Der US-Mo­bil­funk­sek­tor er­fin­det sich ge­ra­de neu

Finanz und Wirtschaft - - TELECOM - DM

Die USA er­schie­nen lan­ge wie ein ge­lob­tes Land im Mo­bil­funk: Der durch­schnitt­li­che Um­satz je Kun­den liegt über den Ver­gleichs­wer­ten in Eu­ro­pa, Be­völ­ke­rung und Wirt­schaft wach­sen dy­na­mi­scher, und der Re­gu­la­tor ist gü­ti­ger. Doch nun bringt ei­ne Markt­kon­so­li­die­rung ei­nen für das Land un­ge­wohnt har­ten Preis­kampf. Auch dro­hen Neu­ein­stei­ger den Markt auf­zu­rol­len.

Die ab­ge­schla­ge­ne Num­mer vier im Markt, T-Mo­bi­le US, ist 2013 mit der Num­mer fünf, Me­tro PCS, ver­schmol­zen. Zu­dem hat sich der ja­pa­ni­sche Soft­bank-Kon­zern die Kon­trol­le über Sprint ge­si­chert, nach AT&T und Ve­ri­zon Num­mer drei im Markt. Über­nah­me­fan­ta­sie bleibt aber wei­ter er­hal­ten. Trotz der Fort­schrit­te im Tur­naround von T-Mo­bi­le US scheint die Mut­ter Deut­sche Te­le­kom ei­nem Ver­kauf nicht ab­ge­neigt, um in Eu­ro­pa mehr in­ves­tie­ren zu kön­nen. Nach un­be­stä­tig­ten Be­rich­ten will Soft­bank T-Mo­bi­le US mit Sprint fu­sio­nie­ren. Als zu fi­nan­zie­ren­de Sum­me nennt das «Wall Street Jour­nal Deutsch­land» 50 Mrd. $. Die US-In­vest­ment­bank J. P. Mor­gan schätzt die mög­li­chen jähr­li­chen Sy­ner­gi­en mit Sprint auf über 4 Mrd. $. Das Ri­si­ko sei aber hoch, dass die Kar­tell­be­hör­den ei­ne sol­che Fu­si­on ver­ei­teln oder har­te Auf­la­gen ma­chen wür­den. Ge­mäss Reu­ters könn­te auch der Sa­tel­li­ten-TV- und Ka­bel­netz­be­trei­ber Dish für T-Mo­bi­le US bie­ten. Dish wür­de mit ei­nem ei­ge­nen Mo­bil­funk­netz bes­se­re Bün­de­l­an­ge­bo­te of­fe­rie­ren und könn­te den Markt da­mit auf­mi­schen. Aus Schwei­zer Sicht be­deu­tet dies im Ide­al­fall neu­es Ge­schäft für den Dish-Zu­lie­fe­rer Ku­del­ski.

Ak­qui­si­ti­ons­freu­dig ist auch AT&T, hat da­bei aber den eu­ro­päi­schen Markt im Vi­sier (vgl. Text oben). Das Ana­lys­e­in­sti­tut In­for­ma glaubt, der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­rie­se wer­de ei­nen An­lauf star­ten, um die Mo­bil- funk­grup­pe Vo­da­fo­ne zu über­neh­men. Vo­da­fo­ne steht kurz vor dem Ab­schluss des Ver­kaufs der An­tei­le an Ve­ri­zon Wi­re­less für 130 Mrd. $. Doch ei­ne sol­che Hoch­zeit wä­re kaum auf Ro­sen ge­bet­tet, mei­nen die In­for­ma-Ana­lys­ten. AT&T Wi­re­less und Ve­ri­zon Wi­re­less sä­hen die vier­te Ge­ne­ra­ti­on des Mo­bil­funk­stan­dards (LTE) als «Ga­me Chan­ger» und Trei­ber des In­ter­nets der Din­ge. Die Per­spek­ti­ven in Eu­ro­pa sei­en an­de­re, führt In­for­ma aus. Die An­bie­ter dort wür­den sich ab­mü­hen, für LTE ei­ne Prä­mie am Markt durch­set­zen zu kön­nen, und Kon­nek­ti­vi­tät – die kom­mu­ni­ka­ti­ve Ver­net­zung ver­schie­dens­ter Din­ge – dürf­te nur ei­nen klei­nen Teil der künf­ti­gen Wert­schöp­fung in Eu­ro­pa aus­ma­chen. Ge­mäss In­for­ma sei AT&T bes­ser be­ra­ten, die ei­ge­ne Stel­lung im US-Fest­netz­markt zu stär­ken, statt Vo­da­fo­ne zu kau­fen.

«Fi­nanz und Wirt­schaft» teilt die­se An­sicht. Die Ak­ti­en AT&T ber­gen das Ri­si­ko ei­nes wert­ver­nich­ten­den Zu­kaufs, des­halb soll­ten Ve­ri­zon be­vor­zugt wer­den. Die Aus­sich­ten sind in den USA zwar auch nicht ein­fach, und es könn­te ei­ne Durst­stre­cke ge­ben. Doch Ve­ri­zon ist in wachs­tums­träch­ti­gen Märk­ten gut po­si­tio­niert, wie in ver­netz­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on in Fahr­zeu­gen. Jetzt kauft Ve­ri­zon auch In­tel das er­folg­lo­se Me­dia-Ge­schäft ab, das In­ter­net-TV-Di­ens­te ent­wi­ckelt. Ve­ri­zon könn­te da­mit ei­ge­ne, hoch­mar­gi­ge TV-An­ge­bo­te ein­fa­cher ver­brei­ten. Die ho­he Di­vi­den­den­ren­di­te (Schät­zung 2014: 4,4%) scheint gut ab­ge­si­chert zu sein. Auch spre­chen die ge­gen­über Eu­ro­pa et­was grös­se­ren Frei­räu­me in Preis­ge­stal­tung und Netz­ma­nage­ment für die Ti­tel.

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