Der «ech­te» Wolf von Wall Street

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - CG

Dreis­te Fi­nanz­be­trü­ger gibt es im­mer wie­der. Kaum ei­ner hat sei­nen er­gau­ner­ten Reich­tum je­doch so ex­zes­siv ze­le­briert wie Jor­dan Bel­fort. Sei­ne Es­ka­pa­den sind ab die­ser Wo­che im Film «The Wolf of Wall Street» zu se­hen. Der schril­le Hol­ly­wood­strei­fen von Star­re­gis­seur Mar­tin Scor­se­se nimmt die Gier­kul­tur in der Fi­nanz­bran­che aufs Korn und gleicht ei­ner drei­stün­di­gen Or­gie voll von Geld, Dro­gen und Sex. Bel­fort, der von Leo­nar­do DiCa­prio ge­spielt wird und am En­de selbst kurz auf­tritt, kommt na­tur­ge­mäss we­nig vor­teil­haft weg. Für den heu­te 52-Jäh­ri­gen ist das aber Kal­kül. Dank den Film­rech­ten und der er­höh­ten Pu­bli­zi­tät für sei­ne Me­moi­ren schlägt er aus sei­nen Bör­sen­ma­ni­pu­la­tio­nen nun auf «ehr­li­chem» Weg ein zwei­tes Mal Ka­pi­tal. Ans gros­se Geld zu kom­men, hat Bel­fort schon früh mo­ti­viert. Am Rand des New Yor­ker Stadt­teils Queens auf­ge­wach­sen, ver­such­te sich der Sohn aus ei­ner jü­di­schen Fa­mi­lie zu­erst als Spe­di­teur von Fleisch und Mee­res­früch­ten. Sein Klein­be­trieb ging je­doch bald in Kon­kurs, wor­auf er sein Glück an Wall­s­treet such­te. Als er nach dem gros­sen Bör­sen­krach von 1987 er­neut oh­ne Job da­stand, grün­de­te er das Bro­ker­haus Strat­ton Oak­mont, das mit ei­nem Heer von Te­le­fon­mak­lern wohl­ha­ben­den Klein­an­le­gern Ram­schak­ti­en an­dreh­te.

So schnell Bel­fort Geld ver­dien­te, so rasch gab er es aus. Mit 26 be­reits Mul­ti­mil­lio­när, hei­ra­te­te er ein Man­ne­quin aus der po­pu­lä­ren Mil­ler-Bier-Wer­bung. Nach dem Vor­bild von Don John­son in der TV-Se­rie «Mia­mi Vice» fuhr er ei­nen blü­ten­weis­sen Fer­ra­ri und leb­te in ei­ner Pracht­vil­la an der Gold Co­ast von Long Is­land. Er kauf­te sich die mon­dä­ne Lu­xus­jacht von Co­co Cha­nel und ver­senk­te sie im Dro­gen­rausch vor der Küs­te Ita­li­ens. Um sei­ne Beu­te zu si­chern, ver­trau­te er auf zwie­lich­ti­ge Di­ens­te von Gen­fer Fi­nan­ciers, was sich spä­ter räch­te. Ver­g­li­chen mit spä­te­ren Räu­ber­ba­ro­nen wie dem Mil­li­ar­den­be­trü­ger Ber­nie Madoff war Bel­fort je­doch kaum mehr als ein klei­ner Trick­dieb. Als er dem FBI 1992 ins Netz ging, hat­te er sich rund 110 Mio. $ er­schwin­delt und wan­der­te für fast zwei Jah­re hin­ter Git­ter. So glimpf­lich kam er nur da­von, weil er sei­ne Ge­fähr­ten ans Mes­ser lie­fer­te. In­zwi­schen hat er ei­ne Kar­rie­re als Mo­ti­va­ti­ons­trai­ner ge­star­tet und re­fe­riert an Fir­men­an­läs­sen über Verkaufsstrategien. Die Hälf­te al­ler Ein­nah­men muss er sei­nen da­ma­li­gen Op­fern zah­len. Das lässt sich aber kaum kon­trol­lie­ren, hat er den Ge­schäfts­sitz doch in Aus­tra­li­en, wo sich sein Ver­mö­gen dem Zu­griff der US-Be­hör­den ent­zieht.

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