Ex­trem­ri­si­ken blei­ben

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LOM­BARD ODIER IN­VEST­MENT MA­NA­GERS

SEr­ho­lung für Gold mög­lich – Un­be­ab­sich­tig­te Fol­gen der Geld­po­li­tik

eit meh­re­ren Jah­ren dis­ku­tiert die US-No­ten­bank Fed die Exit-Stra­te­gi­en und Aus­lö­ser für das Ab­bau­en ih­res An­lei­hen­kaufpro­gramms Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing. Die­ses Ta­pe­ring hat das Fed am 18. De­zem­ber end­lich ein­ge­lei­tet und be­kannt­ge­ge­ben, das Vo­lu­men der Käu­fe von An­lei­hen und hy­po­the­ken­be­si­cher­ten Wert­pa­pie­ren (Mort­ga­ge Ba­cked Se­cu­ri­ties) um 10 Mrd. auf noch 75 Mrd. $ pro Mo­nat zu re­du­zie­ren.

Es war klar, dass der Gold­markt bei jeg­li­cher An­deu­tung ei­nes Ta­pe­ring nach­ge­ben wür­de. So kam es nicht über­ra­schend, dass der Goldpreis im De­zem­ber 3,8% fiel und nach dem Fed-Ent­scheid kurz­zei­tig das mehr­jäh­ri­ge Tiefst vom Ju­ni auf 1180 $ tes­te­te.

2014 war ein Alb­traum

Wir se­hen ei­ne wich­ti­ge Un­ter­stüt­zungs­mar­ke bei 1200 $ und ha­ben er­freut fest­ge­stellt, dass das gel­be Edel­me­tall sich trotz des Ver­kaufs­drucks im dün­nen Han­del über die Neu­jahrs­fei­er­ta­ge über dem Tief be­haup­ten konn­te. Un­se­re Über­zeu­gung, dass sich die­se Mar­ke hal­ten wird, hat sich da­mit be­stä­tigt.

Die ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­te wa­ren mit ei­nem Preis­ein­bruch um ins­ge­samt 28% der Alb­traum ei­nes je­den Gold­fonds­ma­na­gers. Gold wird all­ge­mein zur Ab­si­che­rung ge­gen ne­ga­ti­ve Ex­tre­mer­eig­nis­se, so­ge­nann­te Tail Risks, ver­wen­det. Das ver­gan­ge­ne Jahr hat aber ge­zeigt, dass die Märk­te im­mer mehr Ri­si­ko­to­le­ranz an den Tag le­gen. Die Ak­ti­en­märk­te er­klom­men – von we­ni­gen Ein­brü­chen ab­ge­se­hen – neue Höchst, die Ri­si­ko­aver­si­on bil­de­te sich auf das Ni­veau von vor der Fi­nanz­kri­se zu­rück.

Un­se­rer An­sicht nach war die 2013 be­ob­ach­te­te Be­we­gung der In­ves­to­ren­nach­fra­ge hin zu ris­kan­te­ren As­sets gröss­ten­teils künst­lich durch die Po­li­tik der Zen­tral­ban­ken ge­trie­ben. Die lo­cke­re Geld­po­li­tik hat den rea­len Er­trag ri­si­ko­frei­er An­la­gen (Staats­an­lei­hen, Bank­ein­la­gen) na­he null ge­hal­ten, so­dass den In­ves­to­ren nichts an­de­res üb­rig blieb, als ris­kan­te­re En­ga­ge­ments ein­zu­ge­hen, woll­ten sie ei­ne ver­nünf­ti­ge Ren­di­te er­wirt­schaf­ten.

Trotz der ge­gen­wär­ti­gen Stim­mung an den Märk­ten sind Tail Risks un­se­rer Mei­nung nach wei­ter­hin vor­han­den. Zu­dem könn­te die lo­cke­re Geld­po­li­tik neue Bla­sen in Ak­ti­en oder an­de­ren An­la­gen ent­ste­hen las­sen.

Wir hat­ten schon An­fang 2013 ei­ne Schwä­che am Gold­markt vor­her­ge­sagt. Doch dass Gold und Gold­ak­ti­en ei­nen Kol­laps his­to­ri­schen Aus­mas­ses er­fah­ren müss­ten, hat­ten wir nicht er­war­tet. Der Ausblick für den Gold­sek­tor stützt sich für die­ses Jahr auf zwei Über­le­gun­gen: Ers­tens war die Bais­se so aus­ge­prägt, dass 2014 ein Jahr der Er­ho­lung bzw. der Rück­kehr zum lang­jäh­ri­gen Trend (Me­an Re­ver­si­on) sein soll­te. Und zwei­tens scheint die Wirt­schaft tat­säch­lich wie­der Tritt zu fas­sen.

Rück­kehr der In­fla­ti­on

Wenn sich die Kre­dit­ver­ga­be der Ban­ken nor­ma­li­siert, wer­den die Ver­brau­cher wie­der kon­su­mie­ren und der Ar­beits­markt sich fes­ti­gen. Die Fi­nanz­märk­te könn­ten dann die un­be­ab­sich­tig­ten Fol­gen der ra­di­ka­len Geld­po­li­tik der letz­ten fünf Jah­re zu spü­ren be­kom­men. So­bald das Brut­to­in­land­pro­dukt wie­der wie his­to­risch üb­lich wächst, ist des­halb mit ei­nem de­sta­bi­li­sie­rend wir­ken­den Mass an Ver­mö­gens- und Ver­brau­cher­preis­in­fla­ti­on und an­de­ren Ver­schie­bun­gen der glo­ba­len Wirt­schaft zu rech­nen. Sol­che Ver­wer­fun­gen wie­der­um schaf­fen neue Ri­si­ken, die Gold und Gold­ak­ti­en stüt­zen soll­ten.

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