Die Auf­se­he­rin

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - DIE­TER W. HE­U­MANN

Sa­bi­ne Lau­ten­schlä­ger, Vi­ze­prä­si­den­tin der Deut­schen Bun­des­bank, tritt plötz­lich stär­ker ins Ram­pen­licht. Der Grund: Über­ra­schend hat Jörg As­mus­sen, bis­he­ri­ger deut­scher Di­rek­tor der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), sei­nen Pos­ten vor­zei­tig ver­las­sen. Er ist nach Berlin, ins Amt des Staats­se­kre­tärs im Ar­beits- und So­zi­al­mi­nis­te­ri­um, ge­wech­selt. Ei­ligst schlug die Bun­des­re­gie­rung Lau­ten­schlä­ger als Nach­fol­ge­rin vor. Wei­te­re Kan­di­da­ten gibt es laut Eu­ro­grup­pen­chef Je­ro­en Di­js­sel­blo­em nicht.

Der No­mi­nie­rung Lau­ten­schlä­gers als EZB-Di­rek­to­ri­ums­mit­glied ha­ben die EU-Fi­nanz­mi­nis­ter be­reits zu­ge­stimmt, und auch der EZB-Rat ist für die Er­nen­nung. Am Mon­tag fin­det ei­ne An­hö­rung im Eu­ro­pa­par­la­ment statt. For­mal müs­sen dann noch die Staats­und Re­gie­rungs­chefs zu­stim­men.

Sa­bi­ne Lau­ten­schlä­ger ist als erste Frau in die Füh­rungs­eta­ge der Bun­des­bank ein­ge­zo­gen und hat die tris­te dun­kel­blaue Rie­ge der obers­ten Bun­des­ban­ker durch ihr far­ben­fro­hes Out­fit und ihr fröh­li­ches We­sen be­rei­chert. Jetzt will sie als erste Frau die Po­li­tik der EZB mit­be­stim­men. Die 49-Jäh­ri­ge ist ver­hei­ra­tet und Mut­ter ei­ner Toch­ter. In Stutt­gart ge­bo­ren, ist die Ju­ris­tin seit 2008 Mit­glied im Bas­ler Aus­schuss der Zen­tral­ban­ken und seit 2011 Bun­des­bank­vi­ze. Nach dem Stu­di­um be­gann Lau­ten­schlä­ger 1995 als Re­fe­ren­tin beim Bun­des­auf­sichts­amt für das Kre­dit­we­sen, der spä­te­ren Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen (BaFin), wo sie bis 2008 als Di­rek­to­ri­ums­mit­glied und Lei­te­rin der Ab­tei­lung Auf­sicht über die Gross­ban­ken und aus­ge­wähl­te Kre­dit­ban­ken wach­te. Auch als Bun­des­bank-Vi­ze­prä­si­den­tin ist sie zu­stän­dig für die Be­rei­che Ban­ken und Fi­nanz­auf­sicht so­wie Re­vi­si­on. Wie ein ro­ter Fa­den zieht sich die Ban­ken­auf­sicht durch ihr Be­rufs­le­ben. Das kommt EZB-Chef Ma­rio Draghi ge­le­gen, denn im No­vem­ber über­nimmt die Zen­tral­bank die Auf­sicht über die 128 wich­tigs­ten Ban­ken in der Eu­ro­zo­ne. Ge­mut­masst wird, dass die Auf­sichts­ex­per­tin auch den wich­ti­gen Pos­ten ei­ner Vi­ze­prä­si­den­tin der EZBBan­ken­auf­sicht aus­üben könn­te.

In der An­hö­rung im Strass­bur­ger Eu­ro­pa­par­la­ment am Mon­tag geht es al­ler­dings vor al­lem dar­um, wo Lau­ten­schlä­ger in Fra­gen zur Geld­po­li­tik steht – ein Ge­biet, auf dem sie bis­her we­nig in Er­schei­nung ge­tre­ten ist. Die Par­la­men­ta­ri­er dürf­te in­ter­es­sie­ren, wel­che wei­te­ren Mass­nah­men sie zur Über­win­dung der Eu­ro­kri­se für wich­tig er­ach­tet. Grund­sätz­lich sind die Strass­bur­ger Ab­ge­ord­ne­ten Lau­ten­schlä­ger po­si­tiv ge­sinnt. Die Bun­des­bank-Vi­ze­prä­si­den­tin dürf­te al­so schon in we­ni­gen Wo­chen in den Frank­fur­ter Eu­ro­To­wer um­zie­hen.

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