Zwei­fel am Auf­schwung

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - STE­PHAN MÜL­LER

NGold­preis steigt nach ent­täu­schen­den US-Ar­beits­markt­zah­len

ach­dem der Goldpreis in Dol­lar im ver­gan­ge­nen Jahr – trotz un­ge­lös­ter glo­ba­ler Schul­den- und Wachs­tums­kri­se – um 27% kor­ri­giert hat­te, lös­ten die US-Ar­beits­markt­zah­len am 10. Ja­nu­ar ei­ne Ve­r­un­si­che­rung der Markt­teil­neh­mer und ei­nen An­stieg des Gold­prei­ses aus. Zwi­schen­zeit­lich no­tier­te Gold gar über 1250 $. Am Frei­tag­vor­mit­tag kos­te­te ei­ne Fein­un­ze 1242.5 $. In Fran­ken no­tier­te der Goldpreis bei 36 200 Fr. pro Ki­lo.

Die US-Ar­beits­markt­zah­len ha­ben mit 74 000 neu­en Stel­len im De­zem­ber 2013 den schwächs­ten Stel­len­zu­wachs seit Ja­nu­ar 2011 aus­ge­wie­sen. Dass durch die Käl­te­pe­ri­ode in Nord­ame­ri­ka sai­so­nal we­ni­ger Jobs ge­schaf­fen wer­den, ist nach­voll­zieh­bar und für sich al­lein ge­nom­men nicht wei­ter pro­ble­ma­tisch. Aber auch die Ar­beits­lo­sen­quo­te – ei­ne wich­ti­ge Ziel­grös­se für die US-No­ten­bank Fed und da­mit ein wich­ti­ger Ein­fluss­fak­tor für den Dol­lar­kurs und die Edel­me­tall­prei­se – lässt kei­ne Hoff­nung auf­kom­men. Sie fiel im ver­gan­ge­nen De­zem­ber zwar auf 6,7% und er­reich­te da­mit den tiefs­ten Stand seit Ok­to­ber 2008. Pro­ble­ma­tisch an der Ar­beits­lo­sen­ra­te ist aber ih­re Be­rech­nung. Mit der Zahl der in den Ar­beits­markt in­te­grier­ten Per­so­nen, der so­ge­nann­ten Er­werbs­per­so­nen (La­bor Force), dient als Ba­sis ei­ne schrump­fen­de Grös­se.

Die Er­werbs­quo­te (La­bor Force Par­ti­ci­pa­ti­on Ra­te), der An­teil Er­werbs­per­so­nen an der ge­sam­ten Be­völ­ke­rung im Er­werbs­al­ter, be­trug im Som­mer 2008 noch 66,1% und ist per En­de 2013 auf 62,8% ge­fal­len. Ei­ne sin­ken­de Zahl von Ar­beits­lo­sen in den USA ist er­freu­lich, wenn die­se Zahl je­doch sinkt, weil die Be­rech­nungs­ba­sis schrumpft, und nicht, weil die Be­schäf­ti­gung steigt, ist das be­sorg­nis­er­re­gend.

Die Be­schäf­ti­gung ist die Ba­sis für den Pri­vat­kon­sum und da­mit ei­ner der wich­tigs­te Pfei­ler in der US-Öko­no­mie. Sie ero­diert aber seit Jah­ren. Dar­über täuscht auch die Eu­pho­rie an den Ak­ti­en­märk­ten nicht hin­weg.

Die Re­ak­ti­on der An­le­ger auf die schwa­chen US-Ar­beits­markt­zah­len liess ent­spre­chend nicht lan­ge auf sich war­ten. Da die USNo­ten­bank ih­re Aus­rich­tung der Geld­po­li­tik auch an die Ver­fas­sung des Ar­beits­mark­tes bin­det, fiel die Markt­re­ak­ti­on ne­ga­tiv aus. Der Dol­lar ver­lor ge­gen­über den an­de­ren Haupt­wäh­run­gen an Bo­den, und der Goldpreis leg­te in kür­zes­ter Zeit um über 25 $ pro Fein­un­ze zu. Im Ver­lau­fe die­ser Wo­che hat Gold so­gar kurz­fris­tig die tech­ni- sche Hür­de von 1250 $ pro Fein­un­ze durch­bro­chen.

Span­nend an die­sem Kurs­aus­schlag ist, dass die An­le­ger of­fen­sicht­lich die von der Re­gie­rung und der Zen­tral­bank aus­ge­strahl­te Zu­ver­sicht für den nach­hal­ti­gen Wirt­schafts­auf­schwung nicht voll­ends tei­len, son­dern trotz sin­ken­der US-Ar­beits­lo­sen­zah­len und positiver Wachs­tums­pro­gno­sen sehr schnell wie­der auf ei­nen ri­si­ko­aver­sen Mo­dus und An­la­ge­instru­men­te wie Gold um­schwen­ken.

Für die kom­men­den Wo­chen ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Edel­me­tal­le Gold und Sil­ber stark von den Er­war­tun­gen der Markt­teil­neh­mer zur künf­ti­gen Geld­po­li­tik der US-No­ten­bank und ih­rem Ein­fluss auf die Stär­ke des Dol­lars ge­tra­gen wer­den. Ein schwä­che­rer Dol­lar wirkt sich in der Re­gel po­si­tiv aus. Gleich­zei­tig ist es sehr wahr­schein­lich, dass Aus­schlä­ge nach oben zur Ge­winn­rea­li­sie­rung ein­ge­setzt wer­den. Bei den weis­sen Edel­me­tal­len Pal­la­di­um und Pla­tin dürf­ten die gu­ten Au­to­ab­satz­zah­len und die mög­li­che Ver­knap­pung der Mi­nen­ak­ti­vi­tä­ten durch dro­hen­de Ar­bei­ter­streiks ten­den­zi­ell zu stei­gen­den Prei­sen füh­ren.

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