Ga­le­ni­ca-Ak­ti­en droht ein An­ge­bots­über­hang

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Eti­en­ne Jor­nod, der Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent von Ga­le­ni­ca, steckt in ei­nem Di­lem­ma. Jah­re­lang hielt ihm der von sei­nem Freund Ste­fa­no Pes­si­na auf­ge­bau­te bri­ti­sche Wett­be­wer­ber Al­li­an­ce Boots als Gross­ak­tio­när den Rü­cken frei. Pes­si­na ge­hört seit 2000 auch dem Ver­wal­tungs­rat von Ga­le­ni­ca an, eben­so lang ist Jor­nod be­reits im Auf­sichts­gre­mi­um von Al­li­an­ce Boots ver­tre­ten.

Seit der ame­ri­ka­ni­sche Apo­the­ken­rie­se Wal­greens 2012 zu 45% in Al­li­an­ce Boots ein­ge­stie­gen ist, ge­hört das an Ga­le­ni­ca ge­hal­te­ne Ak­ti­en­pa­ket von 25,5% nicht mehr Al­li­an­ce Boots, son­dern di­rekt Pes­si­na und sei­nem Part­ner KKR. Wie an­de­re Pri­va­teEqui­ty-Ge­sell­schaf­ten bleibt KKR kaum län­ger als sie­ben, acht Jah­re in ei­nem Un­ter­neh­men en­ga­giert. Jor­nod muss dem­nach je­der­zeit da­mit rech­nen, den ge­schätz­ten An­ker­ak­tio­när zu ver­lie­ren.

Der Zeit­punkt für den Aus­stieg wä­re für Pes­si­na und KKR schon jetzt ver­lo­ckend. Als Pes­si­na und KKR 2007 für 16,2 Mrd. € Al­li­an­ce Boots er­war­ben und da­mit auch den 25,5%-An­teil an Ga­le­ni­ca un­ter ih­re – da­mals noch in­di­rek­te – Kon­trol­le brach­ten, no­tier­ten die Ak­ti­en der Ber­ner Ge­sund­heits­grup­pe um 400 Fr. In­zwi­schen wer­den sie zu über 900 Fr. ge­han­delt. Das Pa­ket im Ge­samt­wert von 1,5 Mrd. Fr. an ei­nen neu­en stra­te­gi­schen In­ves­tor wei­ter­zu­rei­chen, dürf­te kein ein­fa­ches Un­ter­fan­gen sein. Wahr­schein­li­cher ist, dass Pes­si­na und KKR den Aus­stieg über die Bör­se su­chen. Da­mit droht über kurz oder lang ein An­ge­bots­über­hang. Im Ak­ti­en­kurs ist die­ses Ri­si­ko in­des noch nicht ein­ge­preist.

We­gen der er­folg­rei­chen letzt­jäh­ri­gen Zu­las­sung der bei­den Me­di­ka­men­te In­jec­ta­fer und Velp­ho­ro in den USA er­höht FuW die Ge­winn­schät­zung für 2013 von 40 auf 44 Fr. und für 2014 von 43.90 auf 47 Fr. pro Ak­tie. Dar­aus er­gibt sich ein Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 21 bzw. 20. Die Ak­ti­en der im Phar­ma­ge­schäft noch we­nig er­fah­re­nen Ga­le­ni­ca wer­den auf die­ser Ba­sis mit ei­ner Prä­mie ge­gen­über den Ak­ti­en von eta­blier­ten Wett­be­wer­bern ge­han­delt. Die Ro­che-Ge­nuss­schei­ne bei­spiels­wei­se sind zum 17-Fa­chen des für 2014 er­war­te­ten Ge­winns be­wer­tet, für No­var­tis be­trägt das KGV gar nur 14. In den Ga­le­ni­ca-Ti­teln, die letz­tes Jahr fast 70% an Wert ge­won­nen ha­ben, ist ei­ne Atem­pau­se an­ge­bracht.

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