Die Schwan­kungs­brei­te nimmt zu

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ROLAND VOGT

Das in der Kolumne von Mit­te No­vem­ber für Mey­er Bur­ger an­vi­sier­te Kurs­ziel von 12.30 Fr. wur­de in­zwi­schen er­reicht. Da neue Da­ten vor­lie­gen, die ei­ne län­ger­fris­ti­ge Beur­tei­lung er­lau­ben, und die Be­richt­er­stat­tung nach ge­stie­ge­nen Kur­sen ten­den­zi­ell bul­lish wird, ist nach der Kurs­ver­drei­fa­chung der ver­gan­ge­nen acht Mo­na­te ein Check up an­ge­sagt.

Ob Mey­er Bur­ger in ei­nem neu­en, lang­fris­ti­gen Auf­wärts­trend ste­hen, ist noch of­fen. Je­den­falls be­fin­den sie sich in ei­nem sol­chen mit mit­tel­fris­ti­ger De­ter­mi­na­ti­on. Er zeigt in­zwi­schen Ab­nut­zungs­er­schei­nun­gen, oh­ne je­doch Hand­lungs­be­darf zu si­gna­li­sie­ren.

Mey­er Bur­ger

Mög­li­cher­wei­se be­fin­den sich Mey­er Bur­ger in ei­nem gros­sen, ge­dehn­ten Flag (oran­ge Mar­kie­rung in der Grafik). Ein Flag ist ein Se­kun­där­trend, ei­ne Ge­gen­be­we­gung, je­doch kein Haupt­trend. Nach­dem der Zwi­schen­trend ab­ge­wi- ckelt ist, ent­steht er­neut ein An­ge­bots­über­hang. Die Kur­se neh­men dann – von ei­nem hö­he­ren Stand aus­ge­hend – wie­der die­sel­be Rich­tung, die sie vor der Er­ho­lung ge­gan­gen sind.

Für Mey­er Bur­ger ist der Ze­nit et­wa bei 14.50/15 Fr. zu er­war­ten, bei kurs­mäs­si­ger An­nä­he­rung sind spä­ter auch Prä­zi­sie­run­gen mög­lich. Wich­tig ist vor­erst, dass die qua­li­ta­ti­ve Ver­fas­sung dün­ner ge­wor­den ist. Des­we­gen sind im Mehr­wo­chen­be­reich jetzt grös­se­re Schwan­kun­gen zu er­war­ten – was sich zu­erst noch po­si­tiv, dann aber ne­ga­tiv aus­wir­ken wird. Auf die­se hap­ti­schen Ve­rän­de­run­gen kann sich der In­ves­tor ein­stel­len, be­vor der Kurs­ver­lauf den Be­darf selbst of­fen­sicht­lich macht.

Nest­lé

Aus stra­te­gi­scher Sicht könn­te sich ein In­ves­tor gu­ten Her­zens auf die Be­wirt­schaf­tung von Drei­eck­struk­tu­ren kon­zen­trie­ren. Denn im Nach­hall die­ses Pat­tern ent­wi­ckeln die Märk­te meist ei­ne schon lan­ge nicht mehr ge­se­he­ne Ef­fi­zi­enz. Je län­ger die Kon­so­li­die­rung ge­dau­ert hat, des­to wuch­ti­ger wird das Er­leb­nis. Manch­mal stei­gen die Kur­se in noch stei­le­rem Win­kel aus der Struk­tur, als sie in sie ein­ge­tre­ten sind.

Wäh­rend die­ser Pha­se wird die Jah­res­per­for­mance ge­macht. Zu­letzt er­hält sie auf den Emp­feh­lungs­lis­ten dann das At­tri­but Qua­li­täts­ak­tie, was die An­sprü­che an Käu­fer ent­spre­chend nied­rig hält. Mit gu­tem Grund: Ei­ne Tri­ang­le-Struk­tur be­ginnt dort, wo die Kräf­te der bis­her die La­ge be­herr­schen­den Käu­fer er­schöpft sind. Es ent­steht ein Dis­put, in des­sen Zu­ge Käu­fer wie Ver­käu­fer ih­re bis­he­ri­gen Vi­sio­nen fal­len las­sen. Um­so mehr Auf­merk­sam­keit er­zeugt sie, wenn sie sich dann plötz­lich wie aus dem Nichts zu­rück­mel­det. Dann müs­sen neue Käu­fer her, um den Trend zu hal­ten.

Ein Wer­muts­trop­fen für Nest­lé ist, dass es noch et­was dau­ern kann, bis das Tri­ang­le ak­ti­viert wird und der Kurs bis 74/75 Fr. hoch­zieht. Ob­schon die Si­tua­ti­on sat­ten Er­trag ver­spricht, ist sie des­halb nichts für Un­ge­dul­di­ge. Die No­tie­run­gen könn­ten durch­aus in­ner­halb des Tri­ang­le os­zil­lie­ren. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit je­ner der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men. Was die Kon­junk­tur in Eu­ro­pa be­trifft, wird es we­ni­ger schwie­rig. Das ge­rin­ge Wirt­schafts­wachs­tum wird es den Un­ter­neh­men aber nicht leicht ma­chen, die sehr ho­hen Ge­winn­erwar­tun­gen zu er­fül­len. Für 2014 wer­den im Markt 12% Ge­winn­wachs­tum er­war­tet, wo­bei im Rück­blick der ver­gan­ge­nen drei Jah­re je­weils kei­ne Stei­ge­rung rea­li­siert wer­den konn­te. Ich weiss nicht, wo­her die­se plötz­li­che Be­schleu­ni­gung kom­men soll. Die Bör­se an­ti­zi­piert be­reits ein dy­na­mi­sches Ge­winn­wachs­tum, der Ak­ti­en­markt ist nicht mehr bil­lig. Ich se­he kei­nen Grund, war­um er im Jahr 2014 nach vorn sprin­gen soll­te. Ob bes­ser oder nicht, weiss ich nicht. Wir wer­den ab­so­lut ge­se­hen gut ab­schnei­den, wenn un­se­re Ge­sell­schaf­ten ihr zwei­stel­li­ges Ge­winn­wachs­tum auf­recht­er­hal­ten. Seit der Aus­sa­ge von EZB-Präsident Ma­rio Draghi, al­les zu un­ter­neh­men, um den Eu­ro zu ret­ten, ent­wi­ckel­ten sich zy­kli­sche Un­ter­neh­men auf­grund des grös­se­ren zy­kli­schen Op­ti­mis­mus bes­ser. Im Ver­hält­nis da­zu wur­den Qua­li­täts­ak­ti­en – wie un­se­re – güns­ti­ger. An­ge­sichts der sehr ho­hen Un­si­cher­heit punk­to Kon­junk­tur­ent­wick­lung und an­ge­sichts der ge­schrumpf­ten Be­wer­tungs­prä­mie für Qua­li­tät und Wachs­tum glau­ben wir, dass wir gut po­si­tio­niert sind. Es gibt kei­nen Grund, dass sich das zwei­stel­li­ge Ge­winn­wachs­tum der Un­ter­neh­men in un­se­rem Fonds nicht pro­por­tio­nal da­zu in zwei­stel­li­ge Kurs­ge­win­ne um­mün­zen lies­se. Das wür­de ich nicht be­haup­ten. Ich ver­ste­he aber nicht, war­um In­ves­to­ren ge­gen­über Ak­ti­en im­mer noch so vor­sich­tig ein­ge­stellt sind. Es gibt teil­wei­se sehr gu­te Un­ter­neh­men, de­ren Di­vi­den­den­ren­di­ten hö­her lie­gen als die Ren­di­ten ih­rer An­lei­hen. Ak­ti­en sind aber si­cher nicht die ein­zi­ge In­ves­ti­ti­ons­mög­lich­keit. Ich wür­de auch nicht pau­schal sa­gen, dass eu­ro­päi­sche Ti­tel at­trak­ti­ver oder we­ni­ger at­trak­tiv sind im Ver­gleich zu an­de­ren Märk­ten. In gros­sen An­la­ge­klas­sen zu den­ken, macht we­nig Sinn, es gibt si­cher über­all Ni­schen, die at­trak­tiv sind. Nein, wir ha­ben noch nie di­rekt zy­kli­sche Ti­tel ge­kauft. Wir sind zwar in In­dus­tri­als ver­tre­ten, dar­un­ter ver­ste­hen wir aber eher Di­enst­leis­ter, die ei­nen Be­zug zur In­dus­trie ha­ben, et­wa Ex­pe­ri­an, die Kre­dit­ana­ly­se macht, oder Ca­pi­ta, die Ge­schäfts­pro­zes­se aus­zu­glie­dern hilft. Man muss nicht un­be­dingt in exo­ti­sche Un­ter­neh­men in­ves­tie­ren, um her­vor­ra­gen­des Wachs­tum zu fin­den. Wir set­zen auf Ti­tel wie den Bril­len­her­stel­ler Es­silor, auf L’Oréal oder Das­sault Sys­tè­mes.

Wir fin­den es schwie­ri­ger, dort Un­ter­neh-

«Duf­ry ver­fol­gen wir schon seit ei­ni­gen Jah­ren und ha­ben nun ge­se­hen, wie ei­ni­ges in die rich­ti­gen Bah­nen ge­ra­ten ist.»

men zu fin­den, die un­se­ren Qua­li­täts­an­sprü­chen ge­nü­gen und auch noch ko­tiert sind. Das gilt auch für Gross­bri­tan­ni­en, wo vie­le Ban­ken, Roh­stoff­un­ter­neh­men und Ver­sor­ger zu fin­den sind. Die­se Bran­chen pas­sen nicht in un­ser Kon­zept. Wir fin­den dort kei­ne Preis­set­zungs­macht und kei­ne lang­fris­ti­gen Wachs­tums­per­spek­ti­ven. Die Be­wer­tung al­lein sagt nicht viel. Ein güns­ti­ges Un­ter­neh­men, das kein Ge­winn­wachs­tum er­zielt, kann jah­re­lang güns­tig be­wer­tet blei­ben – die Ak­ti­en kom­men dann ein­fach nicht vom Fleck. Wir ach­ten sehr auf qua­li­ta­ti­ve Ele­men­te, die un­ab­hän­gig von ex­ter­nen Fak­to­ren wie Na­tur­ka­ta­stro­phen, Wirt­schafts­zy­klen oder po­li­ti­schen und re­gu­la­to­ri­schen Ent­schei­dun­gen sind. Da­mit sind gros­se Mar­gen­über­ra­schun­gen viel sel­te­ner. SAP ist re­la­tiv we­nig zy­klus­ab­hän­gig und hat neue Pro­duk­te wie die In-Me­mo­ry-Da­ten­bank Ha­na oder Mo­bi­li­täts- und Clou­dAn­ge­bo­te, wo­durch ein gros­ser Teil der zy­kli­schen Ein­flüs­se ge­mil­dert wer­den kann. Sie hat ein be­rei­nig­tes Wachs­tum im mitt­le­ren bis ho­hen ein­stel­li­gen Be­reich ge­lie­fert, was an­ge­sichts des schma­len Wirt­schafts­wachs­tums gar nicht so schlecht ist. Kä­me es zu ei­ner Um­satz­ent­täu­schung, ist das Un­ter­neh­men in der La­ge, rasch durch Kos­ten­an­pas­sun­gen zu re­agie­ren. Die­ser Fak­tor spielt für uns ei­ne gros­se Rol­le. Wir ach­ten sehr genau dar­auf. Wir sind et­was pa­ra­no­id, weil wir im­mer be­fürch­ten, dass sich das Wachs­tum ver­lang­samt oder die Pro­fi­ta­bi­li­tät ver­schlech­tert. Das wür­de sich frü­her oder spä­ter in der Be­wer­tung nie­der­schla­gen. Steu­er­li­che Aspek­te fal­len da we­ni­ger ins Ge­wicht. Soll­te et­wa die Steu­er­be­las­tung in Frank­reich stei­gen, gä­be es Mög­lich­kei­ten für die Un­ter­neh­men, dar­auf zu re­agie­ren.

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