Ab­wärts­trend in Thai­land

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AT

Die Wirt­schaft Thai­lands lei­det un­ter den an­hal­ten­den Pro­tes­ten ge­gen die Re­gie­rung. Doch über­ra­schend hat die Bank of Thai­land am Mitt­woch den Leit­zins bei 2,25% be­las­sen. Die meis­ten Öko­no­men hat­ten ei­ne Zins­sen­kung zur Stüt­zung des Wachs­tums er­war­tet. Ne­ben den an­hal­ten­den De­mons­tra­tio­nen in Bang­kok lei­det die Wirt­schaft seit Au­gust un­ter ei­nem Ka­pi­tal­ab­fluss, der durch die Ta­pe­ring-Ängs­te aus­ge­löst wur­de. Seit­dem ver­lie­ren Baht und Ak­ti­en an Wert (vgl. Grafik un­ten).

Die Zen­tral­bank zeig­te sich über das wei­ter sin­ken­de Kon­su­men­ten­ver­trau­en be­sorgt. Po­si­tiv sei­en da­ge­gen die An­zei­chen, dass sich die glo­ba­le Wirt­schaft er­ho­le. Die po­li­ti­sche Si­tua­ti­on ver­schärft sich lau­fend. Die Wah­len sind zwar für den 2. Fe­bru­ar an­ge­setzt, doch die Wahl­kom­mis­si­on will im jet­zi­gen, an­ge­heiz­ten po­li­ti­schen Kli­ma kei­ne Ab­stim­mung ab­hal­ten. Die Op­po­si­ti­on wird oh­ne vor­aus­ge­hen­de Ver­hand­lun­gen je­de Wahl boy­kot­tie­ren. Dies er­höht das Kre­dit­ri­si­ko: Die Prä­mie für Kre­dit­aus­fall­ver­si­che­run­gen (CDS) von Staats­an­lei­hen stei­gen seit Ok­to­ber ste­tig.

Der Trend für Thai­lands Wirt­schafts­wachs­tum zeigt ber­gab. Die Ana­lys­ten von No­mu­ra er­war­ten für 2014 nur noch ein Wachs­tum von 3 statt 3,8%. Ge­gen die Wir­kung der De­mons­tra­tio­nen kann die Fis­kal­po­li­tik kei­nen Aus­gleich schaf­fen. Die Re­gie­rung ist bis zur nächs­ten Wahl nur kom­mis­sa­risch im Amt; ih­re In­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen kann sie da­her nicht wie ge­wünscht vor­an­brin­gen.

Was lang­fris­tig schwe­rer wiegt: Die Wirt­schaft wächst seit En­de 2008 un­ter dem Trend. Laut No­mu­ra hat sich der Ab­stand zum Po­ten­zi­al­wachs­tum über die Zeit gar wei­ter ver­schärft. Ne­ben Schocks wie dem Erd­be­ben in Ja­pan und den Über­flu­tun­gen 2011 sei­en da­für Pro­ble­me auf der An­ge­bots­sei­te ver­ant­wort­lich. Mit dem wahr­schein­li­chen Auf­schub der In­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen wird das Pro­blem der Lo­gis­ti­k­eng­päs­se wohl län­ger be­ste­hen blei­ben. Auch der Ar­beits­markt stel­le sich ge­gen ei­ne wirt­schaft­li­che Er­ho­lung: Die Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät sin­ke auf­grund man­geln­der In­ves­ti­tio­nen in der In­dus­trie. Da­zu kom­me ein Rück­gang der Er­werbs­be­völ­ke­rung, der nicht mehr lan­ge durch Im­mi­gra­ti­on aus Nach­bar­län­dern aus­ge­gli­chen wer­den kön­ne.

Trotz die­ses Ri­si­kos zei­gen sich ei­ni­ge Ak­ti­en­ana­lys­ten op­ti­mis­tisch. Die Be­wer­tun­gen sind sehr güns­tig, meint J. P. Mor­gan. Ex­port­wer­te sei­en zu emp­feh­len. Bei ei­ner po­si­ti­ven Über­ra­schung könn­ten sich so schnell Kurs­ge­win­ne er­zie­len las­sen. No­mu­ra ver­weist auf die Mög­lich­keit, dass die mäch­ti­ge Ar­mee ei­nen Kom­pro­miss ver­mit­telt. Selbst oh­ne solch ei­ne Lö­sung: Die Wirt­schafts­ent­wick­lung wür­de durch die po­li­ti­schen Kon­flik­te nur ver­lang­samt, aber nicht ab­ge­würgt. Die In­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen wur­den et­wa nur auf­ge­scho­ben. Kurz­fris­tig könn­te sich auch der Baht er­ho­len, da die ne­ga­ti­ve Stim­mung die Wäh­rung schon tief ge­drückt hat.

Auch wenn die Ak­ti­en­märk­te und die Wäh­rung schon ei­ni­ge ne­ga­ti­ve Ent­wick­lun­gen vor­weg­neh­men, blei­ben Ri­si­ken. Beim Aus­bruch ei­nes ge­walt­tä­ti­gen Kon­flikts wür­de die Wirt­schaft in ei­ne un­kon­trol­lier­ba­re Ab­wärts­spi­ra­le ge­ra­ten. Wer sich als An­le­ger die­ser Ge­fahr nicht aus­set­zen will, muss sei­ne Po­si­tio­nen ver­kau­fen. Ri­si­ko­to­le­ran­te­re In­ves­to­ren kön­nen aber bei ei­ner po­li­ti­schen Lö­sung von den güns­ti­gen Be­wer­tun­gen pro­fi­tie­ren.

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