Re­tailban­ken in der Zins­klem­me

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - RG

Bald kommt die Bi­lanz­sai­son der Re­tailban­ken in Schwung: Am Frei­tag er­öff­net die Hy­po Lenz­burg den Rei­gen der ko­tier­ten In­sti­tu­te, glei­chen­tags be­rich­tet mit der Mi­gros Bank ei­ner der grös­se­ren Ak­teu­re. Der wich­tigs­te Pfei­ler die­ser Ban­ken ist ty­pi­scher­wei­se das Zins­dif­fe­renz­ge­schäft, das in den meis­ten Fäl­len die Hälf­te bis vier Fünf­tel zum ge­sam­ten Er­trag bei­trägt. Be­dingt durch das seit 2008 herr­schen­de Tief­zins­um­feld ste­hen die Re­tailban­ken in die­sem Feld un­ter mas­si­vem Druck: Die Zins­mar­gen sind be­son­ders im Pas­siv­ge­schäft mit den Spar­geldern da­hin­ge­schmol­zen, was be­deu­tet, dass im Ak­tiv­ge­schäft mit Hy­po­the­ken und an­de­ren Kre­di­ten im­mer grös­se­re Vo­lu­men um­ge­setzt wer­den müs­sen, da­mit der Zins­er­folg we­nigs­tens sta­bil ge­hal­ten wer­den kann.

Die Ab­schlüs­se der letz­ten Jah­re vie­ler Ban­ken spie­geln die­se Ent­wick­lung, wie die bei­den Gra­fi­ken an den Bei­spie­len der Zürcher, der Waadt­län­der und der Lu­zer­ner Kan­to­nal­bank so­wie von Raiff­ei­sen il­lus­trie­ren. Zwar wei­sen all die­se In­sti­tu­te 2012 ei­nen hö­he­ren Zins­er­folg auf als 2005, aber im sel­ben Zei­t­raum sind die Kun­den­aus­lei­hun­gen weit über­pro­por­tio­nal ge­wach­sen. Am gröss­ten ist die Lü­cke im Fall von Raiff­ei­sen: Wäh­rend der Zins­er­folg 22% ge­wach­sen ist, sind die Kun­den­aus­lei­hun­gen fast 60% ge­stie­gen. Mit den hö­he­ren Aus­lei­hungs­vo­lu­men ge­hen ce­te­ris pa­ri­bus grös­se­re Ri­si­ken ein­her, oh­ne dass da­für mehr Er­trag ge­ne­riert wird.

Die Si­tua­ti­on könn­te sich in den nun an­ste­hen­den Jah­res­ab­schlüs­sen noch ver­schär­fen: Weil ei­ner­seits die Ei­gen­mit­tel­an­for­de­run­gen an die Ban­ken ge­stie­gen sind und an­de­rer­seits de­ren Vor­sicht in der Ver­ga­be von Hy­po­the­ken zu­ge­nom­men hat, dürf­te die Zu­nah­me der Kun­den­aus­lei­hun­gen ge­bremst wer­den. Es ist so­mit gut mög­lich, dass der Zins­er­folg vie­ler Re­tailban­ken im letz­ten Jahr rück­läu­fig war. Die Ab­schlüs­se des ers­ten Se­mes­ters wie auch die ers­ten Jah­res­er­geb­nis­se kleins­ter Re­gio­nal­ban­ken (z. B. der Bank Gan­trisch oder der Raiff­ei­sen­bank Gol­dach) un­ter­mau­ern die­se An­nah­me.

Es wird in­ter­es­sant sein, in den an­ste­hen­den Er­geb­nis­pu­bli­ka­tio­nen der Re­tailban­ken zu ana­ly­sie­ren, ob und wie die In­sti­tu­te den Ef­fekt auf­fan­gen kön­nen – sei es durch Kos­ten­spar­mass­nah­men, sei es durch die Er­schlies­sung an­de­rer Er­trags­quel­len.

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