Rück­schrit­te in der Al­ters­vor­sor­ge

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Nun hat das Volk auch dar­über ab­zu­stim­men: Die Volks­in­itia­ti­ve «AHVp­lus» des Ge­werk­schafts­bunds ist of­fi­zi­ell zu­stan­de ge­kom­men. Die Initia­ti­ve ver­langt ei­ne pau­scha­le Er­hö­hung der AHV-Ren­ten um 10%. Da­bei blen­det sie die Al­te­rung der Be­völ­ke­rung aus, eben­so die sich ver­düs­tern­den fi­nan­zi­el­len Per­spek­ti­ven des So­zi­al­werks schon nur mit dem heu­ti­gen Leis­tungs­stan­dard. Das Um­la­ge­er­geb­nis der AHV dürf­te 2013 erst­mals ne­ga­tiv aus­ge­fal­len sein (vgl. FuW Nr. 92 vom 23. No­vem­ber 2013), und bis 2030 wird sich ein Loch von ge­gen 9 Mrd. Fr. öff­nen.

Das stört die Ge­werk­schaf­ten und die SP in kei­ner Art und Wei­se – im Ge­gen­teil. Ih­re Initia­ti­ve wür­de die Klei­nig­keit von 4 Mrd. Fr. pro Jahr kos­ten. Die Fi­nan­zie­rung ist al­les an­de­re als ge­si­chert. Das Be­geh­ren ver­kommt zu ei­nem ana­chro­nis­ti­schen Traum mit ge­wal­ti­gen nach­tei­li­gen Fol­gen.

Zur Ent­las­tung mö­gen die Initi­an­ten auf Deutsch­land ver­wei­sen: Die grosse Ko­ali­ti­on schickt sich an, in der Ren­ten­re­form den Marsch in die Ver­gan­gen­heit an­zu­tre­ten. Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) – ei­ne Po­lit­pro­fes­sio­nel­le, die ih­re Bröt­chen nie in der frei­en Wirt­schaft ver­die­nen muss­te – will die vor­ge­se­he­ne Er­hö­hung des Ren­ten­al­ters auf 67 Jah­re un­ter­lau­fen, mit der «ab­schlags­frei­en Ren­te mit 63» für Ar­beit­neh­mer, die 45 Bei­trags­jah­re auf­wei­sen. Zu­sam­men mit wei­te­ren Aus­bau­vor­ha­ben wür­den der Re­form Mehr­kos­ten von rund 10 Mrd. € pro Jahr auf­ge­la­den.

Kein Wun­der, dass die deut­sche Wirt­schaft ge­gen die­sen ers­ten gra­vie­ren­den Faux­pas der neu­en Re­gie­rung Sturm läuft. Im­mer­hin: Das Ka­bi­nett ist nicht ei­ner Mei­nung, Nah­les’ Gross­zü­gig­keit ist durch­aus um­strit­ten. Das Bei­spiel lässt für die wei­te­re Po­li­tik der gros­sen Ko­ali­ti­on we­nig Gu­tes er­ah­nen. Der Rück­schritt ist um­so be­dau­er­li­cher, als die ur­sprüng­li­che Er­hö­hung des Ren­ten­al­ters rich­tig war. Dar­an müss­te sich die Schweiz ein Bei­spiel neh­men. Die Al­te­rung der Be­völ­ke­rung er­laubt kei­nen wei­te­ren Aus­bau der Al­ters­vor­sor­ge – das ist nicht fi­nan­zier­bar.

Im Vor­der­grund muss das Si­chern des Be­ste­hen­den sein. Das aber ist nicht gra­tis und muss auf die sich ver­än­dern­den Ge­ge­ben­hei­ten Rück­sicht neh­men. Die stei­gen­de Le­bens­er­war­tung und das schrump­fen­de Po­ten­zi­al an (ein­hei­mi­schen) Er­werbs­per­so­nen ru­fen nach ei­ner Er­hö­hung des Ren­ten­al­ters – wie dies Deutsch­land und an­de­re EU-Staa­ten er­kannt hat­ten. In­nen­mi­nis­ter Alain Ber­set je­doch will da­von nichts wis­sen. Sei­ne «Al­ters­vor­sor­ge 2020» setzt we­sent­lich auf Mehr­ein­nah­men. Da­ge­gen op­po­nie­ren Wirt­schaft und bür­ger­li­che Par­tei­en – zu Recht. Die Sa­nie­rung kann nur ge­lin­gen, wenn der Al­te­rung mit ei­nem mo­de­rat hö­he­ren Ren­ten­al­ter Rech­nung ge­tra­gen wird.

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