Eu­ro­pas Ban­ken ha­ben noch Re­ser­ven

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS COR­TÉS

Dem in­zwi­schen 88-jäh­ri­gen frü­he­ren Fed-Chef Alan Gre­en­span ist ho­he geis­ti­ge Fle­xi­bi­li­tät und Lern­fä­hig­keit zu at­tes­tie­ren. Der Öko­no­me­tri­ker neo­klas­si­scher Prä­gung be­kennt sich in sei­nem jüngs­ten Buch «The Map and the Ter­ri­to­ry: Risk, Hu­man Na­tu­re and the Fu­ture of Fo­re­cas­ting» zur Be­ha­vioral Fi­nan­ce. Ge­lernt ha­be er v. a. aus der Kri­se 2008, die er für be­droh­li­cher hält als die grosse De­pres­si­on 1930 und der Fol­ge­jah­re.

Fi­nanz­prei­se wür­den in­fol­ge von Her­den­trieb, Eu­pho­rie und Pa­nik im­mer wie­der mas­si­ve Ab­wei­chun­gen von ver­nünf­ti­gen Be­wer­tun­gen er­rei­chen. Die Ri­si­ko­mo­del­le miss­ach­te­ten dies und hät­ten des­we­gen ver­sagt. In we­ni­gen Zei­len (S. 53) greift er die Theo­rie von Hy­man Mins­ky auf, wo­nach ei­ne lan­ge Pha­se der Sta­bi­li­tät ein ho­hes Ri­si­ko be­inhal­te, dass In­sta­bi­li­tät ein­tre­te. Sta­bi­li­tät wird mit selbst­kor­ri­gie­ren­den Pro­zes­sen in Rich­tung ei­nes Gleich­ge­wichts gleich­ge­setzt. Aber er geht we­der im Text noch in der Bi­b­lio­gra­fie auf Mink­sy ein. Auch tech­ni­sche Ana­ly­se wird the­ma­ti­siert. Er wen­de sie für kurz­fris­ti­ge Ent­schei­de an. Lang­fris­tig spricht er sich für «Kau­fen und Hal­ten» aus, was wohl auch als Vo­tum für In­dex­an­la­gen auf­ge­fasst wer­den kann. Lei­der sagt er nicht, was er als kurz- und lang­fris­tig ver­steht.

Vor­sicht mit Fris­ten

Mei­ner Mei­nung nach tau­gen frist­ge­bun­de­ne Kon­zep­te an der Börse nicht viel. Wer et­wa im März 2000 im Eu­ro Sto­xx 50 in­ves­tier­te, blickt heu­te auf ei­nen Ver­lust von 43%. Der Ja­pa­ner, der im De­zem­ber 1989 zur Al­ters­vor­sor­ge den Nik­kei kauf­te, hat ei­nen Ab­schrei­ber von 60% zu ver­kraf­ten, die Ame­ri­ka­ne­rin, die im März 2000 den S&P 500 er­warb, ver­dien­te in 14 Jah­ren nur 22%.

Nie­mand weiss, wann Rück­la­gen in ei­ner Not­la­ge be­nö­tigt wer­den, und nie­mand kann in den bes­ten Er­werbs­jah­ren Ak­ti­en oder Ak­ti­en­in­di­zes kau­fen und si­cher sein, dass die­se An­la­gen im Al­ter kauf­kraft­be­rei­nigt zu den er­war­te­ten Prei­sen li­qui­de ge­macht wer­den kön­nen. Kau­fen, an­ge­mes­se­ne Vo­la­ti­li­täts­to­le­ran­zen ein­bau­en und hal­ten, so­lan­ge es geht, ist mein Re­zept. Ich muss mich dem Markt an­pas­sen, nicht um­ge­kehrt.

In­dex­an­la­gen oder Ak­ti­en?

Da­zu et­was Grund­sätz­li­ches. Nie­mals wür­de ich ein gan­zes Ak­ti­en­de­pot in ETF an­le­gen, weil ich da­durch zwi­schen Ak­ti­en und mir ei­ne zwei­te In­stanz ein­baue, de­ren Hand­lun­gen sich mei­ner Kon­trol­le ent­zie­hen. Wert­schrif­ten­lei­he durch die Fonds­lei­tung kann, um nur ein Bei­spiel zu nen­nen, ein Pro­blem in ei­ner Kri­se sein. Das schliesst je­doch ei­ne ge­wis­se ETF-Quo­te, die den ab­ge­bil­de­ten In­dex re­al und nicht syn­the­tisch re­pli­ziert, nicht aus. Im Ge­gen­teil: Ich wäh­le sie dann, wenn ich ei­nen Sek­tor über­ge­wich­ten will und vor der Qual der Wahl ste­he, mit wel­chen Ak­ti­en ich die­ses Ziel er­rei­chen kann.

Das gilt der­zeit bei Bank­ak­ti­en aus dem Eu­ro­raum. Der Sek­tor ist ei­ner von je­nen, die im Auf­wärts­trend sind, in Be­zug auf Dau­er und Aus­mass je­doch un­ter­schätzt wer­den wird. Nach ei­nem Rück­schlag von 15% im Mai und Ju­ni 2013 (in die­ser Ko­lum­ne am 27. März ge­warnt) setz­te er zu ei­nem Hö­hen­flug an, des­sen En­de nicht ab­seh­bar ist.

Zu den tech­ni­schen Fa­vo­ri­ten im Sek­tor ge­hö­ren ei­ni­ge por­tu­gie­si­sche, spa­ni­sche, ita­lie­ni­sche und fran­zö­si­sche Bank­ti­tel, im MSCI Welt wie im Sto­xx 600 teils nied­rig ge­wich­tet. Sie ins Port­fo­lio zu neh­men, oh­ne die­se spe­zi­fi­schen Ti­tel über­zu­ge­wich­ten, ge­lingt mit ei­nem ETF auf den Eu­ro Sto­xx Ban­ken am bes­ten. Zu ei­ner Über­ge­wich­tung des Sek­tors kann der Er­werb ei­ni­ger Ak­ti­en füh­ren. Zu mei­nen Fa­vo­ri­ten ge­hö­ren Com­merz­bank, Cré­dit Ag­ri­co­le, In­te­sa San Pao­lo und Me­dio­ban­ca. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit je­ner der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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