CS und UBS tra­gen die Be­weis­last

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - RUE­DI KEL­LER UND CLIF­FORD PADEVIT

DRück­schlüs­se vom Re­sul­tat der Deut­schen Bank auf UBS und CS sind be­grenzt mög­lich. Die Schwei­zer müs­sen aber zei­gen, dass ihr Ge­schäfts­mo­dell ro­bust ist.

ie Deut­sche Bank hat am Sonn­tag­abend die Quar­tals­zah­len vor­ge­legt – über­ra­schend und an­dert­halb Wo­chen vor dem ge­plan­ten Pu­bli­ka­ti­ons­ter­min. Der un­er­war­tet ho­he Ver­lust von 1,2 Mrd. € vor Steu­ern im vier­ten Quar­tal liess An­le­ger am Mon­tag nicht nur Deut­sche-Bank-Ak­ti­en ver­kau­fen, son­dern auch die Va­lo­ren an­de­rer eu­ro­päi­scher In­vest­ment­ban­ken.

Dar­un­ter be­son­ders Bar­clays aus Gross­bri­tan­ni­en, die wie Deut­sche Bank ih­re Stär­ken im Han­del von Zins­pro­duk­ten (Fi­xed In­co­me) hat. Denn die Schwä­che in die­sem Be­reich der In­vest­ment­bank war ein we­sent­li­cher Grund für das schlech­te Er­geb­nis. Di­rek­te Rück­schlüs­se aus dem Er­geb­nis der Deut­schen Bank auf die an­ste­hen­den Quar­tals­er­geb­nis­se der bei­den Schwei­zer Gross­ban­ken las­sen sich aber nur be­grenzt zie­hen.

Deut­sche ab­ge­bremst

In­vest­ment-Ban­king-Ak­ti­vi­tä­ten tra­gen rund die Hälf­te zum Er­geb­nis der Frank­fur­ter Gross­bank bei. Um­ge­kehrt ist die Ver­mö­gens­ver­wal­tung deut­lich klei­ner als bei UBS und Cre­dit Suis­se.

Für UBS rech­nen Ana­lys­ten für das vier­te Quar­tal mit ei­nem be­rei­nig­ten Vor­steu­er­ge­winn der ste­tig wach­sen­den Ver­mö­gens­ver­wal­tung (vgl. Gra­fik 1) und des As­set Ma­nage­ment von fast 1 Mrd. Fr., dem Dop­pel­ten der üb­ri­gen Ak­ti­vi­tä­ten der Bank. Auch bei Cre­dit Suis­se soll die Ver­mö­gens­ver­wal­tung ge­mäss Schät­zung mit rund 900 Mio. Fr. ei­nen hö­he­ren Vor­steu­er­ge­winn leis­ten als die sai­so­nal schwan­ken­de In­vest­ment­bank (vgl. Gra­fik 3). Das Quar­tals­er­geb­nis der Frank­fur­ter Gross­bank war aus­ser­dem von Bus­sen­zah­lun­gen für Sün­den der Ver­gan­gen­heit ge­prägt wie Hy­po­the­ken­ver­brie­fun­gen in den USA und die Li­bor-Ma­ni­pu­la­ti­on so­wie dem Auf­wand für Re­struk­tu­rie­run­gen. Aus­ser­or­dent­li­che Fak­to­ren ge­hö­ren mitt­ler­wei­le zwar zum nor­ma­len Bank­ge­schäft. Aus­mass und Zeit­punkt der Ver­bu­chung blei­ben aber in­sti­tuts­spe­zi­fisch.

Fol­ge­run­gen aus dem Re­sul­tat der Deut­schen Bank für Schwei­zer Gross­ban­ken las­sen sich pri­mär aus dem Ge­schäfts- ver­lauf im In­vest­ment Ban­king zie­hen. Und hier zeigt sich Un­er­freu­li­ches: Bei der Deut­schen brach der Be­reich Han­del von fest­ver­zins­li­chen An­la­gen im vier­ten Quar­tal mit ei­nem Mi­nus von 31% zum Vor­jahr stär­ker als er­war­tet ein und deut­li­cher als bei den US-Kon­kur­ren­ten. CoChef Ans­hu Jain er­klär­te dies an der Te­le­fon­kon­fe­renz da­mit, dass die Markt­dy­na­mik in den USA bes­ser ge­we­sen sei als in Eu­ro­pa. Da­von hät­ten die US-Ri­va­len pro­fi­tiert. «Wir sind uns un­se­rer stär­ke­ren Aus­rich­tung auf Fi­xed In­co­me und Eu­ro­pa be­wusst», sag­te Jain, «und das wird an­ge­sichts der bes­se­ren Trends für die USA und das Ak­ti­en­ge­schäft ei­ne Her­aus­for­de­rung blei­ben.» Die Deut­sche Bank wol­le aber im Fi­xed In­co­me füh­rend blei­ben.

Die Be­schrei­bung des Markt­um­felds ver­heisst nichts Gu­tes für CS, die im Fi­xed In­co­me ein star­kes Stand­bein hat (vgl. Gra­fik 2). Auf be­rei­nig­ter Ba­sis er­war­ten die Ana­lys­ten von J. P. Mor­gan bei CS aus dem Fi­xed In­co­me für das vier­te Quar­tal ei­nen Er­trag von 831 Mio. Fr., gut 10% un­ter dem schon schlech­ten Dritt­quar­tal und mehr als 20% un­ter Vor­jah­res­wert.

Bes­ser ge­rüs­te­te Schwei­zer?

Cre­dit Suis­se hat aber mit ver­brief­ten Pro­duk­ten ein be­deu­ten­des Stand­bein, das vor al­lem in den USA Er­trag er­zielt und sich da­her eher mit US-Ban­ken ver­glei­chen lässt. Bei der UBS be­fürch­ten die Ana­lys­ten ei­nen deut­li­che­ren Ein­bruch. Da das Fi­xed In­co­me aber nur ge­schätz­te 290 Mio. Fr. zum Ge­samt­er­trag bei­steu­ert, fal­len Schwan­kun­gen we­ni­ger ins Ge­wicht.

Ob der Markt­ein­bruch bei den Schwei­zer Ban­ken aber eben­so deut­lich auf das Er­geb­nis durch­schlägt wie bei der Deut­schen, bleibt ab­zu­war­ten. CS hat be­tont, die Ef­fi­zi­enz ih­rer In­vest­ment­bank schon früh­zei­tig auf die neu­en Ka­pi­tal­re­gime aus­ge­rich­tet zu ha­ben. Co-CEO-Jain er­klär­te, das bei sei­nem In­sti­tut schlech­ter als er­war­tet aus­ge­fal­le­ne Er­geb­nis sei zwar ei­ne Fol­ge des Um­felds, aber auch da­von, dass die Bank mehr auf ren­ta­bles Ge­schäft in den ein­zel­nen Seg­men­ten fo­kus­siert sei und we­ni­ger Wert auf den Er­halt von Markt­an­tei­len ge­legt ha­be. «Wir re­ka­li­brie­ren die­se Di­vi­si­on», sag­te Jain. Und so, wie die Bi­lanz­ka­pa­zi­tät ab­neh­me, ge­he auch der Er­trag zu­rück. Aus­lö­ser die­ser Ve­rän­de­rung sind die neu­en Ei­gen­ka­pi­tal­an­for­de­run­gen, die Ge­schäfts­an­pas­sun­gen not­wen­dig ma­chen.

In die­sem Punkt sind die bei­den Schwei­zer Ban­ken der deut­schen Kon­kur­ren­tin vor­aus. UBS hat 2012 an­ge­kün­digt, den Han­del mit Zins­pro­duk­ten zu ver­klei­nern, Cre­dit Suis­se folg­te im Herbst, kün­dig­te die Re­struk­tu­rie­rung des Zins­ge­schäfts an und la­ger­te ihr be­ste­hen­des Ab­wick­lungsport­fo­lio im An­lei­hen­ge­schäft in ei­ne nicht stra­te­gi­sche Ein­heit aus.

Die UBS ist im Um­bau so weit fort­ge­schrit­ten, dass sie Han­dels­sys­te­me nicht mehr in­tern be­treu­en will, son­dern an ex­ter­ne Di­enst­leis­ter de­le­giert. Ei­ne Spre­che­rin hat in die­sem Zu­sam­men­hang ei­nen Be­richt der «Fi­nan­ci­al Ti­mes» be­stä­tigt, wo­nach die tech­ni­sche Ab­wick­lung des Han­dels mit Staats­an­lei­hen und Un­ter­neh­mens­ob­li­ga­tio­nen aus­ge­la­gert wird.

Po­si­ti­ve Si­gna­le gibt es im Han­del mit Ak­ti­en. Er lief bei den meis­ten US-Kon­kur­ren­ten gut, und auch die Deut­sche ver­zeich­ne­te im vier­ten Quar­tal auf Jah­res­ba­sis ein Plus von 8%. Im Ak­ti­en­han­del sind die Schwei­zer In­sti­tu­te stark. Für Cre­dit Suis­se er­war­tet J. P. Mor­gan ei­nen Be­reich­ser­trag von über 1 Mrd. Fr. im vier­ten Quar­tal, für UBS knapp 900 Mio. Fr. Dies ist zwar we­ni­ger als im Vor­quar­tal, aber mehr als vor Jah­res­frist. Mit ei­nem kräf­ti­gen Zu­wachs rech­nen die Ana­lys­ten zu­dem im Be­ra­tungs­ge­schäft. Ak­ti­en­emis­sio­nen lie­fen im Schluss­quar­tal wie ge­schmiert; we­ni­ger kräf­tig zu­ge­legt hat die Be­ra­tung bei Über­nah­men und Fu­sio­nen. Die bis zum Jah­res­en­de do­mi­nie­ren­de Ner­vo­si­tät an den Märk­ten ha­be ei­ne Be­le­bung des M& A-Ge­schäfts ver­hin­dert, mei­nen die Ana­lys­ten der Deut­schen Bank. Sie ge­hen da­von aus, dass Cre­dit Suis­se und UBS dank Kos­ten­ein­spa­run­gen und ge­tra­gen vom an­hal­tend boo­men­den Ak­ti­en­ge­schäft so­wie von der zy­klisch stei­gen­den Be­ra­ter­tä­tig­keit gut ins ers­te Quar­tal 2014 ge­star­tet sind.

Für das Schluss­quar­tal 2013 er­war­ten sie für die Schwei­zer Kon­kur­ren­ten In­vest­ment­ban­ker­trä­ge, die fast auf der Hö­he des Vor­quar­tals lie­gen. In der Ver­mö­gens­ver­wal­tung rech­nen sie mit ei­ner Mar­gen­aus­wei­tung. CS und UBS tra­gen jetzt die Be­weis­last. Sie müs­sen zei­gen, dass ih­re Ge­schäfts­mo­del­le wie ver­spro­chen tat­säch­lich ro­bus­ter ge­wor­den sind und auch in un­güns­ti­gen Markt­ver­hält­nis­sen ver­läss­li­che Er­geb­nis­se lie­fern.

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