Pa­ten­t­er­lös ver­gol­det die ope­ra­ti­ven Mar­gen

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - DM

Wer sei­ne Pa­tent­rech­te durch­set­zen und in Li­zenz­ver­trä­ge um­mün­zen kann, steht vor ei­nem Geld­re­gen. Es win­ken ho­he Mar­gen, wenn sich re­gel­mäs­si­ge Lang­frist­zah­lun­gen ver­ein­ba­ren las­sen, die mit we­nig ad­mi­nis­tra­ti­vem Auf­wand ver­bun­den sind. Ge­ra­de die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che kann ide­al da­für sein, wenn sich Ge­büh­ren im Pro­mil­le- oder Pro­zent­be­reich auf Mil­lio­nen­be­trä­ge sum­mie­ren.

Ins Licht rü­cken Pa­tent­strei­tig­kei­ten aber meist nur, wenn sie vor Ge­richt kom­men. Vie­le Ver­fah­ren lau­fen in den USA. Der 2011 be­schlos­se­ne Le­a­hy-Smith Ame­ri­ca In­vents Act soll da­bei Gren­zen set­zen. Er zielt auf «Pa­tent Trolls», de­nen der tech­no­lo­gi­sche Ge­halt ei­nes Pa­tents egal ist. Die De­fi­ni­ti­on ei­nes Trolls ist aber schwie­rig, auch kla­ge­freu­di­ge Rie­sen wie App­le hö­ren sol­che Vor­wür­fe. Ge­richts­ur­tei­le kön­nen durch­aus Ka­ta­ly­sa­tor­wir­kung ha­ben. 1984 hat et­wa erst ein Ur­teil den Boom des Heim­vi­deo­mark­tes be­grün­det.

Auch Ku­dels­kis Kla­ge ge­gen Net­flix (vgl. Text oben) hat für den Di­gi­tal-TV-Markt Strahl­kraft. Müss­te der schnell wach­sen­de On­li­ne-Vi­deo­dienst Net­flix mehr für Vor­leis­tun­gen Drit­ter zah­len, wür­de sei­ne eher dün­ne Mar­ge ge­schwächt. Un­ab­hän­gig da- von hat die­se Wo­che ein US-Be­ru­fungs­ge­richt den US-Fest­netz­be­trei­bern den Rü­cken ge­stärkt, die hö­he­re Prei­se oder Be­schrän­kun­gen für star­ke Nut­zer wie Net­flix durch­set­zen wol­len. Für Kon­zer­ne mit gros­sen For­schungs­und Ent­wick­lungs­ab­tei­lun­gen ge­hört die Durch­set­zung von Pa­tent­rech­ten längst zum All­tag. Dar­aus spru­deln teils er­kleck­li­che Sum­men. Füh­rend ist ge­mäss der US-In­vest­ment­bank J. P. Mor­gan et­wa Qual­comm, die den Li­zenzer­lös von 2001 bis 2012 jähr­lich 21% ge­stei­gert hat. 2012 hat der Han­dy­chip­her­stel­ler dar­aus rund 6,5 Mrd. $ Um­satz und ei­ne ope­ra­ti­ve Mar­ge (Ebit) von über 80% er­zielt. Ei­nen ho­hen Li­zenzer­lös er­hofft sich auch No­kia. Die Fin­nen hal­ten trotz des Ver­kaufs der Han­dy­spar­te an Mi­cro­soft wei­ter wich­ti­ge Pa­ten­te in draht­lo­ser Kom­mu­ni­ka­ti­on, Bild­be­ar­bei­tung und Lo­ka­li­sie­rungs­diens­ten. Das um­fang­rei­che Port­fo­lio soll nun ak­ti­ver be­wirt­schaf­tet wer­den. 2012 hat No­kia (oh­ne No­kia Sie­mens Net­works) 643 Mio. $ aus Pa­ten­t­er­lö­sen ein­ge­nom­men, wie J. P. Mor­gan er­rech­net hat. Die In­vest­ment­bank hält für 2018 Tan­tie­men aus Pa­ten­ten von 2,8 Mrd. € (Stu­fe Ebit) für mög­lich, 17,9% des Um­sat­zes. No­ki­as Aus­gangs- la­ge ist gut: In ei­nem Pa­tent­streit mit dem tai­wa­ne­si­schen Han­dy­her­stel­ler HTC hat sich das Münch­ner Land­ge­richt auf die Sei­te des Netz­aus­rüs­ters ge­schla­gen. Nä­her an Ku­dels­kis Markt ist Ti­vo, die Di­gi­tal­vi­deo­re­kor­der und Soft­ware zur Nut­zung von Vi­deo­in­halt her­stellt. Ti­vo pro­fi­tiert vom Kun­den­zu­lauf zu Strea­m­in­gPlatt­for­men wie Net­flix. Wich­ti­ge Kun­den sind auch Com­cast, Vir­gin Me­dia und Ono (Spa­ni­en). Ti­vo setzt er­folg­reich auf Pa­tent En­force­ment: 2011 hat die Grup­pe ei­nen seit 2004 lau­fen­den Streit bei­ge­legt und sich mit dem Pay-TVRie­sen Dish und dem Sa­tel­li­ten­be­trei­ber Echostar (Dish na­he­ste­hend) über die Zah­lung von 500 Mio. $ an Ti­vo ge­ei­nigt.

Auf Pa­tent­rech­te-Mo­ne­ta­ri­sie­rung setzt auch der Soft­ware- und Ko­pier­schutz­an­bie­ter Ro­vi, der Pro­vi­der wie AT&T, Dish oder Sky, Her­stel­ler wie Phi­lips, Lo­gi­tech und So­ny und Over-the-Top-An­bie­ter wie Face­book oder Spo­ti­fy be­dient. Ro­vi zog ge­gen Net­flix, Ama­zon und Ro­ku vor Ge­richt in der Fra­ge, ob On­li­ne­vi­deo­an­bie­ter für Ro­vi-Pa­ten­te zah­len müs­sen, wenn sie nicht den Pro­gram Gui­de von Ro­vi nut­zen wol­len. Im Fall Net­flix wand­te sich das Blatt vor­erst ge­gen Ro­vi.

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