Neu­be­ginn

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Patrick Raaf­laub war un­be­quem. Der Auf­tritt des Di­rek­tors der Fi­nanz­markt­auf­sicht war forsch, nicht sel­ten ar­ro­gant. Un­ter Ban­kern war er höchst un­be­liebt. Sie hat­ten es ihm nie ver­zie­hen, dass er in ei­ner Re­de einst sag­te, es sei nicht Auf­ga­be der Fin­ma, die in­ter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schwei­zer Ban­ken zu för­dern.

Am Mitt­woch ist Raaf­laub ab­rupt zu­rück­ge­tre­ten. Wor­te des Be­dau­erns sind aus der Fi­nanz­bran­che kei­ne zu hö­ren. Doch was nun? Er­in­nern wir uns: Raaf­laub trat sein Amt im Ja­nu­ar 2009 an. Kei­ne drei Mo­na­te zu­vor muss­te die UBS von Bund und Na­tio­nal­bank ge­ret­tet wer­den. Die Vor­gän­ge­rin der Fin­ma, die Eid­ge­nös­si­sche Ban­ken­kom­mis­si­on, galt – zu Recht oder nicht – in der Öf­fent­lich­keit als zahn­los, blind und zu eng mit der Bran­che ver­ban­delt. Die Fin­ma als jun­ge Be­hör­de muss­te, mit Raaf­laub an der Spit­ze, ih­ren Weg fin­den; streng be­äugt von Po­li­tik und Öf­fent­lich­keit, in ei­nem de­li­ka­ten Tanz mit der SNB um die Auf­tei­lung von Kom­pe­ten­zen.

Da­bei ging der Fin­ma bis­wei­len das Au­gen­mass ver­lo­ren. Wer als As­set Ma­na­ger star­ten woll­te, war­te­te Jah­re auf ei­ne Be­wil­li­gung, Ban­ken und Fonds­ge­sell­schaf­ten fühl­ten sich per­ma­nent schi­ka­niert. Da und dort herrsch­te Re­gu­lie­rungs­wahn. Aber der Fin­ma und Raaf­laub kann auch at­tes­tiert wer­den, dass sie in The­men wie der Ei­gen­ka­pi­tal­aus­stat­tung der Gross­ban­ken kon­se­quent die rich­ti­ge Li­nie ver­folgt ha­ben.

Der Di­rek­tor der Fin­ma hat ei­nen enorm un­dank­ba­ren Job. Er (oder sie) wird ver­dammt, wenn er zu hart ist, und er wird ver­dammt, wenn er zu weich ist. Wer im­mer die Nach­fol­ge Raaf­laubs an­tritt: Ban­ken und Fin­ma brau­chen ei­nen von per­sön­li­chen Ani­mo­si­tä­ten be­frei­ten Neu­an­fang. Und al­le Be­tei­lig­ten soll­ten sich ver­ge­gen­wär­ti­gen: Es liegt in der Na­tur der Sa­che, dass ei­ne re­gu­lier­te Bran­che nicht im­mer glück­lich mit ih­rem Re­gu­la­tor ist. Es wä­re ein be­denk­li­ches Si­gnal, wenn es an­ders wä­re.

Chef­re­dak­tor zum The­ma Fin­ma

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.