We­nig Fan­ta­sie für Gold

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DGold ist als Ab­si­che­rung we­ni­ger ge­fragt – Ta­pe­ring ent­schei­dend

as Jahr 2013 wird als das Jahr in die Ge­schich­te ein­ge­hen, in dem Gold nach drei­zehn Jah­ren un­un­ter­bro­che­nem Hö­hen­flug um 28% auf ein Mehr­jah­res­tief ab­stürz­te. Schon im Ja­nu­ar hat­te sich das Bild ein­ge­trübt, weil die Rol­le des gel­ben Me­talls als Ab­si­che­rung ge­gen Sys­tem­ri­si­ken ab­zu­brö­ckeln be­gann.

Da­zu kam es, weil sich die Un­ge­wiss­hei­ten um die ver­hee­ren­de Fi­nanz­la­ge in der Eu­ro­zo­ne leg­ten, der Ban­ken­sek­tor sich er­hol­te und die In­dus­trie­län­der nicht nur von In­fla­ti­ons­schü­ben ver­schont blie­ben, son­dern sich ein glo­ba­ler Des­in­fla­ti­ons­trend her­aus­kris­tal­li­sier­te. Aus die­sen Grün­den wur­de Gold für die An­le­ger als Ab­si­che­rungs­in­stru­ment wert­los.

Spä­ter mehr­ten sich die An­zei­chen ei­ner glo­ba­len Kon­junk­tur­er­ho­lung – an­ge­führt von der USWirt­schaft. Die da­druch aus­ge­lös­ten Be­fürch­tun­gen ei­ner Be­en­di­gung der drit­ten Run­de der quan­ti­ta­ti­ven Lo­cke­rung (QE 3) durch die US-No­ten­bank lies­sen die glo­ba­len Lang­frist­zin­sen hoch­schnel­len. Den K.-o.-Schlag er­teil­te schliess­lich In­di­en, als die Re­gie­rung des welt­weit gröss­ten Gold­käu­fers beim Ver­such, das Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zit ein­zu­däm­men, die Steu­er auf Gold­ein­fuh­ren von 4 auf 10% an­hob.

Die er­wähn­ten Ent­wick­lun­gen er­höh­ten die Ri­si­ko­freu­dig­keit auf brei­ter Ba­sis und ver­an­lass­ten die An­le­ger, von si­che­ren Wer­ten wie Gold auf Ak­ti­en um­zu­sat­teln und sich aus Gold-ETF zu­rück­zu­zie­hen. Im Jah­res­ver­lauf fie­len die ETF-Be­stän­de im gel­ben Me­tall um ein Drit­tel auf den tiefs­ten Stand seit 2009.

2014 dürf­te die Nach­fra­ge auf­grund der Er­war­tung ei­ner wei­te­ren Dros­se­lung von QE 3 und ei­nes fort­lau­fen­den Ab­baus der Gold­po­si­tio­nen wei­ter schrump­fen. Das Tem­po und Aus­mass des Fe­dTa­pe­rings und sei­ne Fol­gen für den US-Dol­lar wer­den ei­ne wich­ti­ge Kom­po­nen­te in die­sem Pro­zess dar­stel­len und sind im Aug zu be­hal­ten.

Den­noch könn­te der Gold­kurs 2014 Un­ter­stüt­zung durch die phy­si­sche Nach­fra­ge aus Asi­en und das grös­se­re In­ter­es­se der Zen­tral­ban­ken er­hal­ten. Der letz­te Be­richt des World Gold Coun­cil wies für das drit­te Quar­tal 2013 93 Ton­nen Net­to­auf durch die Zen­tral­ban­ken auf – das ent­spricht ei­ner Ab­nah­me um 17% im Vor­jah­res­ver­gleich.

Ob­wohl der US-Dol­lar an Wert ge­wann, star­te­te Gold sehr gut ins neue Jahr. Ei­ner­seits zog die Nach­fra­ge im Vor­feld des chi­ne­si­schen Neu­jahrs an, an­de­rer­seits kün­dig- ten so­wohl der in­di­sche Fi­nanz­mi­nis­ter als auch der Zen­tral­bank­gou­ver­neur für März 2014 ei­ne Lo­cke­rung der Im­port­re­strik­tio­nen an. Grund da­für ist der Rück­gang des Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zits, aber auch der durch die Be­schrän­kun­gen aus­ge­lös­te und in gros­sem Stil be­trie­be­ne Gold­schmug­gel, dem die Re­gie­rung ent­ge­gen­steu­ern möch­te.

Der World Gold Coun­cil schätzt, dass die Nach­fra­ge aus Chi­na im letz­ten Jahr wahr­schein­lich 1000 Ton­nen über­stieg (2012: 780 Ton­nen) und da­mit den Ver­brauch von In­di­en über­flü­gel­te, wo Gold in Kul­tur und Tra­di­ti­on fest ver­an­kert ist.

Ge­gen­wär­tig scheint Chi­nas Ap­pe­tit auf das phy­si­sche Me­tall den Preis bei 1200 $ zu stüt­zen. Den­noch kön­nen auch ei­ne an­zie­hen­de chi­ne­si­sche Nach­fra­ge und die Rück­kehr In­di­ens als Gold­im­por­teur nicht al­le Ab­flüs­se kom­pen­sie­ren. Wir las­sen da­her zur­zeit Vor­sicht wal­ten. Falls Wirt­schaft und Fi­nanz­welt vor neu­en Ka­ta­stro­phen ver­schont blei­ben, rech­nen wir da­mit, dass sich das Edel­me­tall in die­sem Jahr in­ner­halb ei­nes seit­wärts­ge­rich­te­ten Han­dels­bands be­we­gen wird.

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