Mil­li­ar­den mehr Ei­gen­ka­pi­tal

Finanz und Wirtschaft - - VORSORGE - THO­MAS HEN­GART­NER

Schwei­zer Kon­zer­ne mit IFRS-Bi­lanz wer­den im Ab­schluss 2013 ge­rin­ge­re Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen und folg­lich ein hö­he­res Ei­gen­ka­pi­tal aus­wei­sen. Ge­stie­ge­ne Dis­kon­tie­rungs­sät­ze und gu­te An­la­ge­er­geb­nis­se wir­ken sich dop­pelt güns­tig aus.

Die Zins- und Bör­sen­be­we­gun­gen des zu­rück­lie­gen­den Jah­res ha­ben die Ver­pflich­tun­gen aus schwei­ze­ri­schen Pen­si­ons­plä­nen in den Bi­lan­zen gros­ser Un­ter­neh­men mas­siv ver­rin­gert. «Der Ei­gen­ka­pi­tal­aus­weis der meis­ten Schwei­zer Kon­zer­ne mit IFRS-Rech­nungs­le­gung dürf­te sich En­de 2013 des­halb sub­stan­zi­ell ver­bes­sert ha­ben», sagt Ste­fan Haag von PwC. Da­für ist ge­mäss dem Vor­sor­ge­bi­lan­zie­rungs­spe­zia­lis­ten der An­stieg der Dis­kon­tie­rungs­sät­ze, auf de­nen die Bi­lan­zie­rung der Ren­ten­ver­pflich­tun­gen be­ruht, eben­so be­deut­sam wie der von der Per­for­mance des Ak­ti­en­mark­tes ge­tra­ge­ne gros­se An­la­ge­er­trag der Pen­si­ons­plä­ne: «Für ei­nen Kon­zern mit Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen von 20 Mrd. Fr. kann durch­aus ei­ne Ver­bes­se­rung des Ei­gen­ka­pi­tals um 1,5 bis 2 Mrd. Fr. re­sul­tiert ha­ben.»

Der Ef­fekt hat be­son­ders gros­se Be­deu­tung für Kon­zer­ne, de­ren Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te mit Ar­gus­au­gen be­ob­ach­tet wird, bspw. für Ban­ken oder Un­ter­neh­men, die für das Wei­ter­be­ste­hen von Kre­dit­ver­trä­gen be­stimm­te Ei­gen­ka­pi­tal­quo­ten zu er­fül­len ha­ben. «Die 2013 aus der Ku­mu­lie­rung güns­ti­ger Ef­fek­te ent­stan­de­ne Ver­bes­se­rung der Vor­sor­ge­bi­lan­zie­rung ist al­ler­dings stich­tag­be­zo­gen», warnt Haag, «und aus der jähr­li­chen Neu­be­rech­nung kann sich je nach wei­te­rer Ent­wick­lung der Zins- und der An­la­ge­märk­te je­der­zeit ei­ne ge­gen­tei­li­ge An­pas­sung er­ge­ben.»

28-Mrd.-Fr.-Man­ko schrumpft

Das Pen­si­ons­the­ma ist seit 2012 vi­ru­lent, weil ver­schärf­te Be­stim­mun­gen des Rech­nungs­le­gungs­stan­dards IFRS ver­lan­gen, dass Kon­zer­ne das De­ckungs­ver­hält­nis al­ler in- und aus­län­di­schen Vor­sor­ge­ver­pflich­tun­gen jähr­lich an­hand ak­tu­el­ler Markt­sät­ze neu be­rech­nen. Mit der Än­de­rung der IAS-Re­gel 19 vor Jah­res­frist muss­ten vie­le Un­ter­neh­men we­gen rech­ne­risch un­ter­deck­ter Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen ei­ne Ei­gen­ka­pi­tal­schmä­le­rung aus­wei­sen, de­ren Aus­mass In­ves­to­ren wie Ana­lys­ten glei­cher­mas­sen über­rascht hat.

Ein­be­zo­gen in die Be­rech­nun­gen sind die au­to­no­men Pen­si­ons­kas­sen schwei­ze­ri­scher Prä­gung wie auch die von den Un­ter­neh­men selbst ge­währ­ten Ren­ten­plä­ne für die an aus­län­di­schen Stand­or­ten Be­schäf­tig­ten. En­de 2012 ver­buch­ten al­lein die zwan­zig im SMI Swiss Mar­ket In­dex ver­tre­te­nen Kon­zer­ne ein De­ckungs­man­ko von ku­mu­liert 28 Mrd. Fr. Den inund aus­län­di­schen Vor­sor­ge­ver­pflich­tun­gen von 177 Mrd. Fr. stan­den da­mals zu­ge­ord­ne­te Ver­mö­gen von 149 Mrd. Fr. ge­gen­über, wie das Be­ra­tungs­un­ter­neh­men To­wers Wat­son er­rech­net hat.

Von die­sen Sum­men ent­fällt ein nicht un­we­sent­li­cher, aber nicht se­pa­rat aus­ge­wie­se­ner Teil auf in­län­di­sche Vor­sor­ge­ein­hei­ten. Die Kon­zer­ne ha­ben ge­mäss den IFRS-Re­geln selbst die wirt­schaft­lich au­to­no­men Pen­si­ons­kas­sen bi­lan­zi­ell zu er­fas­sen, weil die BVGBe­stim­mun­gen un­ter an­de­rem ein Mit­fi­nan­zie­ren all­fäl­li­ger Sa­nie­rungs­mass­nah­men vor­schrei­ben. Ihr An­teil wird nicht se­pa­rat aus­ge­wie­sen, da ge­mäss Pe­ter Za­nella von To­wers Wat­son die Kon­zer­ne die Zah­len üb­li­cher­wei­se le­dig­lich kon­so­li­diert über al­le Län­der aus­zu­wei­sen ha­ben.

Im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich der Ver­pflich­tungs­bi­lan­zie­rung schnei­den die Schwei­zer Kon­zer­ne gut ab. Ih­re grup­pen­weit zu­sam­men­ge­fass­ten Ren­ten­ver­bind­lich­kei­ten wa­ren 2012 im Schnitt zu 83% ver­mö­gens­ge­deckt, wäh­rend ame­ri­ka­ni­sche und deut­sche Kon­zer­ne le­dig­lich Durch­schnitts­wer­te von 75 bzw. 61% vor­wie- sen. Ein we­sent­li­cher Grund ist der gu­te Aus­bau der schwei­ze­ri­schen Vor­sor­ge­plä­ne.

Der auf der IFRS-Be­trach­tungs­wei­se be­ru­hen­de Swiss Pen­si­on In­dex von To­wers Wat­son, dem ein schwei­ze­ri­scher Bench­mark-Pen­si­ons­plan zu­grun­de liegt, hat sich 2013 von gut 90% auf ei­nen hy­po­the­ti­schen De­ckungs­grad von 102,9% ver­bes­sert. Die­se po­si­ti­ve Ent­wick­lung in Rich­tung der Über­de­ckung ist aus­ser der gu­ten Anlageperformance «mass­geb­lich der Er­hö­hung der zur Ren­ten­dis­kon­tie­rung ver­wen­de­ten Markt­zin­sen» zu ver­dan­ken, be­stä­tigt Za­nella. Der Satz ist im Jah­res­ver­lauf von rund 1,6 auf 2,1% ge­stie­gen. Die Er­mitt­lung künf­ti­ger Ver­pflich­tun­gen zu ei­nem hö­he­ren Dis­kon­tie­rungs­satz hat den Ef­fekt, dass sich ihr Bar- bzw. Bi­lanz­wert ver­klei­nert.

Wie weit die für schwei­ze­ri­sche Vor­sor­ge­ver­pflich­tun­gen be­ob­ach­te­te Ent­wick­lung das von dem SMIUn­ter­neh­men noch 2012 kon­zern­weit mit 28 Mrd. Fr. bi­lan­zier­te Pen­si­ons­man­ko ver­rin­gert hat, lässt sich ge­mäss Za­nella noch nicht fest­ma­chen. Für die Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen, die Schwei­zer Kon­zer­ne für aus­län­di­sche Be­triebs­stät­ten bi­lan­zie­ren, sei­en u. a. de­ren Fi­nan­zie­rung so­wie die Ver­mö­gens­auf­tei­lung bzw. die Anlageperformance und die Ent­wick­lung des Dis­kon­tie­rungs­sat­zes der ent­spre­chen­den Lan­des­wäh­rung zu be­rück­sich­ti­gen.

Za­nella rät den Un­ter­neh­men den­noch, die ver­bes­ser­te Si­tua­ti­on der Vor­sor­ge­bi­lan­zie­rung für die Über- prü­fung der An­la­ge­stra­te­gie zu nut­zen: «Zu er­wä­gen ist die Um­schich­tung von er­trags­ori­en­tier­ten, aber schwan­kungs­an­fäl­li­gen An­la­gen wie Ak­ti­en zu An­lei­hen, die aus bi­lan­zi­el­ler Sicht die Ren­ten­ver­pflich­tun­gen bes­ser ab­de­cken.» Dies gel­te ins­be­son­de­re für die Vor­sor­ge­plä­ne an aus­län­di­schen Kon­zern­stand­or­ten, die in der Re­gel vom Un­ter­neh­men al­lein ver­ant­wor­tet und be­stimmt wer­den – im Ge­gen­satz zur schwei­ze­ri­schen Lö­sung pa­ri­tä­tisch ge­führ­ter Pen­si­ons­kas­sen.

Zeit­punkt für Stra­te­gie­an­pas­sung

«Ei­ne schwan­kungs­är­me­re, nä­her auf die Ver­pflich­tungs­fris­ten aus­ge­rich­te­te An­la­ge­stra­te­gie mi­ni­miert die Vo­la­ti­li­tät, die von der Vor­sor­ge­bi­lan­zie­rung in künf­ti­gen Jah­ren auf die Kon­zern­rech­nung aus­geht», er­gänzt Za­nella. Wei­te­re Mög­lich­kei­ten zur Ri­si­ko­op­ti­mie­rung sei­en Lang­le­big­keits-Swaps – Kon­trak­te zur Ab­si­che­rung der De­mo­gra­fie­ent­wick­lung bzw. der län­ge­ren Ren­ten­be­zugs­dau­er – oder die Aus­glie­de­rung aus­län­di­scher Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen an ein Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men.

An­zu­mer­ken ist, dass Op­ti­mie­rung in die­sem Kon­text die Ein­däm­mung des schwan­ken­den Ein­flus­ses auf die Kon­zern­bi­lan­zie­rung be­deu­tet. Schwie­ri­ger zu er­mit­teln ist, wel­che Aus­wir­kun­gen auf den An­la­ge­er­trag bzw. auf die Er­war­tun­gen an die künf­ti­ge Per­for­mance da­mit ver­bun­den sind.

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