Gros­se Un­ter­schie­de

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - HEINZ RÜTTIMANN

Die Welt könn­te un­ter­schied­li­cher nicht sein. In den USA er­reich­te der S&P 500 mit 1762 Punk­ten ein neu­es All­zeit­hoch und der Dow Jo­nes setzt zum zwei­ten Mal da­zu an, die Re­kord­mar­ke von knapp 15 700 zu kna­cken. In Eu­ro­pa schaff­te es der Dax gar, das ers­te Mal in der Ge­schich­te die 9000er Mar­ke zu tes­ten, no­ta­be­ne eben­falls ei­ne neue Re­kord­mar­ke. Der SMI kann noch nicht ein neu­es All­zeit­hoch ver­zeich­nen, aber bei ei­nem Wert­zu­wachs von 21% seit Jah­res­be­ginn wird sich wohl kein ent­täusch­ter In­ves­tor fin­den. Von der mo­men­ta­nen Cham­pa­gner­lau­ne im Wes­ten kön­nen In­ves­to­ren in Schwel­len­län­dern nur träu­men.

In Dol­lar ge­rech­net lie­gen der MSCI Bra­si­li­en, der MSCI Russ­land, der MSCI In­di­en und der MSCI Chi­na noch im­mer rund 40% bis 50% un­ter den bis­he­ri­gen Re­kor­den von 2007. Das hat vie­le Grün­de. Zum ei­nen ha­ben sich die Wachs­tums­dif­fe­ren­zen zwi­schen den ent­wi­ckel­ten und den Schwel­len­län­dern ver­klei­nert und zum an­de­ren ha­ben die west­li­chen Un­ter­neh­men ih­re Ka­pi­tal­ef­fi­zi­enz, die Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te ge­stei­gert. Das Zau­ber­wort der Schwel­len­län­der heisst «Re­form­ren­di­te». Sie wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sträf­lich ver­nach­läs­sigt.

Ent­wi­ckel­te Län­der top, Schwel­len­län­der Flop

Ge­win­ne auf Kurs

Das wirt­schaft­li­che Po­ten­zi­al ist nach wie vor enorm, aber der Er­folg fällt auf­grund des tie­fen Ba­sis­ef­fek­tes nicht mehr ein­fach in den Schoss. Schwel­len­län­der müs­sen mehr für ih­ren Er­folg tun und drin­gend nö­ti­ge Re­for­men um­set­zen. Re­for­men er­hö­hen die Ef­fi­zi­enz ei­ner Volks­wirt­schaft, sti­mu­lie­ren das Wachs­tum und er­hö­hen die Er­trags­aus­sich­ten.

Die Be­richt­sai­son für das drit­te Quar­tal hat be­gon­nen und die west­li­chen Un­ter­neh­men sind so- weit gut ge­star­tet. In den USA hat in­zwi­schen mehr als die Hälf­te der 500 Na­men aus dem S&P 500 rap­por­tiert. Die Quar­tals­ge­win­ne im Jah­res­ver­gleich ent­spre­chen so­weit den Er­war­tun­gen und konn­ten bis­her um rund 4,5% ge­stei­gert wer­den. Ein­zig die Um­satz­stei­ge­run­gen sind mit 3,1% nied­ri­ger als er­war­tet (6,6%). Mit bes­se­ren Quar­tals­zah­len über­rascht ha­ben un­ter an­de­rem Goog­le, Mi­cro­soft, Bo­eing und Ford.

Die Ge­winn­be­richts­er­stat­tung in Eu­ro­pa hat eben­falls be­gon­nen. Vom Sto­xx Eu­ro­pe 600 In­dex ha­ben in­zwi­schen rund 100 Un­ter­neh­men oder 16% ih­re Zah­len vor­ge­legt. Da­bei of­fen­bart sich die ty­pi­sche kon­junk­tu­rel­le Ver­zö­ge­rung ge­gen­über den USA. Die Re­sul­ta­te der Eu­ro­pä­er ge­ben zwar noch kei­nen An­lass für Ju­bel, aber Die Re­sul­ta­te der UBS zei­gen ein leicht schwä­che­res Bild, sind aber bes­ser als die der Cre­dit Suis­se. Für Über­ra­schung sorg­te die Eid­ge­nös­si­sche Fi­nanz­markt­auf­sicht Fin­ma. Sie ver­langt von der UBS, zu­sätz­li­ches Ka­pi­tal für ope­ra­tio­nel­le Ri­si­ken zu hin­ter­le­gen. Die Bör­se quit­tier­te dies mit ei­ner 6% tie­fe­ren Er­öff­nung.

Die Bör­sen ho­no­rie­ren die gu­ten Zah­len mit Kurs­stei­ge­run­gen und man fragt sich, wann das En­de der Fah­nen­stan­ge er­reicht ist oder wann die Märk­te ei­ne Ver­schnauf­pau­se ein­le­gen. We­gen der auf ab­seh­ba­re Zeit wei­ter­hin tie­fen Bond-Ren­di­ten ist die Su­che nach mehr Ren­di­te wie­der in vol­lem Gang. Da­mit kommt ein An­le­ger an Ak­ti­en qua­li­ta­tiv gut ge­führ­ter Un­ter­neh­men kaum vor­bei. Das kom­men­de Tref­fen des Fe­deral Open Mar­ket Com­mit­tee (FOMC) die­sen Mitt­woch wird dar­an wohl nichts än­dern. Dank der leich­ten wirt­schaft­li­chen Er­ho­lung der Eu­ro­zo­ne hat sich das Ak­ti­en­uni­ver­sum für An­le­ger grund­sätz­lich er­höht. An­gel­säch­si­sche In­ves­to­ren ha­ben dies eben­falls be­merkt, und es sind ver­mehrt Ka­pi­tal­ver­schie­bun­gen nach Eu­ro­pa fest­stell­bar.

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