Sa­no­fi «be­erbt» Ro­che

Finanz und Wirtschaft - - GESUNDHEIT/INDUSTRIE - DF

Was der Bas­ler Phar­ma­kon­zern Ro­che nicht hal­ten woll­te, weckt den Ap­pe­tit des fran­zö­si­schen Wett­be­wer­bers Sa­no­fi. Die Fran­zo­sen er­wer­ben via die US-Toch­ter­ge­sell­schaft Gen­zy­me für 700 Mio. $ ei­nen An­teil von 12% am Ka­pi­tal des Bio­tech-Un­ter­neh­mens Alnyl­am – mit der Op­ti­on, die Be­tei­li­gung auf bis zu 30% auf­zu­sto­cken.

Ro­che hat­te sich be­reits im Ju­li 2007 am da­mals und heu­te markt­füh­ren­den Ent­wick­ler von Me­di­ka­men­ten auf Ba­sis der RNAIn­ter­fe­renz (RNAi) be­tei­ligt. Nur gut drei Jah­re spä­ter ent­schloss sich das Ma­nage­ment un­ter der Füh­rung des bis heu­te am­tie­ren­den Kon­zern­chefs Se­ve­rin Schwan aber zum voll­stän­di­gen Rück­zug aus dem Ge­schäft mit RNAi-The­ra­peu­ti­ka. Wie Bran­chen­ex­per­te Dirk Haus­secker in sei­nem letzt­jäh­ri­gen In­vest­ment-Gui­de zur RNAi-In­dus­trie vor­rech­ne­te, ver­scher­bel­te Ro­che da­nach In­ves­ti­tio­nen von ins­ge­samt rund 700 Mio. $ für le­dig­lich 5 Mio. $ an den klei­ne­ren Alnyl­am-Kon­kur­ren­ten Ar­row­head Re­se­arch. Auf­fal­lend ist, dass sei­ner­zeit bei Ro­che wie auch jetzt im Fall der Ver­ein­ba­rung zwi­schen Gen­zy­me und Alnyl­am der Ge­samt­wert der Al­li­anz, die auch ge­mein­sa­me For­schungs­an­stren­gun­gen um­fasst, auf über 1 Mrd. $ ver­an­schlagt wird. Enorm ge­stie­gen ist seit­her da­ge­gen der Kurs der Alnyl­am-Ak­ti­en. Wäh­rend Ro­che 2007 ihr da­ma­li­ges Pa­ket von knapp 5% noch zu 21.50 $ je Ak­tie er­wer­ben konn­te, zahlt Gen­zy­me nun um 80 $. Da­mit nicht ge­nug: Die An­le­ger re­agier­ten am Mon­tag der­art be­geis­tert auf den Ein­stieg von Gen­zy­me, dass die Va­lo­ren fast 41% auf über 93 $ ka­ta­pul­tiert wur­den. Bis Don­ners­tag drück­ten Ge­winn­mit­nah­men den Kurs des vo­la­ti­len Bio­tech-Ti­tels auf 88 $.

An der He­alth­ca­re-Kon­fe­renz von J. P. Mor­gan (vgl. oben­ste­hen­den Ar­ti­kel) sorg­te der Kurs­sprung der Alnyl­am-Ak­ti­en für re­gen Ge­sprächs­stoff. Ob­wohl das Un­ter­neh­men aus Cam­bridge (Massachusetts) noch kein Pro­dukt auf dem Markt hat, er­reicht sei­ne Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung mitt­ler­wei­le mehr als 5 Mrd. $. Of­fen­bar spe­ku­lie­ren ei­ni­ge In­ves­to­ren be­reits dar­auf, dass Sa­no­fi Alnyl­am der­einst ganz über­nimmt. Für Gen­zy­me hat­ten die Fran­zo­sen 2011 ins­ge­samt 20,1 Mrd. $ auf den Tisch ge­blät­tert. In­ves­to­ren sind gut be­ra­ten, ob der Eu­pho­rie nicht den Kopf zu ver­lie­ren. Dank des jüngs­ten Geld­zu­flus­ses hat Alnyl­am zwar flüs­si­ge Mit­tel von rund 1 Mrd. $. Die Ge­sell­schaft hat auch in Aus­sicht ge­stellt, bis En­de 2015 min­des­tens zwei Pro­duk­te in der ab­schlies­sen­den Pha­se III zu er­for­schen. Noch gibt es aus­ser­halb des For­schungs­um­felds aber kei­ne prak­ti­sche Er­fah­rung mit der An­wen­dung von RNAi-The­ra­peu­ti­ka. Ent­spre­chend ri­si­ko­reich sind An­la­gen in Alnyl­am.

Falls sich die Tech­no­lo­gie durch­setzt, lo­cken al­ler­dings auch wei­ter­hin über­durch­schnitt­li­che Kurs­chan­cen – nach dem Mot­to, al­les für den Ge­win­ner (the win­ner ta­kes it all). Wie Alnyl­am die­se Wo­che eben­falls an­ge­kün­digt hat, wird ein Teil aus dem Er­lös des Be­tei­li­gungs­ver­kaufs an Gen­zy­me um­ge­hend in den Er­werb des bis­her von Merck kon­trol­lier­ten RNAi-Spe­zia­lis­ten Sir­na The­ra­peu­tics in­ves­tiert. Der un­ter De­ves­ti­ti­ons­druck ste­hen­de US-Phar­ma­kon­zern hat­te Sir­na 2006 für 1,1 Mrd. $ ge­kauft. Alnyl­am schnappt sich ih­ren gröss­ten Kon­kur­ren­ten nun für 175 Mio. $ (vor­be­halt­lich wei­te­rer, an For­schungs- und Ver­mark­tungs­er­fol­ge ge­bun­de­ner Zah­lun­gen).

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