Den Wor­ten dürf­ten auch Ta­ten fol­gen

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - RAI­NER GUN­TER­MANN,

Neu er­wach­te Ri­si­ko­aver­si­on durch ge­stie­ge­ne Un­si­cher­heit in ei­ni­gen Emer­ging Mar­kets dürf­te auch die kom­men­de Markt­wo­che prä­gen. Seit die Wäh­run­gen der Tür­kei, Süd­afri­kas und Ar­gen­ti­ni­ens stark ab­wer­ten, sind die Ren­di­ten von Bun­des­an­lei­hen und US-Tre­a­su­ries auf neue Jah­res­tiefs ge­fal­len. Die jüngst ro­bus­ten Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes aus dem Eu­ro­raum und die an­ste­hen­de Ent­schei­dung der US-No­ten­bank (Fed), die An­lei­he­käu­fe um wei­te­re 10 Mrd. $ zu re­du­zie­ren, ver­blas­sen zu­nächst vor der Sor­ge, dass die Wäh­rungs­tur­bu­len­zen sich in ei­ne brei­te Schwel­len­län­der­kri­se aus­wach­sen könn­ten.

Der Ren­di­te­rück­gang in Spa­ni­en und Ita­li­en legt der­weil ei­ne Pau­se ein. Zwar prä­sen­tiert sich der Emis­si­ons­markt im Eu­ro­raum wei­ter­hin in ei­ner ro­bus­ten Ver­fas­sung und Spa­ni­en konn­te leicht ei­ne neue zehn­jäh­ri­ge An­lei­he über 10 Mrd. € plat­zie­ren. Am Se­kun­där­markt scheint das Ren­di­teni­veau in Spa­ni­en und Ita­li­en aber vor­erst an At­trak­ti­vi­tät ver­lo­ren zu ha­ben. Wir ge­hen je­doch da­von aus, dass aus­län­di­sche In­ves­to­ren sich ver­stärkt die län­ge­ren Lauf­zei­ten an­schau­en, da dort at- trak­ti­ve Ren­di­ten er­zielt wer­den kön­nen. Mit­tel­fris­tig dürf­ten die Ri­si­ko­prä­mi­en wei­ter fal­len. Mit der Aus­sicht auf ei­ne an­hal­tend lo­cke­re Geld­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) ist die Ren­di­te­jagd nicht vor­über.

Kom­men­de Wo­che könn­ten ent­schei­den­de Wei­chen für den Rest des Quar­tals ge­stellt wer­den. Die Ent­schei­dung des Fed scheint da­bei we­nig Über­ra­schungs­po­ten­zi­al zu ber­gen. Span­nen­der ist der Ausblick für die EZB. Ei­ne rück­läu­fi­ge In­fla­ti­on dürf­te Spe­ku­la­tio­nen über ei­ne wei­te­re geld­po­li­ti­sche Lo­cke­rung ver­stär­ken, auch wenn die Ta­ges­geld­sät­ze wie­der un­ter den EZB-Re­fi­nan­zie­rungs­satz ge­fal­len sind. Ei­ne Zins­sen­kung dürf­te da­bei weit oben auf der Agen­da der EZB-Sit­zung im März ste­hen. Al­ler­dings wird Präsident Draghi nicht mü­de zu be­to­nen, dass die EZB über ein Ar­senal an Mass­nah­men ver­fügt. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass den Wor­ten auch Ta­ten fol­gen. Dies wird die Ren­di­ten von deut­schen Bun­des­an­lei­hen kurz­fris­tig wohl wei­ter drü­cken. Mit­tel­fris­tig se­hen wir mo­de­ra­tes Auf­wärts­po­ten­zi­al für Bund- und US-Tre­a­su­ry-Ren­di­ten, da sich die US-Kon­junk­tur zu­se­hends er­holt.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.