Start ge­gen den Kon­sens

ÜBER­SICHT Das neue Jahr be­ginnt mit Ak­ti­en­kurs­rück­gän­gen

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - THO­MAS HÄR­TER,

Ent­ge­gen den Kon­sen­sus­er­war­tun­gen be­gan­nen die Ak­ti­en­märk­te das neue Jahr mit Kurs­rück­gän­gen. Am stärks­ten wur­den die asia­ti­schen Märk­te, al­len vor­an Thai­land und Ko­rea in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen. Die Bör­sen in Schang­hai und Bang­kok ha­ben mehr­mo­na­ti­ge Tiefst er­reicht. Be­las­tend wirk­ten sich auch die von Samsung pu­bli­zier­ten Ge­winn- und Um­satz­zah­len aus, die deut­lich schlech­ter als er­war­tet aus­fie­len. Ei­ni­ge Kom­men­ta­to­ren be­fürch­ten, dass die schlech­ten Zah­len ein An­zei­chen für ein Nach­las­sen der welt­wei­ten Nach­fra­ge nach Kon­sum­gü­tern sind.

Da­für wa­ren die Ver­zin­sun­gen spa­ni­scher, ita­lie­ni­scher und por­tu­gie­si­scher An­lei­hen stark rück­läu­fig. Die zehn­jäh­ri­gen Ren­di­ten ita­lie­ni­scher und spa­ni­scher Staats­an­lei­hen konn­ten die 4%-Mar­ke un­ter­schrei­ten. In­so­fern ist es we­nig ver­wun­der­lich, dass die spa­ni­schen und ita­lie­ni­schen Ak­ti­en­märk­te in­ner­halb Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa bis­her am meis­ten zu­le­gen konn­ten.

Irland macht Fu­ro­re

Von al­len Kri­sen­län­dern der Eu­ro­zo­ne hat Irland wohl die be­mer­kens­wer­tes­ten Fort­schrit­te er­zielt. Wer hät­te vor zwei Jah­ren ge­dacht, dass die Bench­mark-Ver­zin­sung nach dem Bailout in­ner­halb von zwei Jah­ren wie­der auf 3,25% sin­ken und Irland den Ret­tungs­schirm vor­erst ver­las­sen kön­nen wür­de? Die Ver­zin­sung sank so­mit am Di­ens­tag auf den tiefs­ten Stand seit Ja­nu­ar 2006. Irland konn­te 3,75 Mrd. € bei mehr­fa­cher Über­zeich­nung auf­neh­men. So­mit wur­de der erste Test seit der Be­en­di­gung des Bailout im De­zem­ber be­stan­den. Der 67,5 Mrd. € schwe­re Bailout be­gann im No­vem­ber 2010, um den Kol­laps iri­scher Ban­ken und den Zu­sam­men­bruch der Staats­fi­nan­zen zu ver­hin­dern.

Die am Mon­tag in Dublin ver­öf­fent­lich­ten Kon­junk­tur­zah­len für das Eu­roland deu­ten auf ei­ne fort­ge­setz­te Kon­junk­tur­er­ho­lung hin und un­ter­stüt­zen so­mit den be­reits be­schrie­be­nen Rück­gang der Ri­si­ko­auf­schlä­ge für die Pe­ri­phe­rie mass­geb­lich.

Auch die Un­ter­neh­mens­stim­mung hat sich in der Eu­ro­zo­ne wei­ter ver­bes­sert. Al­lein

muss­te er­neut Rück­schlä­ge beim Auf­trags­ein­gang und der Wirt­schafts­leis­tung in Kauf neh­men.

über­rasch­ten po­si­tiv. Der In­vestec Ser­vices PMI für Irland stieg im De­zem­ber auf 61,8, der PMI für Spa­ni­en auf 54,2 (sie­he Grafik oben). Die Ar­beits­lo­sen- quo­te in Deutsch­land sank zum ers­ten Mal seit fünf Mo­na­ten.

Ja­net Yel­len wur­de durch den US-Se­nat mit 56 zu 26 Stim­men zur ers­ten Fed-Vor­sit­zen­den er­nannt. Das re­kord­tie­fe Wah­l­er­geb­nis spie­gelt die tie­fe po­li­ti­sche Spal­tung der USA und die tie­fe Spal­tung in Be­zug auf die er­wünsch­te zu­künf­ti­ge Zen­tral­bank­po­li­tik.

Ge­misch­te US-Da­ten

Die Kon­junk­tur­da­ten in den USA fie­len ge­mischt aus. Auf der ne­ga­ti­ven Sei­te ist der ISM PMI für das nicht­ver­ar­bei­ten­de Gewerbe zu er­wäh­nen. Die­ser fiel von 53,9 auf 53 ein Sechs­mo­nat­s­tief. Die Er­war­tun­gen (54,7) wur­den deut­lich un­ter­trof­fen. Be­son­ders un­er­freu­lich ist, dass die Neu­auf­trags­zah­len des Di­enst­leis­tungs­sek­tor auf den tiefs­ten Stand seit Mai 2009 fie­len. Po­si­tiv kann der leich­te An­stieg der In­dus­trie­auf­trags­zah­len ver­bucht wer­den. Das US-Han­dels­bi­lanz­de­fi­zit ging im No­vem­ber mit 34,3 Mrd. $ auf ein Vier­jah­res­tief zu­rück. Haupt­trei­ber wa­ren der Rück­gang der Öl­im­por­te und der An­stieg der Ex­por­te. Seit Jah­res­an­fang leg­te der

deut­lich zu. Die zu­neh­men­de Ak­ti­vie­rung der USHan­dels­bi­lanz dürf­te sich in den kom­men­den Mo­na­ten auf­grund der ver­gan­ge­nen Dol­lar­schwä­che und der stei­gen­den Öl­pro­duk­ti­on wohl fort­set­zen.

Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank dürf­te für 2013 ei­nen Ver­lust von rund 9 Mrd. Fr. aus­wei­sen, in ers­ter Li­nie we­gen Be­wer­tungs­ver­lus­ten auf dem Gold­be­stand von rund 15 Mrd. Fr. So­mit wer­den die Kan­to­ne und die SNB-Ak­tio­nä­re leer aus­ge­hen. Den Kan­to­nen feh­len da­durch 0,4 bis 1,2% ih­rer bud­ge­tier­ten Ein­nah­men. Auf den Fremd­wäh­rungs­po­si­tio­nen dürf­te ein Ge­winn von rund 3 Mrd. Fr. re­sul­tie­ren.

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