäf­te (LTRO) mit den Ban­ken. Im Sommer 2012 sprach er aus, was die Märk­te ge­hofft und vie­le No­ten­bank­kol­le­gen be­fürch­tet hat­ten: Die EZB un­ter­neh­me al­les, um zu hel­fen. Er ent­warf die Ou­t­right Mo­ne­ta­ry Tran­sac­tions (OMT) als ul­ti­ma­ti­ve Ab­si­che­rung ge­gen ein Aus­ein­an­der­bre­chen der Wäh­rungs­uni­on. Die EZB ist dem­nach be­reit, An­lei­hen ei­nes Lan­des in die ei­ge­ne Bi­lanz zu neh­men, wenn die­ses Land ein Re­form­pro­gramm mit dem Ret­tungs­schirm ESM und/oder dem IWF ein­geht. Draghi brach­te den An­satz auf die grif­fi­ge For­mel: «No re­forms, no OMT».

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