Die Grat­wan­de­rung der EZB

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank bleibt auf der Hut. Sie ist wei­ter­hin zu al­lem (ge­setz­lich Er­laub­ten) be­reit, um zu hel­fen. Und sie traut der wirt­schaft­li­chen Er­ho­lung in der Eu­ro­land­pe­ri­phe­rie noch nicht so rich­tig. Aber ih­re Furcht vor ei­ner De­fla­ti­on im Wäh­rungs­raum hat sich nicht ver­grös­sert. Das lässt sich aus den Äus­se­run­gen des EZB-Prä­si­den­ten an der Me­di­en­kon­fe­renz nach der mo­nat­li­chen Sit­zung des Zen­tral­bank­rats am Don­ners­tag mit­neh­men.

Ma­rio Draghi muss­te sei­ne Wor­te noch vor­sich­ti­ger wäh­len als nor­ma­ler­wei­se. Die Leit­zin­sen wur­den auf dem bis­he­ri­gen Ni­veau be­las­sen: 0,25% im Fal­le des zen­tra­len Leit­zin­ses und 0% für die Ein­la­gen der Ban­ken bei der EZB. Die Ver­trau­ens­in­di­ka­to­ren in den meis­ten Län­dern ha­ben sich leicht er­höht, und die An­lei­hen­märk­te in den Kri­sen­staa­ten haus­sie­ren eu­pho­risch.

Neue Lo­cke­rungs­mass­nah­men bie­ten sich vor die­sem Hin­ter­grund al­so vor­der­hand nicht an. In die­ser Aus­gangs­la­ge galt es, nicht vor­schnell Ent­war­nung zu bla­sen, aber gleich­zei­tig auch zu ver­mei­den, die kei­men­de Hoff­nung auf ei­ne Bes­se­rung in der Eu­ro­zo­ne zu er­sti­cken.

Draghi und sei­ne Kol­le­gen vom Zen­tral­bank­rat er­reich­ten dies, in­dem sie die bis­he­ri­ge Po­li­tik der For­ward Gui­dance noch mehr be­kräf­tig­ten als beim letz­ten Mal. Die Geld­po­li­tik blei­be lo­cker, so­lan­ge es not­wen­dig sei. Und das Zins­ni­veau blei­be für lan­ge Zeit auf dem der­zei­ti­gen Ni­veau oder wer­de künf­tig noch ge­senkt.

Zu ei­ner Lo­cke­rung kommt es ge­mäss Draghi nur in zwei Fäl­len. Ers­tens, so­fern sich die Kon­di­tio­nen am Geld­markt un­ge­recht­fer­tigt straf­fen soll­ten, al­so bei­spiels­wei­se der Eo­ni­aSatz deut­lich steigt. Und zwei­tens, so­fern die Teue­rung sinkt. Bei­de Ge­fah­ren sind nach Mei­nung der EZB aber ge­gen­wär­tig un­ter Kon­trol­le.

Denn Draghi wi­der­sprach den Be­fürch­tun­gen, wo­nach der Eo­nia-Ta­ges­geld­satz steigt, wenn die Ban­ken ih­re Über­schuss­li­qui­di­tät wei­ter ab­bau­en. Er leg­te gar Sta­tis­ti­ken vor, die be­le­gen sol­len, dass kei­ne «sta­bi­le Re­la­ti­on» zwi­schen dem Vo­lu­men der EZB-Bank­ein­la­gen und dem wich­tigs­ten Geld­markt­satz exis­tiert.

Was die Teue­rung be­trifft, geht die EZB be­reits von sehr nied­ri­gen Wer­ten in den kom­men­den Mo­na­ten aus, die nur schwer­lich un­ter­bo­ten wer­den dürf­ten. Die Teue­rung blei­be vor­erst na­he den jüngs­ten Wer­ten von 0,8%. An­ders als im de­fla­tio­nä­ren Ja­pan der Neun­zi­ger­jah­re sei­en die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen der Fi­nanz­märk­te und der Öf­fent­lich­keit in der Eu­ro­zo­ne heu­te wei­ter­hin fest auf wirt­schaft­lich ge­sun­den knapp 2% ver­an­kert.

Ei­ne Zins­sen­kung drängt sich so­mit nicht un­mit­tel­bar auf. Aber die EZB woll­te sie heu­te auch nicht aus­schlies­sen. Wer mag sich in die­sen Zei­ten schon mit sei­nem Ur­teil fest­le­gen.

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