Ab­wärts­trend hält an

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WAL­TER SCHNEI­DER

WMehr­jah­res­tief von Kaf­fee we­gen Über­an­ge­bot – Bais­se bei Ge­trei­de

enig Er­bau­li­ches gibt es von den in­ter­na­tio­na­len Roh­stoff­märk­ten zu be­rich­ten. We­der die freund­li­chen Wert­schrif­ten­märk­te noch der wei­ter schwä­cheln­de Dol­lar konn­ten die Roh­stoff­prei­se un­ter­stüt­zen: Die schlech­te Stim­mung liess die Kur­se in den ver­gan­ge­nen Ta­gen nach un­ten ten­die­ren.

Ge­spannt er­war­ten die Märk­te den Aus­gang der Sit­zung des Of­fen­markt­aus­schus­ses des Fed am Mitt­woch, wo­bei die jüngs­ten Kon­junk­tur­da­ten und die Fol­gen der tem­po­rä­ren Still­le­gung von Tei­len der US-Ver­wal­tung kaum ei­ne Än­de­rung der lo­cke­ren Geld­po­li­tik er­war­ten las­sen.

Gros­se Preis­aus­schlä­ge präg­ten die Ener­gie­märk­te. Öl bleibt hin­und her­ge­ris­sen zwi­schen preis­stüt­zen­den Fak­to­ren wie Ex­port­aus­fäl­len in Li­by­en oder Irak und der Aus­sicht auf ei­ne mög­li­che Auf­he­bung der Ex­port­re­strik­tio­nen des Iran. Zu­erst ge­riet eu­ro­päi­sches Roh­öl der Sor­te Brent un­ter enor­men Ver­kaufs­druck und stürz­te von 111 $ pro Fass (159 Li­ter) auf ge­gen 106 $, be­vor Rück­käu­fe ein­setz­ten und der Fass­preis wie­der auf mehr als 109 $ klet­ter­te. Durch den schwä­che­ren Dol­lar ver­güns­tig­te sich Heiz­öl in Eu­ro­pa, was die Kon­sum­nach­fra­ge an­regt. Eu­ro­päi­sches Ga­soil (Heiz­öl), ge- han­delt an der In­ter­con­ti­nen­tal Ex­ch­an­ge ICE in London, er­reich­te zum Wo­chen­be­ginn das Ni­veau von 930 $ pro Ton­ne, nach­dem der promp­te Lie­fer­ter­min No­vem­ber in der Vor­wo­che von knapp 950 auf un­ter 910 $ ab­ge­sackt war.

Zu den we­ni­gen Wo­chen­ge­win­nern ge­hör­ten für ein­mal die Edel­me­tal­le. Bei Gold ver­teu­er­te sich die Fein­un­ze um knapp 3% und auch Pla­tin und Sil­ber lie­gen im Wo­chen­ver­gleich hö­her. Bei den Edel­me­tal­len scheint die Schwä­che­pha­se, die Gold von En­de Au­gust bis Mit­te Ok­to­ber um et­wa 200 $ pro Un­ze hat ab­stür­zen las­sen, vor­läu­fig be­en­digt. An­de­rer­seits er­war­ten vie­le Markt­teil­neh­mer, dass im heu­ti­gen Um­feld wei­te­re nach­hal­ti­ge Preis­stei­ge­run­gen un­wahr­schein­lich sind.

Bei den Ge­nuss­mit­teln fällt ein­mal mehr Kaf­fee auf. Hier wur­den zu­letzt täg­lich neue Mehr­jah­res­tiefs ver­bucht. Die seit 2011 an­hal­ten­de Bais­se setzt sich un­auf­halt­sam fort. Der Ab­wärts­trend wird vom glo­ba­len An­ge­bot ge­trie­ben. Re­kor­der­trä­ge in Viet­nam und die bal­di­ge ko­lum­bia­ni­sche Ern­te er­hö­hen das be­reits gros­se An­ge­bot wei­ter. Auch in Bra­si­li­en wird 2014 ei­ne rie­si­ge Ern­te er­war­tet. Ob die tie­fen Kaf­fee­prei­se das zu­künf­ti­ge An­ge­bot be­ein­flus­sen wer­den, ist heu­te kaum ab­zu­schät­zen, da die Pro­duk­ti­ons­zy­klen bei Kaf­fee lang­fris­tig sind. Von der Pflan­zung ei­nes Kaf­fee­strauchs bis zur ers­ten Ern­te ver­ge­hen meh­re­re Jah­re.

Auch die Ge­trei­de- und Öl­saa­ten­märk­te des Chi­ca­go Bo­ard of Tra­de CBOT ge­rie­ten in den ver­gan­ge­nen Ta­gen wie­der un­ter Ab­ga­be­druck. Die So­ja- und Mai­s­ern­ten ge­hen zü­gig vor­an und die Hekt­ar­er­trä­ge fal­len deut­lich über den Er­war­tun­gen aus. In USA ist die So­ja­ern­te zu knapp 80% und je­ne von Mais zu 60% ein­ge­fah­ren. Die ge­sam­te Ge­trei­de­pa­let­te no­tiert des­halb im Wo­chen­ver­gleich bis zu 3% tie­fer. Selbst eu­ro­päi­scher Mais und Raps, die an der Pa­ri­ser Fu­tures­bör­se Ma­tif ko­tiert wer­den, sind in den Ab­wärts­stru­del ge­ra­ten. We­gen des Shut­downs in den USA sind vie­le wich­ti­ge Da­ten wie Ex­port­zah­len ver­spä­tet, was die Ar­beit der Markt­ana­lys­ten er­schwert. So wird heu­te schon mit Span­nung dem für 8. No­vem­ber an­ge­kün­dig­te Ern­tebe­richt des US-Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums ent­ge­gen­ge­se­hen. Soll­ten sich in Ar­gen­ti­ni­en und Bra­si­li­en kei­ne grös­se­ren Wet­ter­pro­ble­me er­ge­ben, so sind bei Ge­trei­de und Öl­saa­ten wohl wei­te­re Kurs­ver­lus­te zu er­war­ten.

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