En­de der Kri­se für Ban­ken naht

Nach Jah­ren der Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung könn­te 2014 zum Jahr wer­den, in dem Ban­ken die Kri­se hin­ter sich las­sen.

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - CLIF­FORD PADEVIT,

Es ist schon das sieb­te Jahr nach Aus­bruch der Fi­nanz­kri­se, und die Agen­da der Ban­ken wird noch im­mer von den Auf­sichts­be­hör­den be­stimmt. 2014 wird da auf den ers­ten Blick kei­ne Er­leich­te­rung brin­gen. In der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) wer­den die Bi­lan­zen der Ban­ken ge­röntgt, die Ei­gen­ka­pi­tal­po­si­ti­on und die Zu­sam­men­set­zung der ei­ge­nen Mit­tel ste­hen un­ter schar­fer Be­ob­ach­tung. Aber es könn­te trotz­dem der Be­ginn ei­ner neu­en Zeit­rech­nung sein.

Ak­ti­en­an­le­ger hof­fen je­den­falls, dass die struk­tu­rel­len Ve­rän­de­run­gen durch die kon­junk­tu­rel­le Er­ho­lung in Eu­ro­pa er­leich­tert wer­den. Ein Stück weit ha­ben sie die­ser Hoff­nung be­reits Aus­druck ver­lie­hen, in­dem sie seit dem letz­ten Som­mer wie­der Bank­ak­ti­en kauf­ten. Fast der gan­ze Kurs­ge­winn des Sek­tors von 23% im ver­gan­ge­nen Jahr (vgl. Grafik) ging aber auf ei­ne Be­wer­tungs­aus­deh­nung zu­rück, die Ge­win­ne hin­ken hin­ter­her.

His­to­ri­sches Aus­mass

Ab­ge­se­hen von der Ge­winn­ent­wick­lung liegt das Au­gen­merk auf dem Bi­lanz­test der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) so­wie dem dar­auf fol­gen­den Stress­test. Das Un­ter­fan­gen soll bis Ok­to­ber zu En­de sein, dann erst wird be­kannt wer­den, wel­che Ban­ken in der EU mehr Ei­gen­ka­pi­tal be­nö­ti­gen. «Man könn­te sa­gen, die Ban­ken sei­en mit dem gröss­ten ‹Due-Di­li­gen­ceTest› der Ge­schich­te kon­fron­tiert», sagt Bill Micha­el, Eu­ro­pa­chef für Fi­nanz­dienst­leis­ter beim Au­dit-Un­ter­neh­men KPMG.

Gut 130 In­sti­tu­te ste­hen im Fo­kus der EZB, die im No­vem­ber die Ban­ken­auf­sicht über­nimmt. Be­deu­tend ist die Har­mo­ni­sie­rung der Ver­bu­chung not­lei­den­der Kre­di­te. Wie die Ra­ting­agen­tur S&P fest­hält, ha­ben Ban­ken be­reits be­gon­nen, hö­he­re Rück­stel­lun­gen zu bil­den. Mög­li­cher­wei­se wur­den im letz­ten Quar­tal noch ent­spre­chen­de Bu­chun­gen vor­ge­nom­men, denn der Stich­tag ist der 31. De­zem­ber.

Die gros­se Fra­ge wird 2014 sein, in wel­chem Land, wel­cher Bank wie viel Ka­pi­tal fehlt. Es ist die Fra­ge, auf die die EZB ei­ne ab­schlies­sen­de Ant­wort ge­ben will, da­mit der Markt Ban­kbi­lan­zen wie­der ver­traut. Weil Ban­ken mit ei­ner Ka­pi­tal­quo­te von 8% de­fi­niert nach den Über­gangs­kri­te­ri­en des Ka­pi­tal­stan­dards Ba­sel III (und nicht dem ab 2019 gel­ten­den Stan­dard) den Bi­lanz­test über­ste­hen, sind die Ana­lys­ten von Bar­clays ent­spannt. Für die gröss­ten Ban­ken soll­te die­se Hür­de kein Pro­blem dar­stel­len (vgl. Grafik). Die An­for­de­rung für den Stress­test ist noch nicht be­kannt.

Ob die Fra­ge nach dem Ka­pi­tal­be­darf be­reits im Ok­to­ber be­ant­wor­tet wer­den kann, ist frag­lich. Das Vor­ha­ben der EZB ist kom­plex, der Pro­be­lauf für Bi­lanz- und Stress­test, der eben in Slo­we­ni­en statt­ge­fun­den hat, zeigt es. Auf­grund der Si­gnal- wir­kung dürf­te die EZB kei­ne Ab­stri­che ma­chen. Ver­zö­ge­run­gen wür­den wohl eher ak­zep­tiert als Qua­li­täts­ein­bus­sen.

In der De­fen­si­ve

Was die Ka­pi­tal­fra­ge an­geht, wer­den sich Eu­ro­pas Ban­ken, vor al­lem In­vest­ment­ban­ken, über den Bi­lanz- und Stress­test der EZB hin­aus wei­ter in der De­fen­si­ve be­fin­den. Das hat mit der Ver­schul­dungs­quo­te zu tun. Die Stan­dard­set­zer bei der Bank für in­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich wer­den An­fang 2014 über Ein­zel­hei­ten der Le­ver­a­ge Ra­tio be­ra­ten, nach­dem sie im letz­ten Som­mer die Be­rech­nungs­me­tho­de in die Ver­nehm­las­sung ge­schickt ha­ben. Ver­bind­lich wird die in­ter­na­tio­na­le Ba­sel-III-Le­ver­a­ge-Ra­tio erst 2018. Für Fe­bru­ar wird er­war­tet, dass die USA ih­re Le­ver­a­ge-Re­geln be­kannt­ge­ben, die, ge­paart mit Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen, in den USA tä­ti­gen aus­län­di­schen Ban­ken neue Her­aus­for­de­run­gen brin­gen, be­son­ders der Deut­schen Bank. 2014 wird aber auch ein Jahr, in dem die Ka­pi­tal­zu­sam­men­set­zung an­ge­passt wird. Emil Pe­trov, Chef Ka­pi­tallö­sun­gen bei No­mu­ra, sag­te un­längst an ei­nem Me­di­en­ge­spräch: «Es wird im kom­men­den Jahr mehr er­gän­zen­des Ka­pi­tal emit­tiert» (Ad­di­tio­nal Tier 1). Das ist Fremd­ka­pi­tal, das zum re­gu­la­to­ri­schen Ka­pi­tal zählt und ab­ge­schrie­ben oder in Ak­ti­en ge­wan­delt wer­den kann. Emis­sio­nen 2013 hät­ten ge­zeigt, dass In­ves­to­ren sol­che Pa­pie­re ger­ne kauf­ten, sag­te Pe­trov. Die Ka­pi­tal­kos­ten die­ser Ti­tel sind ge­rin­ger als für Ak­ti­en­ka­pi­tal, und sie wer­den bei der Be­rech­nung der Le­ver­a­ge Ra­tio an­ge­rech­net. Mit ei­nem Pols­ter nach­ran­gi­ger Wert­pa­pie­re sind Gläu­bi­ger wie Ein­le­ger bes­ser ge­schützt.

Vor lau­ter An­pas­sun­gen der Vor­schrif­ten dür­fen we­der Ban­ken noch An­le­ger die Fl­in­te ins Korn wer­fen. Die Bi­l­anz­über­prü­fung dient der Trans­pa­renz. Erst­mals soll es mög­lich wer­den, die Bi­lanz­qua­li­tät ei­ner deut­schen Bank mit ei­ner in Spa­ni­en zu ver­glei­chen. Weil zu­dem erst­mals ein­heit­li­che Vor­schrif­ten gel­ten, ent­steht ein ech­ter Bin­nen­markt. Künf­tig wird es für Ban­ken ein­fa­cher, grenz­über­schrei­tend tä­tig zu sein, was vor al­lem im Pri­vat- und Fir­men­kun­den­ge­schäft zu ei­ner Kon­so­li­die­rung füh­ren könn­te. «Fu­sio­nen und Über­nah­men im eu­ro­päi­schen Ban­ken­sek­tor könn­ten stra­te­gisch für ei­ni­ge In­sti­tu­te sinn­voll sein, aber ich er­war­te nicht, dass das schon ein The­ma für 2014 sein wird», sagt Her­n­an Cris­ter­na, Co-Chef M&A glo­bal bei J. P. Mor­gan.

Zu­dem sind Di­vi­den­den­aus­zah­lun­gen der Ban­ken noch im­mer auf nied­ri­gem Ni­veau. So­bald die Ka­pi­tal­po­si­ti­on die künf­ti­gen An­for­de­run­gen über­trifft und so­fern Re­gu­la­to­ren ein­ver­stan­den sind, kann die Di­vi­den­de wie­der stei­gen. Ent­spre­chen­de Hin­wei­se wur­den mit Kurs­ge­win­nen quit­tiert. Die Vor­zei­chen wä­ren um­ge­kehrt, wenn der Re­gu­la­tor neue Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen stell­te.

Für Eu­ro­pas Ban­ken ist 2014 ent­schei­dend. Die Än­de­rung in der Auf­sicht bringt die Chan­ce, end­lich mit Alt­las­ten aus der Kri­se auf­zu­räu­men. Die wirt­schaft­li­che Er­ho­lung und die er­war­te­te Nor­ma­li­sie­rung bei den Zin­sen stüt­zen die Auf­räum­ak­ti­on. Gut mög­lich, dass 2014 zum Jahr avan­ciert, in dem Eu­ro­pas Ban­ken die Kri­se hin­ter sich ge­las­sen ha­ben.

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