Pri­vat­ban­ken kri­ti­sie­ren Bern

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«Man­che Be­ob­ach­ter schei­nen da­von aus­zu­ge­hen, dass die Schweiz kei­ne Stra­te­gie für ih­ren Fi­nanz­platz hat. Doch die­ser An­schein trügt: Sie hat so­gar meh­re­re Stra­te­gi­en», kri­ti­sier­te Chris­toph Gloor, Präsident der Ver­ei­ni­gung Schwei­ze­ri­scher Pri­vat­ban­ken, an der jähr­li­chen Me­di­en­kon­fe­renz des Ver­bands am Don­ners­tag in Bern.

«An stra­te­gi­schen Be­rich­ten vol­ler gu­ter Ab­sich­ten hat es nie ge­fehlt», er­in­ner­te Ver­bands­prä­si­dent Gloor. We­ni­ger po­si­tiv sei je­doch, dass ein Teil der Pro­ble­me, die be­reits vor vier Jah­ren an­ge­spro­chen wur­den, im­mer noch nicht ge­löst sei­en. 2009 ha­be der Bun­des­rat vier stra­te­gi­sche Haupt­stoss­rich­tun­gen fest­ge­legt: Die Stär­kung der in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Fi­nanz­sek­tors, die Si­che­rung und Ver­bes­se­rung des Markt­zu­tritts, die Ver­bes­se­rung der Kri­sen­re­sis­tenz und die Si­cher­stel­lung der In­te­gri­tät des Fi­nanz­plat­zes.

Seit­her ist ge­mäss dem Prä­si­den­ten der Pri­vat­ban­kier­ver­ei­ni­gung der Gross­teil der von den Bun­des­be­hör­den für Fra­gen des Fi­nanz­plat­zes auf­ge­wen­de­ten be­trächt­li­chen Energie in die bei­den letzt­ge­nann­ten Stoss­rich­tun­gen, in die Kri­sen­re­sis­tenz und die In­te­gri­tät des Fi­nanz­plat­zes, ge­flos­sen. «Si­cher be­stand hier gros­ser Hand­lungs­be­darf, aber die bei­den an­de­ren Punk­te – die Stär­kung der in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werbs­fä­hig­keit und die Fra­ge des Zu­gangs zu den aus­län­di­schen Märk­ten – wur­den da­bei ver­nach­läs­sigt.»

Die Pri­vat­ban­kiers be­grüs­sen, dass der Bun­des­rat die Aus­ar­bei­tung be­son­de­rer Sorg­falts­pflich­ten im Steu­er­be­reich im Rah­men der so­ge­nann­ten «Weiss­geld­stra­te­gie» auf ei­nen spä­te­ren Zeit­punkt ver­tagt hat.

Be­vor über­haupt ei­ne Ver­bes­se­rung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Fi­nanz­plat­zes ins Au­ge ge­fasst wer­den kön­ne, wie dies der Ex­per­ten­grup­pe Bru­n­et­ti auf­ge­tra­gen wur­de, ge­he es dar­um, die­sem Fi­nanz­platz nicht Scha­den zu­zu­fü­gen, durch ex­zes­si­ve und nicht um­setz­ba­re na­tio­na­le Stan­dards. «Da­her sind wir be­sorgt über be­stimm­te Vor­schlä­ge, die dem Par­la­ment kurz vor Weih­nach­ten im Rah­men der Um­set­zung der Ga­fi-Emp­feh­lun­gen un­ter­brei­tet wur­den», sag­te Gloor.

Ins­be­son­de­re die in der Bot­schaft des Bun­des­rats be­schrie­be­ne An­wen­dung des – durch den aus­län­di­schen Steu­er­zah­ler be­gan­ge­nen – qua­li­fi­zier­ten Steu­er­be­trugs schei­ne zu weit zu ge­hen. In­so­fern die­se Bot­schaft so­gar im Wi­der­spruch zum Ge­set­zes­ent­wurf zu ste­hen schei­ne, sei­en Un­gleich­be­hand­lun­gen zwi­schen schwei­ze­ri­schen und aus­län­di­schen Steu­er­pflich­ti­gen zu be­fürch­ten.

«Die­se Si­tua­ti­on stellt für den Fi­nanz­platz ei­ne ernst­haf­te Be­dro­hung dar, und es er­staunt uns, dass der Bun­des­rat de­ren Trag­wei­te of­fen­sicht­lich nicht er­fasst hat.» Die Pri­vat­ban­kiers hof­fen nun ge­mäss den Aus­füh­run­gen von Chris­toph Gloor, dass das Par­la­ment «die Sa­che be­rich­ti­gen kann».

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