Wie ge­won­nen…

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALEX­AN­DER KRÄ­MER

Ei­ne ru­hi­ge Wo­che – die hat­ten Ak­ti­en­an­le­ger zu­min­dest bis Don­ners­tag. Doch die Ru­he stell­te sich als trü­ge­risch her­aus. Am Don­ners­tag ga­ben S&P 500, Dax, und Co nach. Aus­lö­ser war wohl die stei­gen­de Angst vor ei­ner Zah­lungs­bi­lanz­kri­se in den Schwel­len­län­dern. So hat die tür­ki­sche Li­ra mehr als 4% ge­gen­über dem Dol­lar ver­lo­ren.

Selbst In­ter­ven­tio­nen der tür­ki­schen Zen­tral­bank konn­ten den Fall nicht stop­pen. Schwä­che­re Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes aus Chi­na und den USA ta­ten für die Ka­pi­tal­märk­te ihr Üb­ri­ges; ei­ne Ver­bes­se­rung in der Eu­ro­zo­ne sorg­te nur kurz­fris­tig für Ent­span­nung. Auch die po­si­ti­ve Ent­wick­lung der Be­richts­sai­son für das vier­te Quar­tal in den USA konn­te den Kurs­ver­lust nicht auf­hal­ten – hier hat­ten 63% der 102 Un­ter­neh­men im S&P 500 die Ge­winn­erwar­tun­gen der Ana­lys­ten über­trof­fen.

…so zer­ron­nen – Ak­ti­en und In­dus­trie­r­oh­stof­fe un­ter Druck

Ri­si­ko­aver­si­on

So­mit no­tier­te der S&P 500 zur Han­dels­er­öff­nung am Frei­tag bei 1812 und da­mit im Ver­gleich zur Vor­wo­che 1,4% nied­ri­ger. Der Dax fiel zum Wo­chen­schluss un­ter die Mar­ke von 9500 und ega­li­sier­te da­mit, ähn­lich wie der Schwei­zer SMI, sämt­li­che Kurs­ge­win­ne seit Jah­res­an­fang.

Auch ita­lie­ni­sche und spa­ni­sche An­lei­hen lit­ten un­ter der plötz­li­chen Ri­si­ko­aver­si­on der An­le­ger. Noch am Mitt­woch hat­te Spa­ni­en pro­blem­los 10 Mrd. € über ei­ne neue zehn­jäh­ri­ge An­lei­he ein­ge­sam­melt, die vier­fach über­zeich­net war. Da­ge­gen pro­fi­tier­ten die An­lei­hen si­che­rer Hä­fen. Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger USStaats­an­lei­hen fiel auf 2,7%; zehn­jäh­ri­ge deut­sche Bun­des­an­lei­hen ren­tier­ten zwi­schen­zeit­lich mit 1,64% eben­falls nied­ri­ger als zu Be­ginn der Wo­che. «Eid­ge­nos­sen» er­reich­ten bei 1,02% das bis­her nied­rigs­te Zins­ni­veau in die­sem Jahr. Auch Gold stieg in die­sem Um­feld. Mit mehr als 1.272 $ je Fein­un­ze er­reich­te es den höchs­ten Stand seit No­vem­ber letz­ten Jah­res. An­de­re Roh­stof­fe re­agier­ten eben­falls wie er­war­tet: Kup­fer fiel am Don­ners­tag in Lon­don auf 7230 $ je Ton­ne, Roh­öl der Sor­te Brent, das sich am Don­ners­tag noch re­la­tiv sta­bil ge­gen den Trend ge­hal­ten hat­te, gab am Frei­tag eben­falls nach, lag aber im Nach­mit­tags­han­del noch leicht über dem Schluss­kurs der Vor­wo­che.

Pro­fi­tie­ren konn­te in die­ser Ge­men­ge­la­ge auch der Eu­ro: Er stieg am Don­ners­tag bis auf 1.37 $/€, nach­dem er in der ers­ten Wo­chen­hälf­te noch in der Span­ne 1.35 bis 1.36 $/€ ge­han­delt hat­te. Auch der Fran­ken war ge­fragt. Er ver­teu­er­te sich zwi­schen­zeit­lich auf fast 1.2220 Fr/€.

Sta­bi­li­sie­rungs­chan­ce

Soll­te es zu ei­ner Zah­lungs­bi­lanz­kri­se der Schwel­len­län­der kom­men, dürf­te die Ri­si­ko­aver­si­on an den Ka­pi­tal­märk­ten län­ger dau­ern. Zu Be­ginn der Wo­che zeig­te ei­ne Sen­tix-Um­fra­ge, dass An­le­ger kurz­fris­tig noch sehr op­ti­mis­tisch für Ak­ti­en wa­ren, mit­tel­fris­tig aber ge­rin­ge­res Po­ten­zi­al sa­hen.

Dies legt na­he, dass man auf Er­eig­nis­se, die die kurz­fris­ti­ge Ein­schät­zung in Fra­ge stel­len, mit ei­nem Po­si­ti­ons­ab­bau re­agiert. Auch der star­ke Mit­tel­zu­fluss bei Geld­markt­fonds in der ver­gan­ge­nen Wo­che deu­tet auf ei­ne ein­set­zen­de Skep­sis der Markt­teil­neh­mer zum Ak­ti­en­markt hin. Dass die Markt­teil­neh­mer auf den Rück­gang an den Ak­ti­en­märk­ten mit ei­ner er­höh­ten Nach­fra­ge nach Ab­si­che­rung, et­wa durch Vo­la­ti­li­täts-Fu­tures, re­agiert ha­ben, passt in die­ses Bild, lie­fert aber ne­ben der bis­her viel­ver­spre­chen­den US-Be­richts­sai­son und dem ste­ti­gen Zuf­luss in Ak­ti­en­fonds auch ei­nen Grund für ei­ne Sta­bi­li­sie­rung an den Ak­ti­en­märk­ten.

Bleibt die Fra­ge nach Trei­bern in der nächs­ten Wo­che. Da sind ei­ni­ge. Zum Bei­spiel die Sit­zung der US-No­ten­bank, die ei­ne wei­te­re Re­du­zie­rung der An­lei­hen­käu­fe um 10 Mrd. $ be­schlies­sen dürf­te, oder die erste Schät­zung für das US-BIP im vier­ten Quar­tal und der Auf­trags­ein­gang für lang­le­bi­ge Gü­ter, die ei­nen An­halts­punkt für die Ent­wick­lung der US-Wirt­schaft lie­fern. Und am Frei­tag ste­hen die Zah­len zur In­fla­ti­on in der Eu­ro­zo­ne an. Ein wei­te­rer Rück­gang dürf­te hier er­neut Spe­ku­la­tio­nen über ne­ga­ti­ve Ein­la­gen­zin­sen in der Eu­ro­zo­ne be­feu­ern.

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