Jetzt sind Öl­ser­vice­ak­ti­en am Zug

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TÉS

Der Ener­gie­sek­tor wies vor fünf Jah­ren im re­prä­sen­ta­ti­ven MSCI-Welt­in­dex ei­ne Ge­wich­tung von 12,9% auf. Seit­her ist sie kon­ti­nu­ier­lich auf 9,6% ge­sun­ken. Der Sek­tor be­steht aus zwei In­dus­trie­grup­pen: Ener­gy Equip­ment & Ser­vices mit 28 Ti­teln und ei­ner Ge­wich­tung von 1,4% des MSCI (nach 1,8% vor fünf Jah­ren) so­wie Oil, Gas & Con­su­ma­ble Fu­els mit 92 Ak­ti­en mit ei­ner Ge­wich­tung von 8,2%, was ver­g­li­chen mit Mit­te 2008, als die­se In­dus­trie­grup­pe al­lein 11,1% auf die Waa­ge brach­te, ei­nem Rück­gang von 25,7% ent­spricht.

Mei­ne An­la­ge­po­li­tik ist dar­auf aus­ge­rich­tet, Ak­ti­en aus re­la­tiv schwa­chen Sek­to­ren meis­tens zu mei­den. Der Ener­gie­sek­tor ist im­mer noch re­la­tiv schwach. So be­trug die Ge­wich­tung An­fang Jahr 10,6%. Das heisst, dass die re­la­ti­ve Schwä­che al­lein in die­sem Jahr 9% be­tra­gen hat. Mit ei­nem fik­ti­ven Port­fo­lio aus den 120 Ener­gie-Ak­ti­en des MSCI wä­re bis jetzt in die­sem Jahr ei­ne Ren­di­te von 8,7% in Fran­ken er­zielt wor­den, was sich im Ver­gleich zum MSCI um plus 17,7% eben­falls in Fran­ken wohl nie­mand wün­schen kann.

Neu­gier lässt fin­den

Neu­gier treibt mich stets an, um her­aus­zu­fin­den, ob sich un­ter der (In­dex-) Ober­flä­che ein Wan­del ab­zeich­net. Da­her die obi­ge Aus­sa­ge, dass «meis­tens» auf Ak­ti­en aus schwa­chen Sek­to­ren ver­zich­tet wer­den sol­le. Ei­ne Aus­nah­me ist dann zu ma­chen, wenn sich in­ner­halb von Sek­to­ren oder In­dus­trie­grup­pen Ve­rän­de­run­gen der re­la­ti­ven Stär­ke in ei­ner An­samm­lung von Ak­ti­en von Un­ter­neh­men fest­stel­len las­sen, die har­te Kon­kur- ren­ten sind. Die­ser Be­fund liegt im Ener­gie­sek­tor vor. Die voll in­te­grier­ten mul­ti­na­tio­na­len Un­ter­neh­men vom Schla­ge ei­ner Roy­al Dutch, Exxon oder Chev­ron si­gna­li­sie­ren kein En­de ih­rer re­la­ti­ven Schwä­che. Spe­zia­li­sier­te Un­ter­neh­men so­wohl aus der In­dus­trie­grup­pe Oil, Gas & Con­su­ma­ble Fu­els als auch Ener­gy Equip­ment & Ser­vices hin­ge­gen ge­hö­ren zu den Ti­teln, die die höchs­ten At­trak­ti­vi­täts­no­ten in mei­nem Mo­dell er­klim­men. Weil ih­re Ge­wich­tung nied­rig ist, wird die re­la­ti­ve Schwä­che des Sek­tors an­hal­ten, so­lan­ge die Schwer­ge­wich­te re­la­tiv schwach blei­ben.

Wis­sen und Kön­nen

Zu den be­son­ders at­trak­ti­ven Ak­ti­en ge­hö­ren Ba­ker Hug­hes, Hal­li­bur­ton und Schlum­ber­ger aus dem Ser­vice­be­reich so­wie Co­no­co Phil­lips und No­b­le Ener­gy (nicht zu ver­wech­seln mit No­b­le Corp.) un­ter den Öl- und Gas­för­de­rern. Sie wei­sen ei­ne At­trak­ti­vi­tät von 1,3 zu Chev­ron, Exxon, Roy­al Dutch und BP auf und von 1,17 zum MSCI-Welt­in­dex. Die­se und wei­te­re po­si­ti­ve Kenn­zei­chen sind nach mei­ner Er­fah­rung gu­te Vor­aus­set­zun­gen für die Ent­ste­hung von Trends, die län­ger dau­ern und wei­ter­lau­fen als meis­tens von uns al­len an­ge­nom­men.

Zur dies­jäh­ri­gen No­bel­preis-Ver­ga­be an ei­nen her­aus­ra­gen­den Ver­tre­ter der Ef­fi­zi­enz­markt-Hy­po­the­se und ei­nen eben­so hoch an­ge­se­he­nen For­scher in Be­ha­viou­ral Fi­nan­ce schrieb Prof. Ma­nu­el Am­man in der NZZ: «Voll­stän­dig wird man den Preis­bil­dungs­me­cha­nis­mus an den Märk­ten al­ler­dings nie ver­ste­hen kön­nen, denn hin­ter ih­nen ste­hen Men­schen. Die­se än­dern ihr Ver­hal­ten über die Zeit und mit je­der neu­en Er­kennt­nis. Sie sind da­mit der em­pi­ri­schen For­schung im­mer ei­nen Schritt vor­aus.»

Das ist ei­ne Re­la­ti­vie­rung der Be­deu­tung des Wis­sens im Dschun­gel der Ka­pi­tal­märk­te. Dem Wis­sen steht oft ein Kön­nen ge­gen­über, das so­lan­ge Kunst ist, bis die Wis­sen­schaft weiss, war­um ei­ne ge­wis­se Kunst funk­tio­niert – dann wird sie zum Wis­sen. Das ist wohl die Er­klä­rung für das Über­le­ben der tech­ni­schen Ana­ly­se wäh­rend Jahr­zehn­ten ih­rer Ver­nied­li­chung durch die Fi­nanz­wis­sen­schaft. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit je­ner der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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