Für Al­st­om wird auch das Ge­schäfts­jahr 2014/15 schwie­rig

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE -

Der fran­zö­si­sche In­dus­trie­kon­zern Al­st­om ge­hört zu den füh­ren­den An­bie­tern von Strom­er­zeu­gungs­an­la­gen, Strom­ver­tei­lungs­aus­rüs­tun­gen und Ei­sen­bahn­tech­nik. Die Fi­nanz­kri­se und die Re­zes­si­on im Heim­markt Eu­ro­pa ha­ben das Un­ter­neh­men be­son­ders hart ge­trof­fen, weil es ge­ra­de die gros­sen, teu­ren In­ves­ti­ti­ons- und In­fra­struk­tur­vor­ha­ben wa­ren, die zu­rück­ge­bun­den wur­den. Da­zu zäh­len das Kraft­werkund das Bahn­ge­schäft.

Im Ge­schäfts­jahr 2012/13 (per En­de März) wies die Grup­pe ei­ne Be­triebs­ge­winn­mar­ge von 7,2% aus, wo­bei die ther­mi­sche Ener­gie­er­zeu­gung auf 10,4% kam, die er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en auf 4,9%, die Strom­über­tra­gungs­tech­nik auf 6,2% und das Bahn­ge­schäft auf 5,4%. Die Mar­ge ent­spricht et­wa dem Ni­veau von Sie­mens (7%), doch ABB und Ge­ne­ral Electric ka­men 2012 auf über 10%.

Fa­tal für Al­st­om hat sich die 2010 er­folg­te Über­nah­me der Strom­über­tra­gungs­spar­te von Are­va ent­puppt, weil sich da­durch die Ver­schul­dung er­höht hat. Al­st­om weist per En­de Sep­tem­ber ei­ne Net­to­ver­schul­dung von rund 3,2 Mrd. € aus, bei ei­nem Ei­gen­ka­pi­tal­an­teil in der Bi­lanz von et­was knap­pen 16%. Zu­dem war der Cash­flow in den letz­ten Jah­ren chro­nisch nied­rig. Der im No­vem­ber an­ge­kün­dig­te Plan, ei­ne Min­der­heits­be­tei­li­gung an der Bahn­spar­te ver­kau­fen zu wol­len, ist denn auch vor al­lem dem Bi­lanz­bild ge­schul­det. Die Bahn­spar­te weist zwar der­zeit ei­ne nied­ri­ge Be­triebs­mar­ge auf, doch konn­ten im Herbst spek­ta­ku­lä­re Gross­auf­trä­ge ge­won­nen wer­den, et­wa ein Kon­trakt mit Süd­afri­ka zur Lie­fe­rung von Bahn­wag­gons im Wert von 5,8 Mrd. $.

Die Ak­ti­en Al­st­om spie­geln den schwie­ri­gen Ge­schäfts­gang. Und ob­wohl je­des Jahr Kos­ten­sen­kungs­mass­nah­men durch­ge­zo­gen wur­den und das jetzt lau­fen­de Spar­pro­gramm bis zum Früh­jahr 2016 rund 1,5 Mrd. € Ein­spa­run­gen brin­gen soll, ver­sprach Al­st­om bis vor Kur­zem nur ge­ra­de, die Be­triebs­ge­winn­mar­ge von ge­gen­wär­tig gut 7% bis in zwei bis drei Jah­ren auf 8% zu stei­gern. Nun gilt auch die­ses Ziel nicht mehr. An­läss­lich der Ver­öf­fent­li­chung des Um­sat­zes und des Be­stel­lungs­ein­gangs im drit­ten Ge­schäfts­quar­tal (per En­de De­zem­ber) am Di­ens­tag er­war­tet Al­st­om im kom­men­den Ge­schäfts­jahr 2014/15 ei­ne leicht sin­ken­de Mar­ge (vgl. In­ter­view).

Die Börse re­agier­te hef­tig auf die ge­dämpf­ten Per­spek­ti­ven. Die Ak­ti­en Al­st­om ver­lo­ren rund 12%, ob­wohl das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis bloss knapp 10 be­trägt. Zwar konn­ten im drit­ten Ge­schäfts­quar­tal die Be­stel­lun­gen ge­gen­über dem Vor­quar­tal und der Vor­jah­res­pe­ri­ode ge­stei­gert wer­den, doch muss­ten of­fen­bar im Kraft­werks­bau Auf­trä­ge mit schlech­ten Prei­sen ak­zep­tiert wer­den. Dies je­den­falls im­pli­ziert die Re­duk­ti­on der Mar­gen­pro­gno­se.

Trotz klar hö­he­rer Be­wer­tung sind ABB (KGV 2014: 17) den Al­st­om-Va­lo­ren vor­zu­zie­hen, weil das Schwei­zer Un­ter­neh­men eher auf Au­to­ma­ti­on, Strom­über­tra­gung und Ener­gie­ef­fi­zi­enz aus­ge­rich­tet ist, was im ge­gen­wär­ti­gen Wirt­schafts­um­feld viel eher ge­fragt ist als Kraft­werk­bau.

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