Das Ka­pi­tal wird wäh­le­risch

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Wer als An­le­ger in den Schwel­len­län­dern in­ves­tiert ist, muss­te in den letz­ten Ta­gen star­ke Ner­ven ha­ben. Die tür­ki­sche Li­ra ver­lor zum Dol­lar seit An­fang 2013 fast ein Drit­tel ih­res Werts. Schwel­len­län­derak­ti­en no­tie­ren auf ei­nem Vier­mo­nat­s­tief. Noch stär­ker als die An­le­ger lei­den die Men­schen in Bra­si­li­en, Ar­gen­ti­ni­en, In­di­en oder der Tür­kei. Ih­nen macht die Ab­wer­tung das Le­ben schwer. Energie und an­de­re Im­por­te wer­den teu­rer, Im­mo­bi­li­en und wei­te­re Ver­mö­gens­wer­te ver­lie­ren an Wert.

Aus­län­di­sches Ka­pi­tal wird nun wäh­le­risch. In Aus­sicht auf das En­de der lo­cke­ren US-Geld­po­li­tik wird nicht mehr in al­les in­ves­tiert, was ei­ne mi­ni­mal hö­he­re Ren­di­te ver­spricht. Vie­le Re­gie­run­gen der auf­stre­ben­den Märk­te ge­ra­ten un­ter Druck. Sie ha­ben es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ver­säumt, ihr Land at­trak­tiv für In­ves­to­ren zu hal­ten. Da­ge­gen setz­te man auf bil­li­ge Kre­di­te.

Bra­si­li­en, In­di­en, Russ­land oder Süd­afri­ka lie­gen in den Ran­kings der Wett­be­werbs­fä­hig­keit weit hin­ter vie­len In­dus­trie­län­dern. Die In­fra­struk­tur für Lo­gis­tik und Energie deckt oft nicht den Be­darf. Mas­siv ge­stie­ge­ne Löh­ne und ho­he In­fla­ti­on ha­ben die An­sied­lung von In­dus­trie­be­trie­ben er­schwert. Der Ka­pi­tal­ab­zug aus den Emer­ging Mar­kets kann ge­sund sein. Die Län­der ha­ben die Wahl: Sie kön­nen die Rea­li­tät igno­rie­ren und auf bes­se­re Zei­ten hof­fen. Um am En­de in ei­ne lang­jäh­ri­ge Ka­ta­stro­phe wie nach der Asi­en­kri­se zu schlit­tern. Die Al­ter­na­ti­ve: Jetzt schmerz­haf­te Re­for­men zu un­ter­neh­men, die Ver­trau­en schaf­fen.

An­le­ger soll­ten Län­der mei­den, die wei­ter auf ein über­hol­tes Wachs­tums­kon­zept set­zen. Chi­na will et­wa das über­mäs­si­ge Kre­dit­wachs­tum brem­sen. Sol­che Schrit­te müs­sen auch Russ­land, Bra­si­li­en, die Tür­kei oder Thai­land un­ter­neh­men. Ge­schieht dies nicht, wächst die An­fäl­lig­keit die­ser Staa­ten für je­des neue Markt­be­ben. Und die Be­ben kom­men be­stimmt.

Re­dak­tor zum The­ma Schwel­len­län­der

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