US-Gross­ban­ken ge­bremst

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - CG

US-Bank­ak­ti­en ha­ben zu­letzt kräf­tig Auf­trieb ver­spürt. Im ope­ra­ti­ven Ge­schäft hin­ge­gen lief es we­ni­ger rund. Das zeigt der durch­wach­se­ne Leis­tungs­aus­weis von Bran­chen­pri­mus J. P. Mor­gan Cha­se, der ei­nen ers­ten Vor­ge­schmack auf die Ab­schluss­sai­son im Fi­nanz­sek­tor gibt. Ge­mes­sen an der Vor­jah­res­pe­ri­ode ging das Er­geb­nis im vier­ten Quar­tal 7% auf 5,3 Mrd. $ zu­rück. Der be­rei­nig­te Ge­winn pro Ak­tie be­läuft sich auf 1.40 $ und lag da­mit im Rah­men der Pro­gno­sen. Für das Ge­samt­jahr weist Ame­ri­kas gröss­te Bank ein Re­sul­tat von knapp 18 Mrd. $ aus, was 16% we­ni­ger als 2012 sind.

Ein Brems­fak­tor war das In­vest­ment Ban­king. Im Tra­ding mit An­lei­hen, Roh­stof­fen und Wäh­run­gen, das in der Ver­gan­gen­heit ein kräf­ti­ger Ge­winn­mo­tor war, sta­gnier­ten die Ein­nah­men im Schluss­quar­tal ge­gen­über dem Vor­jahr auf 3,2 Mrd. $. Ver­g­li­chen mit dem drit­ten Quar­tal re­sul­tier­te ein Rück­gang von 7%. Im Ak­ti­en­han­del san­ken die Ein­nah­men um 30% auf 870 Mio. $, re­spek­ti­ve um 2% zum drit­ten Quar­tal. Das stimmt für die In­vest­ment­häu­ser Gold­man Sachs und Mor­gan St­an­ley vor­sich­tig, die ih­re Zah­len am Don­ners­tag re­spek­ti­ve Frei­tag prä­sen­tie­ren wer­den.

Das Er­geb­nis von J. P. Mor­gan wur­de zu­dem durch ju­ris­ti­sche Kos­ten ge­trübt. Erst ver­gan­ge­ne Wo­che muss­te das Wall­s­treet-Haus für ei­nen Rechts­ver­gleich wei­te­re 2,6 Mrd. $ zah­len, weil es sei­ne Auf­sichts­pflicht in Ge­schäf­ten mit dem Mil­li­ar­den­be­trü­ger Ber­nie Madoff ver­nach­läs­sigt hat­te. Da­von wur­den rund 850 Mio. $ rück­wir­kend im vier­ten Quar­tal ver­bucht. Ins­ge­samt be­lie­fen sich die Rechts­kos­ten im letz­ten Jahr auf rund 20 Mrd. $. «Wir sind er­freut, dass wir im Be- reich in­ter­ne Kon­trol­le, Re­gu­la­ti­on und Rechts­strei­tig­kei­ten Fort­schrit­te ge­macht und ei­ni­ge be­deu­ten­de An­ge­le­gen­hei­ten hin­ter uns ge­bracht ha­ben», meint da­zu Kon­zern­chef Ja­mie Di­mon.

Ge­for­dert sind die US-Gross­ban­ken auch im Hy­po­the­ken­ge­schäft. Das ver­deut­li­chen die Quar­tals­zah­len von Wells Far­go, dem Bran­chen­lea­der im Markt für Im­mo­bi­li­en­kre­di­te. Das Vo­lu­men an neu ver­ge­be­nen Hy­po­the­ken schrumpf­te auf 50 Mrd. $ nach 125 Mrd. $ in der Vor­jah­res­pe­ri­ode und 80 Mrd. $ im drit­ten Quar­tal. Dank Spar­mass­nah­men und ge­rin­ge­ren Rück­stel­lun­gen für Kre­dit­aus­fäl­le re­sul­tier­ten kon­zern­weit zwar 10% Ge­winn­wachs­tum auf 5,6 Mrd. $. Die Ein­nah­men ver­rin­ger­ten sich al­ler­dings um 6% auf 20,7 Mrd. $. Die Schwä­che im Hy­po­the­ken­ge­schäft spü­ren eben­so Bank of Ame­ri­ka und Ci­ti­group, die am Mitt­woch und Don­ners­tag mit ih­ren Zah­len auf­war­ten wer­den.

In­ves­to­ren nah­men die Nach­rich­ten ge­mischt auf. Die Ak­ti­en J. P. Mor­gan rück­ten vor, wäh­rend Wells Far­go et­was un­ter Druck ka­men. Zen­tral für den wei­te­ren Kurs­ver­lauf von US-Ban­ken­wer­ten ist die Ent­wick­lung im re­gu­la­to­ri­schen Be­reich. Nach den Be­schlüs­sen des Bas­ler Gre­mi­ums wer­den die US-Be­hör­den in den kom­men­den Wo­chen mit ei­ge­nen Vor­ga­ben zur Le­ver­a­ge Ra­tio nach­zie­hen, wo­bei stren­ge­re Auf­la­gen zu er­war­ten sind (vgl. Haupt­ar­ti­kel). Zu­dem ste­hen bald die Er­geb­nis­se des jähr­li­chen Stress­tests an, die aus­schlag­ge­bend für die Aus­schüt­tungs­po­li­tik sind. Spe­zi­ell Ci­ti­group könn­te da­bei ei­nen neu­en An­lauf für ei­ne Di­vi­den­den­er­hö­hung wa­gen.

Ent­schei­dend für die Per­for­mance im Fi­nanz­sek­tor ist eben­so die Kon­junk­tur­la­ge. Ge­winnt die ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schaft 2014 zu­se­hends an Fahrt, wird das auch das Ge­schäft der US-Gross­ban­ken sti­mu­lie­ren. Nach den kräf­ti­gen Kurs­a­van­cen neh­men die Ak­ti­en da­von je­doch be­reits viel vor­weg.

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