Kei­ne Brenn­punk­te in Sicht

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TES

Es heisst, 2013 ha­be den Bör­sen über­ra­schen­de Kurs­ge­win­ne ge­bracht. Über­ra­schun­gen set­zen ei­ne Er­war­tung vor­aus. Kom­ple­xe pfa­dab­hän­gi­ge Sys­te­me wie die Bör­sen las­sen kei­ne auf ein Da­tum fi­xier­ten Er­war­tun­gen zu. Wes­halb und wann ein Trend sich än­dert, ist ers­tens of­fen und kann zwei­tens in­ef­fi­zi­ent sein, d. h., das Preis-Wert-Ver­hält­nis kann am Tren­den­de sehr un­ter­schied­lich sein. So knüp­fe ich kei­ne Er­war­tun­gen an die Bör­se, son­dern he­ge nur Er­war­tun­gen an mich selbst – um Brenn­punk­te, an de­nen sich die Markt­rich­tung än­dert, mög­lichst früh zu er­ken­nen. Ich will von Brenn­punkt zu Brenn­punkt die glei­che An­la­ge­po­li­tik ver­fol­gen, oh­ne mir Ge­dan­ken dar­über zu ma­chen, wann wel­che vor­über­ge­hen­den Be­we­gun­gen ge­gen den Trend ein­tre­ten. Denn der Ver­such, sie aus­zu­nüt­zen, bringt nach al­len Er­fah­run­gen kei­nen Mehr­wert.

Der letz­te Brenn­punkt an Eu­ro­pas Bör­sen da­tiert von Spät­som­mer/Früh­herbst 2011, zwi­schen Au­gust und De­zem­ber da­mals mehr­mals the­ma­ti­siert. Wann der nächs­te Brenn­punkt kommt, weiss ich nicht. Doch wenn er ein­tritt, wer­de ich ihn mit ziem­lich ho­her Wahr­schein­lich­keit er­ken­nen, denn Brenn­punk­te sind von ei­ner ekla­tan­ten Ein­di­men­sio­na­li­tät in der öf­fent­li­chen Mei­nung und ei­ner spe­zi­fi­schen Ve­rän­de­rung der Markt­struk­tur ge­kenn­zeich­net.

Wie Trend­wen­den er­ken­nen

Letz­te­res si­gna­li­siert Dis­lo­ka­tio­nen im Markt, die Vor­aus­set­zun­gen für Trend­wen­den sind. Sie tre­ten ein, wenn die ver­schie­de­nen Bör­sen­po­pu­la­tio­nen, die trotz un­ter­schied­li­cher An­sät­ze über­ein-

SPI-Ge­samt­in­dex stim­men­de Er­war­tun­gen heg­ten, an­fan­gen, di­ver­gie­ren­de Er­war­tun­gen zu bil­den. Die­se füh­ren zu star­ken Ve­rän­de­run­gen der Ka­pi­ta­li­sie­rung der ver­schie­de­nen Sek­to­ren, z. B. ab Ju­li 2007, als die des Fi­nanz­sek­tors von da­mals 25% zu schrump­fen be­gann. Die Rutsch­par­tie en­de­te im März 2009 mit ei­ner Ka­pi­ta­li­sie­rung von nur noch 14,8%.

In drei Mo­na­ten stieg dann die Ge­wich­tung auf 19%, was ei­ne neue Er­schüt­te­rung in der Markt­struk­tur dar­stell­te, wie im gros­sen Brenn­punkt be­legt, von dem aus die meis­ten Ak­ti­en­märk­te ei­nen nur 2011 in Eu­ro­pa un­ter­bro­che­nen Auf­wärts­trend be­gan­nen. Seit­her schwankt die Ka­pi­ta­li­sie­rung auch des Fi­nanz­sek­tors in der en­gen Band­brei­te zwi­schen 19 und 21%.

Wo steht die Schweiz?

Es gibt der­zeit kei­ne Brenn­punk­te an den Bör­sen. Das schliesst tem­po­rä­re Rück­schlä­ge nicht aus. Ei­ne rich­ti­ge, mehr als zwölf Mo­na­te dau­ern­de Bais­se mit Ver­lus­ten von mehr als 20% wä­re ei­ne Pre­mie­re in der Ge­schich­te der li­qui­den Bör­sen der Welt. Von die­ser Be­ob­ach­tung aus­ge­schlos­sen blei­ben nur Emer­ging Mar­kets mit ho­her Ab­hän­gig­keit von aus­län­di­schen Port­fo­li­o­an­la­gen.

Die Schwei­zer Bör­se ge­hört mit der siebt­gröss­ten Ka­pi­ta­li­sie­rung im MSCI ganz ge­wiss nicht da­zu. Ei­ne Tü­cke las­tet je­doch auf ihr. Ih­re ho­he Ka­pi­ta­li­sie­rung ver­dankt sie we­ni­gen Wer­ten aus Fi­nanz, Phar­ma und Nahrungsmittel. Im SMI wie­gen die­se drei Sek­to­ren knapp 77%. Sie sind der Grund für die re­la­ti­ve Schwä­che des SMI zum MSCI Welt und, wenn man sich nur eu­ro­pä­isch ori­en­tie­ren will, zum Sto­xx 600. An­ge­sagt sind zy­kli­sche­re Wer­te so­wie Fi­nanz­ak­ti­en aus dem Eu­ro­raum. Schwei­zer Ti­tel, die sich po­si­tiv von Sto­xx 600 und MSCI ab­he­ben und die die ers­ten Quar­ti­le des Sek­tors welt­weit be­set­zen, gibt es auch, so z. B. ABB, Adec­co, Si­ka, um nur drei zu nen­nen. Was ich nicht emp­feh­le, ist, Hei­mat­schutz im De­pot zu be­trei­ben. Li­qui­di­tät, Rechts­si­cher­heit und Trans­pa­renz, nicht die Lan­des­gren­zen, sind die Kri­te­ri­en, die er­füllt sein müs­sen, be­vor ei­ne Ak­tie in Be­tracht ge­zo­gen wer­den kann. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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