Der AIA und sei­ne Fuss­an­geln

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - PM

We­ni­ger dem ei­ge­nen Trie­be als in­ter­na­tio­na­lem Druck ge­hor­chend macht die Schweiz in der Er­ar­bei­tung ei­nes Stan­dards für den au­to­ma­ti­schen In­for­ma­ti­ons­aus­tausch in Steu­er­sa­chen (AIA) mit. Und will ihn über­neh­men, so­fern er glo­bal und von den wich­ti­gen Fi­nanz­zen­tren ak­zep­tiert wird. Das hat der Bun­des­rat im Ju­ni 2013 ent­schie­den.

Die OECD setzt zeit­li­chen Druck auf. Der Hin­ter­grund: Vie­le Län­der sind in der Staats­schul­den­kri­se auf je­den Fran­ken Steu­er­ein­nah­men an­ge­wie­sen. Das zu­stän­di­ge Fis­kal­ko­mi­tee der OECD hat im Ja­nu­ar den ers­ten Teil ei­nes stan­dar­di­sier­ten OECD-Mo­dells ver­ab­schie­det. Im Ju­ni soll der Stan­dard ge­neh­migt und im Sep­tem­ber der G-20 vor­ge­legt wer­den.

Zen­tra­le Ele­men­te

Er be­steht aus meh­re­ren Ele­men­ten: Das Mo­del­l­ab­kom­men ist die Grund­la­ge für bi­la­te­ra­le Ver­ein­ba­run­gen. Es fi­xiert, wel­che In­for­ma­tio­nen aus­ge­tauscht wer­den und wie in Pro­blem­fäl­len vor­ge­gan­gen wird. Der Com­mon Re­porting Stan­dard legt die tech­ni­schen De­tails fest. Al­so wer genau wel­che In­for­ma­tio­nen zu lie­fern hat. Da­bei wer­den nicht nur Ban­ken in die Pflicht ge­nom­men wer­den, son­dern auch ge­wis­se kol­lek­ti­ve An­la­ge­instru­men­te und Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaf­ten. Ein Kommentar wird die Grund­la­gen wei­ter kon­kre­ti­sie­ren.

Im De­tail ist der AIA vol­ler Fuss­an­geln. Das be­trifft zu­nächst die Re­zi­pro­zi­tät. Das heisst, der Aus­tausch darf nie ein­sei­tig sein. Es ist ein Ver­dienst der Schweiz, dass dies zu ei­ner Grund­re­gel ge­wor­den ist. Pro­ble­me gibt es in ers­ter Li­nie mit den USA mit ih­rem Fatca, die da­mit glo­bal ei­nen ein­sei­ti­gen Aus­tausch ver­an­kern wol­len. Wie die USA da­zu ge­bracht wer­den kön­nen, die Re­zi­pro­zi­tät zu ak­zep­tie­ren, steht in den Ster­nen. Soll­ten sie sich wei­gern, könn­te der AIA kaum glo­ba­le Gül­tig­keit be­an­spru­chen. Da­mit wä­re ei­ne Vor­aus­set­zung für das Mit- ma­chen der Schweiz nicht er­füllt. Pro­ble­me wird auch das Spe­zia­li­tä­ten­prin­zip stel­len. Es soll ga­ran­tie­ren, dass die aus­ge­tausch­ten In­for­ma­tio­nen aus­schliess­lich zu den in den Ab­kom­men vor­ge­se­he­nen steu­er­li­chen Zwe­cken ver­wen­det wer­den. Es geht al­so um den aus­rei­chen­den Da­ten­schutz. Er ist schon nur dar­um hei­kel, weil in­ter­na­tio­nal sehr un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen über schüt­zens­wer­te In­hal­te be­ste­hen.

Un­ge­löst ist auch die Fra­ge der Re­gu­la­ri­sie­rung der Ver­gan­gen­heit. Der AIA er­fasst nur Trans­ak­tio­nen ab dem Zeit­punkt sei­nes In­kraft­tre­tens. Die Schweiz hat­te mit den Ab­gel­tungs­steu­er­ab­kom­men ei­nen ele­gan­ten Weg auf­ge­zeigt, der kaum mehr zur De­bat­te steht. Das Pro­blem wur­de da­durch et­was ent­schärft, dass vie­le Län­der für al­te Steu­er­sün­den Of­fen­le­gungs­pro­gram­me ge­schaf­fen ha­ben, die recht re­ge be­nutzt wer­den.

Ge­setz­li­che Grund­la­ge

Aus schwei­ze­ri­scher Sicht ist fest­zu­hal­ten, dass der AIA das Bank­kun­den­ge­heim­nis im in­ter­na­tio­na­len Ver­kehr de­fi­ni­tiv be­er­digt. Da­von zu un­ter­schei­den ist das Ver­hält­nis von Schwei­zer Steu­er­zah­lern zum hie­si­gen Fis­kus: Hier gilt das Ge­heim­nis wei­ter­hin. Un­klar ist al­ler­dings, ob aus­ge­hend vom AIA nicht auch Druck auf das Bank­kun­den­ge­heim­nis im In­land ent­steht. Kan­to­na­le Fi­nanz­di­rek­to­ren ha­ben schon dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie den glei­chen Da­ten­zu­gang wol­len wie aus­län­di­sche Steu­er­be­hör­den.

Den­noch ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der AIA kommt. Für die Schweiz be­deu­tet dies ein neu­es Ge­setz­ge­bungs­pro­gramm. Es muss zu­erst ei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge für den AIA ge­schaf­fen wer­den. Das dau­ert sei­ne Zeit und könn­te neue Druck­ver­su­che auf die Schweiz aus­lö­sen (vgl. Kommentar auf Sei­te 3). Ob der AIA in der Pra­xis funk­tio­niert und die zu er­war­ten­den Da­ten­flu­ten be­wäl­tigt wer­den kön­nen, wird sich zei­gen müs­sen.

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