SAP kippt das Mar­gen­ziel

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM/TECHNOLOGIE - DM,

Der künf­ti­ge Al­lein­chef im Hau­se SAP, Bill McDer­mott, spart nicht mit Selbst­lob: «SAP ist die am schnells­ten wach­sen­de Me­ga-Cap-Ge­sell­schaft», po­saunt der Noch-Co-CEO an der Jah­res­pres­se­kon­fe­renz am Di­ens­tag in Wall­dorf in die Welt. SAP wer­de «die» Wachs­tums­sto­ry der IT-Bran­che in Soft­ware und Cloud» sein. Sa­les­force.com und an­de­re rei­ne Cloud-Un­ter­neh­men wür­den an­ders als SAP «kein Geld ver­die­nen». SAP preist das Cloud-Ge­schäft als «kleb­rig» – es brin­ge an­fangs we­ni­ger Er­lös, da­für wan­der­ten Kun­den we­ni­ger schnell ab, so zu­min­dest die Pro­gno­se. Und es ge­be auch künf­tig kei­ne Not­wen­dig­keit ei­ner Wert­be­rich­ti­gung auf den – um­fang­rei­chen – Good­will im Kon­zern, sag­te der ab­tre­ten­de Fi­nanz­chef Wer­ner Brandt.

Das klingt schön, aber die mar­ki­gen Wor­te McDer­motts kom­men nicht von un­ge­fähr. Im Jah­res­ab­schluss des Soft­ware­kon­zerns zeigt sich, dass die Trans­for­ma­ti­on des Ge­schäfts­mo­dells mehr Ge­duld braucht. Das Ziel, ei­ne ope­ra­ti­ve Mar­ge von 35% (Non-IFRS) zu er­rei­chen, ver­schiebt der Kon­zern von 2015 auf 2017 – auch, weil im Cloud-Ge­schäft nun Markt­an­teil vor Mar­ge ge­hen soll. Das Wachs­tums­tem­po hat sich zu­dem ins­ge­samt ver­rin­gert. Der Soft­ware­er­lös ging wech­sel­kurs­be­dingt 3% auf 4,52 Mrd. € zu­rück, be­rei­nigt hät­te er 2% zu­ge­legt. Die wich­ti­ge Da­ten­bank­lö­sung Ha­na ver­fehl­te wech­sel­kurs­be­dingt mit 633 Mio. € Um­satz ih­ren Ziel­kor­ri­dor von 650 bis 700 Mio. €. Dem­ge­gen­über wuchs der Cloud-Um­satz 121% auf 758 Mio. € und traf die Er­war­tun­gen des Ma­nage­ments. 2014 soll er 950 Mio. bis 1 Mrd. € und bis 2017 et­wa 3 bis 3,5 Mrd. € er­rei­chen. Der Kon­zern­um­satz soll bis 2017 auf 22 Mrd. € stei­gen. Im der­zei­ti­gen Um­feld fällt es schwer, sich vor­zu­stel­len, wie SAP dies oh­ne wei­te­re Zu­käu­fe schaf­fen soll.

Wohl auch des­we­gen ga­ben die Ak­ti­en am Di­ens­tag früh zeit­wei­se über 3% nach, er­hol­ten sich aber et­was. Der Aus­blick für 2014 ist vor­sich­tig: Der Soft­ware- und soft­ware­be­zo­ge­ne Ser­vice­er­lös soll 6 bis 8% stei­gen und das Be­triebs­er­geb­nis (Non-IFRS) nach 5,6 Mrd. € nun 5,8 bis 6 Mrd. € er­rei­chen. SAP rech­net da­bei mit 50 bis 150 Mio. € Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten. Das Zah­len­werk zeigt, dass das Kos­ten­ma­nage­ment greift und SAP in der Sum­me in der Spur bleibt. Die mo­de­rat be­wer­te­ten Ti­tel blei­ben dar­um für ri­si­ko­scheue, ge­dul­di­ge In­ves­to­ren kau­fens­wert. Vor­erst dürf­ten aber die güns­ti­ge­ren Va­lo­ren des US-Wett­be­wer­bers Ora­cle wei­ter bes­ser ab­schnei­den. Sie zie­hen ih­re Rei­ze aus Ak­ti­en­rück­käu­fen und ei­ner mög­li­chen Be­wer­tungs­ex­pan­si­on dank er­freu­li­cher Über­ra­schun­gen.

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