Die USA brau­chen Heiz­öl

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - MICHA­EL PEY­ER

ZNeu­er Win­ter­sturm an US-Ost­küs­te er­war­tet – Lie­fe­rung aus Eu­ro­pa

um Wo­chen­auf­takt agier­ten die in­ter­na­tio­na­len Roh­stoff­märk­te zu­nächst lust­los. Der US-Fei­er­tag nahm den ver­blie­be­nen Markt­teil­neh­mern die Lust, Po­si­ti­on zu er­grei­fen. Das schwä­che­re Wirt­schafts­wachs­tums Chi­nas be­ein­druck­te am Mon­tag die Öl­no­tie­run­gen nur am Ran­de. Die Lo­cke­rung der Sank­tio­nen im Atom­streit mit dem Iran konn­te die Prei­se nicht nach un­ten be­we­gen. Ein Fass eu­ro­päi­sches Brent-Öl (ICE) no­tier­te bis Di­ens­tag­mit­tag ge­gen 107.92 $ (Fass=159 Li­ter). Vie­le Händ­ler wur­den ob der «be­a­ris­hen» News von stei­gen­den Notierungen über­rascht. Es scheint, dass ei­ni­ge die Ab­wärts­kor­rek­tu­ren zum Jah­res­wech­sel von über 7% be­reits ver­ges­sen hat­ten. Die Aus­sicht auf Ent­span­nung im Atom­streit mit dem Iran und Wie­der­auf­nah­me der li­by­schen Öl­ex­por­te so­wie das Re­ba­lan­cing der In­dex­fonds hat­ten die Öl­prei­se be­reits zu­vor ge­han­delt. Nach den Ab­wärts­kor­rek­tu­ren gal­ten die Öl­märk­te aber be­reits seit Ta­gen tech­nisch be­trach­tet als über­ver­kauft.

Noch Mit­te ver­gan­ge­ner Wo­che no­tier­te Brent auf ei­nem Zwei­mo­nat­s­tief. Der Preis für eu­ro­päi­sches Heiz­öl (Ga­soil-ICE) konn­te sich zu­letzt über der psy­cho­lo­gisch wich­ti­gen 900-$-Mar­ke hal­ten. Je- des Mal, wenn die Mar­ke end­lich zu fal­len droh­te, wie An­fang ver­gan­ge­ner Wo­che mit 898.25 $ je Ton­ne, klet­ter­te der Kon­trakt zum Han­dels­schluss wie­der dar­über. Am Di­ens­tag­mit­tag wech­sel­te die Ton­ne Heiz­öl zu 924 $ den Be­sit­zer. Der mil­de Win­ter in wei­ten Tei­len Eu­ro­pas drückt sich hier in ge­rin­ge­rer Nach­fra­ge nach Öl­pro­duk­ten aus. Ganz an­ders sieht die La­ge in den USA aus. Nach der Re­kord­käl­te­wel­le zum Jah­res­be­ginn ist nun der zwei­te Win­ter­sturm an der US-Ost­küs­te im Anmarsch. Die dort re­du­zier­ten Heiz­öl- und Die­sel­be­stän­de feh­len nun und las­sen die Ar­bi­tra­ge mit Eu­ro­pa auf­le­ben. Auf­grund der sel­te­nen Preis­kon­stel­la­ti­on wur­de im Ja­nu­ar be­reits über ein Dut­zend Tan­ker mit eu­ro­päi­schen Öl­pro­duk­ten Rich­tung USA ge­bucht. Soll­te ein spä­ter, aber hef­ti­ger Win­ter in Eu­ro­pa noch ein­tref­fen, könn­ten die nun ab­ge­zo­ge­nen Be­stän­de in Eu­ro­pa feh­len. Die Lo­cke­rung der Sank­tio­nen ge­gen­über dem Iran am Mon­tag dürf­te kurz­fris­tig zwar kei­ne Öl­schwem­me zur Fol­ge ha­ben, aber sie lässt ei­nen krie­ge­ri­schen Kon­flikt oder ei­nen Blo­cka­de des Su­ez­ka­nals wei­ter in die Fer­ne rü­cken.

In Er­war­tung ei­ner zu­neh­men­den Ent­span­nung hat­ten sich die Spe­ku­lan­ten auch ver­gan­ge­ne Wo- che wei­ter aus den Öl­märk­ten zu­rück­ge­zo­gen. Die spe­ku­la­ti­ven Net­to-Long-Po­si­tio­nen in Brent san­ken in der Be­richts­wo­che bis zum 14. Ja­nu­ar um 11%, bei Ga­soil so­gar um 21% auf das Ni­veau von letz­ten No­vem­ber. Fun­da­men­tal gel­ten die Märk­te als wei­ter­hin mit ge­nü­gend Öl ver­sorgt.

Soll­te sich der Kon­flikt in Li­by­en zwi­schen der Re­gie­rung und den auf­stän­di­schen Re­gio­nen end­lich le­gen und beim Atom­streit mit dem Iran ei­ne nach­hal­ti­ge Lö­sung ge­fun­den wer­den, wä­re die Opec bald ge­zwun­gen, ih­re seit über zwei Jah­ren un­ver­än­dert be­las­se­ne För­der­quo­te an­zu­pas­sen. Laut ei­nem am Di­ens­tag ver­öf­fent­lich­ten Be­richt der In­ter­na­tio­na­len Ener­gie­agen­tur (IEA) dürf­te die Öl­nach­fra­ge der In­dus­trie­län­der durch die kon­junk­tu­rel­le Er­ho­lung im ver­gan­ge­nen Jahr erst­mals seit 2010 leicht ge­stie­gen sein. Ge­mäss der Schät­zung der IEA nahm die Nach­fra­ge 2013 um 853 000 Fass pro Tag oder 0,2% zu. Im Jahr zu­vor war sie noch um 520 000 Fass pro Tag ge­sun­ken. Die glo­ba­le Nach­fra­ge für das lau­fen­de Jahr er­höht sich laut der Schät­zung um 1,4% oder 1,3 Mio. Fass auf 92,5 Mio. Fass pro Tag.

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