Vor dem Da­xRit­ter­schlag

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - DM

Tho­mas Ebe­ling (54) weist ein brei­tes Spek­trum auf. Er hat nicht nur im Phar­ma­markt Zei­chen ge­setzt, er hat auch Ge­spür für den TV-Markt und ist über­zeug­ter Ver­fech­ter der Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie. Den Tur­naround der einst ser­beln­den Sen­der­ket­te ProSie­benSat.1 schaff­te er ab 2009 mit ei­nem har­ten Sa­nie­rungs­kurs und fri­schen Ide­en in we­ni­gen Jah­ren. Das liegt we­ni­ger an For­ma­ten wie Strom­berg, die auf ProSie­ben mäs­si­ge Quo­ten brach­ten. Das TV-Kern­ge­schäft ist und bleibt schwie­rig. Teil des Er­folgs­re­zepts ist viel­mehr die Aus­rich­tung auf Di­gi­tal­an­ge­bo­te. So be­kommt der On­li­ne-Mo­de­händ­ler Za­lan­do seit 2009 auf den Ka­nä­len von Prosie­ben, Sat.1 und Ka­bel eins Wer­be­zeit, zu­rück an den Me­di­en­kon­zern fliesst da­für ei­ne Um­satz­be­tei­li­gung. Der ge­bür­ti­ge Han­no­ve­ra­ner hat bis­her auf die rich­ti­gen Pfer­de ge­setzt: Die Spar­te neue Me­di­en ist ein Haupt­grund, dass es mit dem Ak­ti­en­kurs von ProSie­benSat.1 so phä­no­me­nal nach oben ging und der in Un­ter­föh­ring bei Mün­chen an­säs­si­ge Kon­zern ei­nen Re­kor­der­lös er­reicht hat. Nur der Rit­ter­schlag, Chef ei­nes Da­xKon­zerns zu sein, steht für «TE» noch aus. Aber die Chan­cen sind seit Frei­tag deut­lich ge­stie­gen. ProSie­benSat.1 könn­te in den deut­schen Leit­in­dex auf­rü­cken, denn die Fi­nanz­in­ves­to­ren KKR und Per­mi­ra ha­ben ver­gan­ge­ne Wo­che ih­re ver­blie­be­ne Be­tei­li­gung von 17% für 1,3 Mrd. € ab­ge­stos­sen. Da­durch steigt der Streu­be­sitz wei­ter, und die Va­lo­ren könn­ten die des Ka­li- und Salz­her­stel­ler K+S im Sep­tem­ber aus dem Dax ver­drän­gen. Erst im März wur­de Ebe­lings Ver­trag als CEO bis 2017 ver­län­gert. Da­mit hat er Zeit, sich in­ten­si­ver um das Sor­gen­kind Sat.1 zu küm­mern. Und er dürf­te das Me­dia-forRe­ve­nues-Pro­gramm à la Za­lan­do und den Aus­bau des in­ter­na­tio­na­len Pro­duk­ti­ons­ge­schäfts wei­ter vor­an­trei­ben. Der stu­dier­te Psy­cho­lo­ge ist auch in der Schweiz bes­tens ver­netzt. So sitzt der frü­he­re Chef der No­var­tis-Phar­ma­spar­te seit An­fang April 2013 im Ver­wal­tungs­rat des Phar­ma­zu­lie­fe­rers Lon­za. Über den Zi­ga­ret­ten­her­stel­ler Reemts­ma (heu­te Im­pe­ri­al To­bac­co) kam der Me­di­en­mann des Jah­res 2011 zu Pep­si-Co­la und dann zu No­var­tis, wo er an­fangs die Nu­tri­ti­ons-Di­vi­si­on führ­te und von 2000 bis 2007 das glo­ba­le Phar­ma­ge­schäft lei­te­te. Seit April 2012 ist Ebe­ling auch im Auf­sichts­rat des Le­ver­ku­se­ner Phar­ma- und Che­mie­kon­zerns Bay­er. Der Va­ter und Fuss­ball- und Bas­ket­ball-Fan be­zeich­net sich selbst als re­li­gi­ös und zählt Al­bert Schweit­zer und Bill Ga­tes zu sei­nen Vor­bil­dern.

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