Ewi­ge Schuld

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Wenn an ei­nem Sys­tem stän­dig An­pas­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den müs­sen, um es be­last­bar zu ma­chen, dann liegt ei­ne Fehl­kon­struk­ti­on vor. Der fun­da­men­ta­le Feh­ler am Schwei­zer Wohn­hy­po­the­ken­mo­dell ist, dass ei­ne ewi­ge Schuld auf­ge­baut wird. Die stän­di­ge Auf­rech­nung von auf Bo­den und Ge­bäu­den ver­ge­be­nen Hy­po­the­ken führt zu ei­nem im­mer hö­he­ren Schul­den­berg. Den zu be­wirt­schaf­ten, ist für die Ban­ken ein er­folg­rei­ches Ge­schäfts­mo­dell. Zu ei­nem Ri­si­ko wird er, wenn es als Fol­ge stei­gen­der Zin­sen zur Zah­lungs­un­fä­hig­keit von Hy­po­the­ken­neh­mern kommt. Zwangs­ver­wer­tun­gen, Preis­ein­bruch, Im­mo­bi­li­en­crash, Ban­ken­kol­laps: Das Dreh­buch wur­de in den Neun­zi­ger­jah­ren durch­ge­spielt.

Die Wi­der­stands­kraft der Ban­ken stär­ken soll die von der SNB be­an­trag­te und vom Bun­des­rat be­stä­tig­te Er­hö­hung des an­ti­zy­kli­schen Ka­pi­tal­puf­fers von 1 auf 2% (vgl. Kommentar un­ten und Sei­ten 10, 20). Sie ist aber un­ge­eig­net, um den Im­mo­bi­li­en­markt zu dis­zi­pli­nie­ren. Die von güns­ti­gen Zin­sen ge­nähr­te Nach­fra­ge wird die Prei­se wei­ter nach oben trei­ben. Was es braucht, um Im­mo­bi­li­en- und Hy­po­thekar­markt ins Gleich­ge­wicht zu brin­gen, ist ein Sys­tem­wech­sel. Nur die Selbst­re­gu­lie­rungs­richt­li­ni­en der Ban­ken für die Kre­dit­ver­ga­be zu ver­schär­fen, wie von Auf­sichts­be­hör­den und Bran­che de­bat­tiert, bleibt Flick­werk. Der Schwei­zer Wohn­im­mo­bi­li­en­markt muss ent­schul­det wer­den. Es braucht – ver­gleich­bar mit aus­län­di­schen Hy­po­thekar­mo­del­len – ei­ne Amor­ti­sa­ti­on über die Lauf­zeit, auch auf Erst­hy­po­the­ken. Es wä­re das pro­ba­te Mit­tel, die Sta­bi­li­tät der Ban­ken zu stär­ken. Zum Sys­tem­wech­sel ge­hör­te auch, Wohn­ei­gen­tum steu­er­neu­tral zu be­han­deln. Die staat­lich ge­för­der­te ho­he Ver­schul­dung wirkt näm­lich preis­trei­bend. Mit der Ab­schaf­fung des Ei­gen­miet­werts und der Strei­chung des Schuld­zins­ab­zugs wür­de ei­ne wirk­sa­me Mass­nah­me er­grif­fen, preis­dämp­fend auf den Im­mo­bi­li­en­markt ein­zu­wir­ken.

stv. Chef­re­dak­tor zum The­ma Hy­po­the­ken und Amor­ti­sa­ti­on

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