Der Mo­tor der Uh­ren­bran­che

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM/TECHNOLOGIE - JS

In Chi­na stot­tert der Mo­tor, wenn es um den Ab­satz von Lu­xus­uh­ren und Schmuck geht. Ri­che­mont bei­spiels­wei­se hat dort im jüngs­ten Quar­tal we­ni­ger ab­ge­setzt als noch im Vor­jahr. Doch das heisst nicht, dass die Chi­ne­sen ih­re Lust, Uh­ren zu kau­fen, plötz­lich ver­lo­ren ha­ben. Im­mer mehr Chi­ne­sen kau­fen ih­re Uh­ren im Aus­land.

Ne­ben Hong­kong und Ma­cao steht da­bei Eu­ro­pa im Fo­kus. Das hat sei­nen Grund. Die ho­he Lu­xus­steu­er in Chi­na macht Uh­ren für Chi­ne­sen im Aus­land sehr güns­tig. Ei­ne Uhr, die in Pe­king 15 000 € kos­tet, ist in Pa­ris für rund 10 000 € er­hält­lich.

Wer sich am Uh­ren­sa­lon in Genf (SIHH), an dem sich vor al­lem die Mar­ken von Ri­che­mont wie Car­tier, Pia­get und IWC prä­sen­tie­ren, um­hört, dem wird klar, dass sich vie­les um Chi­na und die Tou­ris­ten aus der Volks­re­pu­blik dreht. Of­fi­zi­el­le Zah­len gibt es nicht. Doch rund die Hälf­te der Uh­ren in den Bou­ti­quen der eu­ro­päi­schen Me­tro­po­len sol­len an chi­ne­si­sche Tou­ris­ten ge­hen. An­ge­sichts der Rei­se­lust der Chi­ne­sen dürf­te sich der Trend noch­mals ver­stär­ken.

Für die gros­sen Kon­zer­ne wie Ri­che­mont, Swatch Group und LVMH wird es des­halb im­mer wich­ti­ger, den Ge­schmack der Chi­ne­sen zu tref­fen. Dort scheint es noch viel Nach­hol­be­darf zu ge­ben. Zwar wer­den die Uh­ren für den asia­ti­schen Mann oft in klei­ne­ren Grös­sen an­ge­bo­ten. Doch was De­sign und Su­jets be­trifft, hält sich die An­nä­he­rung in Gren­zen. So über­rascht es denn auch nicht, dass ge­mäss Chi­na Con­fi­den­ti­al die bei­den be­lieb­tes­ten Mar­ken der Chi­ne­sen mit Chow Tai Fook und Chow Sang Sang zwei ein­hei­mi­sche sind. Sie tref­fen mit ih­ren Schmuck­krea­tio­nen den Ge­schmack der Chi­ne­sen vor al­lem in Hong­kong und Ma­cao. Erst da­nach fol­gen Tis­sot (Swatch Group), Tif­fa­ny und Lon­gi­nes (Swatch), Car­tier (Ri­che­mont), Bul­ga­ri (LVMH) so­wie Ome­ga (Swatch).

Ein Un­ter­neh­men, das die wach­sen­de Vor­lie­be der Chi­ne­sen für ein­hei­mi­sches De­sign er­kannt hat, ist die fran­zö­si­sche Ke­ring. Die ehe­ma­li­ge PPR hat vor Kur­zem die chi­ne­si­sche Schmuck­mar­ke Qee­lin ge­kauft, die auf kost­spie­li­ge Glücks­brin­ger spe­zia­li­siert ist und auch in Eu­ro­pa Fuss fasst. Her­mès hält seit ei­ni­gen Jah­ren die chi­ne­si­sche Mar­ke Shang Xia, die letz­tes Jahr auch in Pa­ris ei­ne Bou­tique er­öff­net hat.

Der Er­folg der Uh­ren- und Schmuck­her­stel­ler bei den chi­ne­si­schen Kun­den, al­len vor­an je­ner von Swatch Group und Ri­che­mont, ist be­ein­dru­ckend. Er ist der Haupt­grund für das Kurs­feu­er­werk der letz­ten Jah­re. Doch die Luft wird dün­ner, vor al­lem was Kurs­a­van­cen be­trifft. Des­halb ge­winnt die auf Chi­na mass­ge­schnei­der­te Stra­te­gie der ein­zel­nen Un­ter­neh­men zu­se­hends an Be­deu­tung. Der Trend, ver­mehrt auf ei­ge­ne Lä­den zu set­zen, ist ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Denn nur so kann das Sor­ti­ment ide­al an die Be­dürf­nis­se der Kun­den an­ge­passt wer­den. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Ri­che­mont und Swatch Group im Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/UHR, fuw.ch/CFR

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