«Ben van Nony­mous»

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - HTZ,

Als Pe­ter Vo­ser im ver­gan­ge­nen Jahr über­ra­schend an­kün­dig­te, er wer­de zum 1. Ja­nu­ar 2014 den Chef­ses­sel bei Eu­ro­pas gröss­tem Ener­gie­kon­zern Roy­al Dutch Shell räu­men, da schos­sen die Spe­ku­la­tio­nen ins Kraut. In Gross­bri­tan­ni­en wet­te­te man dar­auf, dass nach dem Schwei­zer Vo­ser und dem Nie­der­län­der Je­ro­en van der Veer in Zu­kunft wie­der ein Bri­te den nie­der­län­disch-bri­ti­schen Öl- und Gas­mul­ti lei­ten wer­de. Als Fa­vo­rit wur­de Shell-Fi­nanz­chef Si­mon Hen­ry, ein Bri­te, ge­han­delt.

Doch dann kam die Über­ra­schung. Der Ver­wal­tungs­rat er­nann­te den 55-jäh­ri­gen Ben van Beur­den zum neu­en CEO. In den bri­ti­schen Me­di­en gab es sau­re Kom­men­ta­re dar­über, dass wie­der ein Nie­der­län­der Shell-Chef wer­den soll­te. «Ben van Nony­mous» – Ben der An­ony­me, nann­ten ihn die Kom­men­ta­to­ren in Lon­don.

Nach dem Mar­ke­ting und Fi­nanz­ex­per­ten Vo­ser lei­tet nun wie­der ein In­ge­nieur Shell. Denn van Beur­den stu­dier­te an der Uni­ver­si­tät Delft Che­mi­cal En­gi­nee­ring und schloss mit ei­nem Mas­ter ab. Schon 1983 be­gann er in der Spar­te Öl­ver­ar­bei­tung und Trans­port (Down­stream) sei­ne Tä­tig­keit bei Shell. Im Down­stream-Sek­tor mach­te er Kar­rie­re auf lei­ten­den Pos­ten in Ma­lay­sia, im Su­dan, in den USA, in Lon­don und zu­letzt am Haupt­sitz in Den Haag, wo er seit 2013 dem Down­stream-Sek­tor vor­stand und als per­sön­li­cher As­sis­tent des Shell-Ver­wal­tungs­rats tä­tig war.

Der vier­fa­che Fa­mi­li­en­va­ter (drei Töch­ter, ein Sohn) ist zu­dem Vor­stands­mit­glied des In­ter­na­tio­nal Coun­cil of Che­mi­cals As­so­cia­ti­ons so­wie des Eu­ro­pean Che­mi­cal In­dus­try Coun­cil. Sei­ne Hob­bys sind Le­sen, Jog­ging und Rei­sen mit der ge­sam­ten Fa­mi­lie.

Die von Vor­gän­ger Vo­ser ge­setz­ten Meilensteine wie et­wa das rie­si­ge Flüs­sig­gas-Pro­jekt in Ka­tar be­zeich­net van Beur­den als Wachs­tums­fak­to­ren. Den­noch wird er nicht um­hin kom­men, den Down­stream-Be­reich zu sa­nie­ren. Un­ren­ta­ble Tei­le müs­sen ab­ge­stos­sen wer­den, da­mit die Ge­win­ne bei Shell künf­tig wie­der kräf­ti­ger spru­deln kön­nen und die zur Tra­di­ti­on des Un­ter­neh­mens ge­hö­ren­de so­li­de Di­vi­den­den­po­li­tik mit re­gel­mäs­si­gen Aus­schüt­tungs­er­hö­hun­gen fort­ge­setzt wer­den kann. Aus­ser­dem muss er das US-ame­ri­ka­ni­sche Ge­schäft un­ter die Lu­pe neh­men, weil die ho­hen In­ves­ti­tio­nen, die Shell dort un­ter an­de­rem in die Schie­fe­r­öl- und Schie­fer­gas­för­de­rung vor­ge­nom­men hat, sich we­ni­ger ren­tie­ren als er­war­tet, da die Gas­prei­se stark un­ter Druck ste­hen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.