Vom Boom in Schie­fer­gas und -öl pro­fi­tie­ren

An­le­ger soll­ten auf öl­las­ti­ge Ex­plo­ra­ti­ons- und Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men set­zen. Gu­te Chan­cen bie­ten sich zu­neh­mend in Ni­schen des Öl- und Gas­sek­tors.

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - MAR­TIN GOLLMER

Die Öl- und Gas­för­de­rung in den USA boomt. Grund sind neue Bohr- und För­der­tech­ni­ken (ho­ri­zon­ta­les Boh­ren und Hy­drau­lic Frac­tu­ring, kurz: Fracking), die es er­lau­ben, bis vor kur­zem un­er­reich­ba­res Öl und Gas aus Schie­fer- und an­de­rem dich­tem Gestein zu ge­win­nen. Der För­der­boom hat zu ei­nem Preis­zer­fall in Gas ge­führt und drückt auch auf die Prei­se für Öl.

Wäh­rend die Kon­su­men­ten von Öl und Gas vom Boom pro­fi­tie­ren, könn­ten die bes­ten Zei­ten für Un­ter­neh­men – und da­mit auch für An­le­ger – be­reits vor­bei sein. Gu­te Chan­cen bie­ten sich aber wei­ter­hin in Ni­schen des Öl- und Gas­sek­tors.

Prei­se un­ter Druck

Der Schie­fer­gas­boom setz­te in den USA 2005 ein, der Schie­fe­röl­boom et­was spä­ter (vgl. Gra­fi­ken). 2012 wur­den in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten 681 Mrd. Ku­bik­me­ter Gas und 6,5 Mio. Fass Öl pro Tag ge­för­dert. Bis 2040 dürf­te die Gas­pro­duk­ti­on ge­mäss Pro­gno­sen der US Ener­gy In­for­ma­ti­on Ad­mi­nis­tra­ti­on auf 1047 Mrd. Ku­bik­me­ter stei­gen. Beim Öl wächst die Förderung bis 2016 auf 9,5 Mio. Fass pro Tag. Da­nach flacht sich das Wachs­tum ab, bis nach 2020 ein För­der­rück­gang ein­setzt.

Die stei­gen­den För­der­men­gen blie­ben nicht oh­ne Fol­gen für die Prei­se von Gas und Öl in den USA. Dies auch, weil sich die Nach­fra­ge we­gen sta­gnie­ren­dem Wirt­schafts­wachs­tum und Ef­fi­zi­enz­stei­ge­run­gen beim Ver­brauch kaum be­weg­te oder gar zu­rück­ging. Beim Gas kam es gar zu ei­nem Preis­zer­fall. Wur­den 2008 noch 14 $ pro Mil­li­on Bri­ti­sche Ther­mal­ein­hei­ten (BTU) be­zahlt, wa­ren es 2012 ge­ra­de noch 2 $. Zur­zeit steht der Gas­preis in den USA auf 4.30 $/Mio. BTU – dank der ge­gen­wär­ti­gen Käl­te­wel­le. Das ver­gleicht sich mit Pro­duk­ti­ons­kos­ten von 3.50 $/Mio. BTU. An­ge­sichts sol­cher Zah­len ge­rie­ten gas­las­ti­ge Ex­plo­ra­ti­ons- und Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men arg un­ter Druck. Selbst Schie­fer­ga­spio­nie­re wie Chesa­pea­ke Ener­gy oder En­ca­na sa­hen sich zu ho­hen Ab­schrei­bun­gen ver­an­lasst und muss­ten un­pro­fi­ta­ble Ak­ti­va ver­kau­fen.

Wer konn­te, bau­te da­für das Ge­schäft mit Schie­fe­r­öl aus. Zwar ge­riet in den USA auch der Öl­preis un­ter Druck, doch der Rück­gang hielt sich in en­gen Gren­zen. 2012, als die mitt­le­re No­tie­rung für Brent-Öl knapp 112 $ pro Fass be­trug, liess sich für Öl um­ge­rech­net auf ein Fass Öl­äqui­va­lent 7,1-mal mehr lö­sen als für die glei­che Men­ge Gas. Zwi­schen 2000 und 2005, als die Förderung aus Schie­fer­ge­stein in den USA ein­setz­te, lag Gas prak­tisch noch gleich­auf mit Öl. Zur­zeit wird für Öl der glo­ba­len Re­fe­renz­sor­te Brent ein Preis um 107 $ pro Fass be­zahlt. Die Pro­duk­ti­ons­kos­ten für Schie­fe­r­öl be­tra­gen zwi­schen 50 und 80 $ pro Fass.

Dass sich Gas- und Öl­preis in den USA so un­ter­schied­lich ent­wi­ckelt ha­ben, hängt mit den dif­fe­rie­ren­den Markt­struk­tu­ren zu­sam­men. Der Gas­markt ist we­gen der be­schränk­ten Trans­por­tier­bar­keit des flüch­ti­gen Brenn- und Treib­stoffs kon­ti­nen­tal be­grenzt. US-Gas konn­te so nicht ex­por­tiert wer­den und die Gas­schwem­me mit vol­ler Wucht ih­re preis­sen­ken­de Wir­kung ent­fal­ten. Der Öl­markt ist da­ge­gen die Kon­ti­nen­te über­schrei­tend or­ga­ni­siert, so­dass mehr Mög­lich­kei­ten zum Aus­gleich von An­ge­bot und Nach­fra­ge be­ste­hen. Ei­ner stei­gen­den Förderung in den USA stan­den so Lie­fer­stö­run­gen in Afri­ka und im Na­hen Os­ten ge­gen­über.

Bes­te Zei­ten vor­bei?

An­le­ger, die von An­fang an auf den Schie­fer­gas- und -öl­boom ge­setzt ha­ben, ha­ben gu­tes Geld ver­dient. Zwi­schen 2002 und 2007 ver­vier­fach­te sich der S&P US-Ex­plo­ra­ti­ons- und Pro­duk­ti­ons­sek­tor­index, wäh­rend der markt­brei­te S&P 500 nur 27% klet­ter­te. Ab 2008 bis heu­te kehr­te sich dann al­ler­dings das Bild: Die Ti­tel von Ex­plo­ra­ti­ons- und Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men stie­gen nur noch 16%, wäh­rend der brei­te Ak­ti­en­markt 28% zu­leg­te.

Das zeigt an, dass für An­le­ger der Schie­fer­gas- und -öl­boom mitt­ler­wei­le schon vor­bei sein könn­te. Zwar kann mit Va­lo­ren von Un­ter­neh­men wie Con­ti­nen­tal Re­sour­ces, die ein ho­hes Ex­po­sure zum pro­fi­ta­ble­ren Schie­fe­r­öl ha­ben, wei­ter­hin Geld ver­dient wer­den, aber mög­li­cher­wei­se nicht mehr so viel wie noch vor ein paar Jah­ren. In­ter­es­san­ter dürf­ten in der ge­gen­wär­ti­gen Pha­se der Ent­wick­lung von Schie­fer­gas und -öl Pa­pie­re von Un­ter­neh­men sein, de­ren Ge­schäft nicht dem Auf und Ab der Roh­stoff­prei­se aus­ge­setzt ist. Da­zu ge­hö­ren et­wa der Frackings­and­lie­fe­rant Car­bo Ce­ra­mics, der Pum­pen­her­stel­ler Dres­ser-Rand oder der Pi­pe­line­be­trei­ber Kin­der Mor­gan. Sie dürf­ten vor al­lem von den stei­gen­den Bohr- und För­der­vo­lu­men pro­fi­tie­ren.

Dass sich die An­la­ge­chan­cen zu­neh­mend in Ni­schen des Schie­fer­gas- und -öl­be­reichs ver­la­gern, hat eben US-Gross­in­ves­tor War­ren Buf­fett de­mons­triert. Kurz von En­de 2013 hat er dem Raf­fi­ne­rie­kon­zern Phil­lips 66 für 1,4 Mrd. $ die Ge­schäfts­ein­heit ab­ge­kauft, die Spe­zi­al­che­mi­ka­li­en her­stellt, mit de­nen die Fliess­ge­schwin­dig­keit von Öl in Pi­pe­lines be­schleu­nigt wer­den kann (vgl. fuw.ch/080114-2). An­ge­sichts der be­reits no­to­ri­schen Ka­pa­zi­täts­eng­päs­se im ame­ri­ka­ni­schen Pi­pe­line­netz­werk dürf­te das ein zu­kunfts­träch­ti­ges Ge­schäft sein.

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