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Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - HF

Man soll­te nicht nur auf die No­ten­bank­po­li­tik schau­en, son­dern die Welt als Gan­zes, die Trends, die struk­tu­rel­len Ve­rän­de­run­gen be­trach­ten, von de­nen vie­le po­si­tiv sind. Die Zahl der Leu­te, die der Ar­mut ent­flo­hen sind und für ih­re Ver­hält­nis­se ein an­stän­di­ges Ein­kom­men er­wirt­schaf­ten, hat in dreis­sig Jah­ren so stark zu­ge­nom­men wie noch nie zu­vor und wächst wei­ter. Die Mehr­heit der Men­schen ist nicht ge­sät­tigt, sie will bes­se­re Nah­rung, bes­se­re Ausbildung, ein bes­se­res Le­ben. All das, was in den hoch ent­wi­ckel­ten Län­dern die Be­völ­ke­rung seit Ge­ne­ra­tio­nen vor­an­treibt, will sie auch. In Viet­nam, in In­di­en, Chi­na, in Zentralafrika, um nur ei­ni­ge Bei­spie­le zu nen­nen, gibt es so vie­le bril­lan­te Köp­fe und so vie­le Kräf­te, die vor­wärts­ma­chen wol­len und nach Fort­schritt stre­ben. Mehr Krea­ti­vi­tät gleich mehr Nach­fra­ge gleich noch mehr Krea­ti­vi­tät – die Welt hat gros­ses Po­ten­zi­al. Selbst­ver­ständ­lich, durch Krie­ge, durch Ge­walt. Es wird Druck ge­ben, um Kul­tu­ren und Wer­te zu­un­guns­ten der Mehr­heit zu ver­än­dern. Aber das Auf­bau­en­de ist stär­ker als das Zer­stö­re­ri­sche. In zwan­zig oder dreis­sig Jah­ren wird man zu­rück­schau­en und sa­gen: War­um herrsch­ten da­mals, zu Be­ginn des neu­en Jahr­zehnts, so vie­le Ängs­te?

«Die Mehr­heit der Men­schen ist nicht ge­sät­tigt, sie will bes­se­re Nah­rung, bes­se­re Ausbildung.»

fast rund um die Uhr, mit Drang nach Ausbildung, wirt­schaft­li­chem Vor­an­kom­men, hö­he­rem Le­bens­stan­dard. Das birgt enor­me wirt­schaft­li­che Im­pul­se.

Na­tür­lich wüss­ten die No­ten­ban­ken lie­ber noch mehr, aber kei­ne In­sti­tu­ti­on ist bes­ser in­for­miert als sie.»

Die Li­qui­di­täts­hil­fe ist zwin­gend. Die No­ten­ban­ken leis­te­ten so erste Hil­fe, stopp­ten die Blu­tung, es galt, den Pa­ti­en­ten vor­sich­tig ins Kran­ken­haus fah­ren, für die ge­naue Un­ter­su­chung. Was fehlt ihm genau? Wo sind noch Ver­let­zun­gen, die auf den ers­ten Blick nicht er­sicht­lich wa­ren? Jah­re spä­ter braucht er viel­leicht noch im­mer Phy­sio­the­ra­pie. In die­ser Si­tua­ti­on ste­hen wir jetzt. Was struk­tu­rell auf der Welt ge­schieht, wirkt flan­kie­rend und län­ger­fris­tig. Und ich bin über­zeugt: Die No­ten­ban­ken sind kom­pe­tent und um­sich­tig ge­nug, um das Rich­ti­ge zu tun. Das Fed ken­ne ich am bes­ten. Es war un­ter Ben Bernan­ke und ist jetzt auch un­ter Ja­net Yel­len her­vor­ra­gend be­setzt. Eben­so wur­de die Zu­sam­men­ar­beit un­ter den No­ten­ban­ken mas­siv ver­fei­nert. Kein Ver­gleich mit den Dreis­si­ger­jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts, wo geld­po­li­tisch ele­men­ta­re Feh­ler be­gan­gen wur­den. Charles D. El­lis ist ei­ne fes­te Grös­se in Wall­s­treet. 1975 grün­de­te er den Fi­nanz­stra­te­gie­be­ra­ter Gre­en­wich As­so­cia­tes, den er bis 2005 lei­te­te. Sein Wer­de­gang führ­te ihn zu re­nom­mier­ten Fi­nanz­adres­sen wie dem Sin­ga­pu­rer Staats­fonds CIC und dem Ya­le In­vest­ment Com­mit­tee, dem er meh­re­re Jah­re vor­stand. Von 2001 bis 2009 war er VR des As­set-Ma­na­gers Van­guard, in des­sen Auf­trag er un­längst in Zü­rich sprach. Der­zeit prä­si­diert El­lis das Whitehead In­sti­tu­te for Bio­me­di­cal Re­se­arch in Bos­ton und ist Auf­sichts­mit­glied der Leo­nard N. Stern School of Bu­si­ness in New York. Auch als Buch­au­tor hat er sich ei­nen Na­men ge­macht. Sei­ne be­kann­tes­ten Wer­ke sind «Win­ning the Lo­ser’s Ga­me» (sechs­te re­vi­dier­te Auf­la­ge bei McGraw Hill) und «The Ele­ments of In­ves­ting», Letz­te­res zu­sam­men mit Bur­ton Mal­kiel. Ich glau­be, ja. Na­tür­lich wüss­ten das Fed und die an­de­ren No­ten­ban­ken lie­ber noch mehr über den Gang der Wirt­schaft, ab­so­lu­te Si­cher­heit ha­ben auch sie nicht. Aber kei­ne In­sti­tu­ti­on ist bes­ser in­for­miert als die Zen­tral­ban­ken.

«Emo­tio­na­les Han­deln und ei­ne zu kurz­fris­ti­ge Op­tik sind die gröss­ten Feh­ler, die An­le­ger ma­chen.»

Aber si­cher. Ame­ri­kas be­rühm­tes­ter In­ves­tor ist War­ren Buf­fett. Bei ei­nem Din­ner wur­de er von ei­ner jun­gen Frau an­ge­spro­chen: Mr. Buf­fett, ich hö­re, Sie sind ein In­ves­tor. Was ist das Ge­heim­nis des In­ves­tie­rens? Er ant­wor­te­te: Ich hand­le ra­tio­nal. Sie: Wie bit­te? Er: Ich hand­le ra­tio­nal. Dar­auf sie: Oh, ist das al­les? Die Leh­re dar­aus ist: sich selbst ken­nen, die ei­ge­nen Emo­tio­nen so­wie die Emo­tio­nen, die der Markt aus­drückt. Sie müs­sen von dem ge- Die mo­der­ne Port­fo­lio­theo­rie ent­stand wahr­schein­lich zu früh. Die mo­der­nen In­for­ma­ti­ons­mit­tel ma­chen die Märk­te tat­säch­lich zu­min­dest ef­fi­zi­en­ter als frü­her. Kurs­schwan­kun­gen sind nicht gleich In­ef­fi­zi­enz. Die Prei­se schwan­ken, weil sich In­for­ma­ti­on und Er­war­tun­gen lau­fend ver­än­dern. Ver­stärkt wer­den sie, weil Emo­tio­nen mit­spie­len und weil es Grup­pen gibt, die mei­nen, über bes­se­re In­for­ma­tio­nen zu ver­fü­gen als an­de­re, was oft ein Trug­schluss ist. Ich spre­che nicht von In­si­der­infor­ma­ti­on, son­dern von all­ge­mein zu­gäng­li­cher. In de­ren Ver­ar­bei­tung ist der Markt sehr ef­fi­zi­ent. Was die An­le­ger ver­un­si­chert und be­ein­flusst, ist das Drum­her­um, die Tau­sen­de und Aber­tau­sen­de von Nach­rich­ten in kür­zes­ter Zeit und die Heer­scha­ren von Ana­lys­ten, Stra­te­gen und an­de­ren Fach­leu­ten, die sich mit nichts an­de­rem her­um­schla­gen als mit der Fra­ge, was für wel­che An­la­ge der rich­ti­ge Preis ist. Ich be­haup­te, dass die Ver­hal­tens­öko­no­mie bes­se­re Vor­aus­sa­gen er­mög­licht, wie sich ei­ne be­stimm­te Grup­pe un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ver­hal­ten wird, als je­de an­de­re Theo­rie. Aber auch sie kann sich ir­ren, denn die Ir­ra­tio­na­li­tät der Markt­teil­neh­mer ist un­gleich viel­schich­ti­ger als die Ra­tio.

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