Eu­pho­rie

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Bla­se oder nicht? Die­se Fra­ge be­schäf­tigt In­ves­to­ren – und No­ten­ban­ker – seit Mo­na­ten. Die enorm ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik von Fed, EZB & Co. lei­tet ge­wal­ti­ge Sum­men an Li­qui­di­tät in die Welt­fi­nanz­märk­te, was nach al­ler his­to­ri­schen Er­fah­rung da und dort zu Über­trei­bun­gen füh­ren wird.

Den­noch fällt die Ant­wort auf die Fra­ge nach der Bla­se nicht leicht, denn da­zu fehlt ei­ne grif­fi­ge De­fi­ni­ti­on. Das ei­ne Cha­rak­te­ris­ti­kum von Preis­bla­sen ist ei­ne Über­be­wer­tung im Ver­gleich zu den Fun­da­men­tal­da­ten re­spek­ti­ve zum his­to­ri­schen Trend. Das zwei­te zwin­gen­de Cha­rak­te­ris­ti­kum ist das spe­ku­la­ti­ve Ele­ment, die Eu­pho­rie un­ter den Markt­teil­neh­mern, die Angst, den Zug zu ver­pas­sen. Wie sieht es da­mit aus? Die Be­wer­tung spricht ei­ne deut­li­che Spra­che. Auf zy­klisch ad­jus­tier­ter Ba­sis, das heisst un­ter Be­trach­tung der Un­ter­neh­mens­ge­win­ne der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re, sind der schwei­ze­ri­sche und der US-Ak­ti­en­markt mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von deut­lich mehr als 20 heu­te über­be­wer­tet. Das ver­spricht nach al­ler bis­he­ri­gen Er­fah­rung über die kom­men­den zehn Jah­re un­ter­durch­schnitt­li­che Ren­di­teaus­sich­ten. Güns­tig be­wer­tet sind ge­gen­wär­tig nur noch eu­ro­päi­sche Pe­ri­phe­rie­märk­te wie Ita­li­en so­wie ein­zel­ne Schwel­len­län­der­bör­sen wie Russ­land.

Die­se Ein­sicht al­lein nützt al­ler­dings we­nig, denn Ti­ming-Schlüs­se las­sen sich dar­aus kaum zie­hen. Märk­te kön­nen jah­re­lang über- oder un­ter­be­wer­tet blei­ben. Es ist die Kom­bi­na­ti­on mit dem zwei­ten Bla­sen­cha­rak­te­ris­ti­kum, der Eu­pho­rie, die zur Vor­sicht mahnt: Ein Gross­teil der gän­gi­gen Sen­ti­ment­in­di­ka­to­ren leuch­tet der­zeit dun­kel­rot (vgl. Sei­te 17). Die Par­ty läuft zu heiss.

Ei­ne Kor­rek­tur ist über­fäl­lig. Wer den Drang ver­spürt, auf den fah­ren­den Zug auf­zu­sprin­gen, um im neu­en Jahr kei­ne Ge­win­ne zu ver­pas­sen, soll­te sich ver­ge­gen­wär­ti­gen: In Pha­sen von Markt­über­trei­bun­gen ist es im­mer ei­ne Fra­ge, ob man vor der Kor­rek­tur dumm aus­sieht – oder erst da­nach.

Chef­re­dak­tor zum The­ma Markt­stim­mung

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