Agrar­pro­duk­ti­vi­tät

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - FE­LIX JEN­NY,

FuW Nr. 100 vom 21. De­zem­ber 2013 Ha­be Ar­ti­kel (Sei­te 14) mit gros­sem In­ter­es­se ge­le­sen, da wir seit vier­zig Jah­ren in der land­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lungs­hil­fe in Gha­na tä­tig sind. Sehr vie­les in Ih­rem Ar­ti­kel kön­nen wir aus un­se­rer Op­tik be­stä­ti­gen, ei­ni­ges we­ni­ger. Da­zu ge­hört Ih­re fal­sche und dem Le­ser Hoff­nung brin­gen­de An­ga­be, dass in der Welt seit 1990 die Hun­ger­quo­te von 24 auf heu­te 15% ge­sun­ken sei. Heu­te sind’s tat­säch­lich 15%, das ist in et­wa rich­tig. Da­ge­gen sind die 24% von 1990 da­ne­ben, denn auch da­mals war der Pro­zent­satz in et­wa gleich, bei et­was un­ter 15%.

1996 fand der erste Wel­ter­näh­rungs­gip­fel der Uno in Rom statt: Dort wur­de fest­ge­stellt, dass es 800 Mio. Hun­gern­de auf der Welt gibt (= ca. 15%), und die woll­te man ge­mäss da­ma­li­gem Be­schluss (Mill­en­ni­ums­ziel) bis 2015 auf 400 Mio. Hun­gern­de sen­ken. In Tat und Wahr­heit ist die An­zahl der Hun­gern­den per En­de 2013 ge­mäss neu­es­ten Uno-An­ga­ben nicht ge­fal­len, son­dern im Ge­gen­teil auf 900 Mio. Hun­gern­de ge­stie­gen. Von Er­folgs­ge­schich­te se­he ich aus die­sen Zah­len nichts! Im Ge­gen­teil: Die heh­ren UnoZie­le per 2015 en­den zu 100% in ei­nem Scher­ben­hau­fen!

Der gröss­te Teil der afri­ka­ni­schen Klein­bau­ern sind sog. Sub­sis­tenz­bau­ern und ge­ne­rie­ren kei­nen ein­zi­gen Fran­ken, da sie kei­ne Ern­te­über­schüs­se ha­ben, die sie am Markt ver­kau­fen könn­ten. Da­mit ha­ben sie we­der Geld für bes­se­res Saat­gut noch für Dün­ger! Solch ar­me Bau­ern krie­gen nir­gend­wo Kre­di­te, da sie den Ban­ken kei­ne Si­cher­hei­ten auf Zin­sen und Rück­zah­lung bie­ten kön­nen. Ei­ne Miss­ern­te – und der gan­ze Kre­dit ist ob­so­let. Dar­um ist es ein völ­li­ger Irr­glau­ben von Syn­gen­ta, dass sie – in Ih­rem Ar­ti­kel zu Afri­ka er­wähnt – bis 2022 die Ern­ten der (mit­tel­lo­sen) Klein­bau­ern um 50% an­he­ben kann. Dies gin­ge nur, wenn Syn­gen­ta ih­re Pro­duk­te den maus­ar­men Klein­bau­ern ver­schen­ken oder ge­gen Kre­dit ab­ge­ben wür­de. Wenn sol­che auf dünns­tem Eis an ar­me Bau­ern ge­währ­ten Kre­di­te wirk­lich das Ziel/die Stra­te­gie von Syn­gen­ta sind, wä­re das für mich die Alarm­glo­cke, sämt­li­che mei­ner Syn­gen­ta-Ak­ti­en so­fort zu ver­kau­fen.

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