Schwa­che Schwel­len­län­der wer­den

Die Markt­tur­bu­len­zen tref­fen Volks­wirt­schaf­ten, die ih­re Po­li­tik nicht an­pas­sen. Leis­tungs­star­ke Län­der werd

Finanz und Wirtschaft - - DIE EMERGING MARKE - ALEX­AN­DER TRENTIN

Die Fi­nanz­märk­te nei­gen zur Über­trei­bung. Ei­ne Eu­pho­rie baut sich oft so stark auf, dass der Ka­ter am Mor­gen da­nach äus­serst schmerz­haft ist. Nun kom­men Er­in­ne­run­gen an solch ei­ne Par­ty auf: Erst kam die Asi­en­kri­se 1997, da­nach wur­de Me­xi­ko von aus­län­di­schem Ka­pi­tal ab­ge­schnit­ten und Russ­land be­dien­te sei­ne Kre­di­te nicht mehr.

Es brauch­te Jah­re, bis sich die Schwel­len­märk­te er­hol­ten. Nun wird wie­der Ka­pi­tal aus den Emer­ging Mar­kets ab­ge­zo­gen. Doch die Angst vor ei­nem neu­en Flä­chen­brand ist über­trie­ben – al­ler­dings wer­den ei­ni­ge Län­der in der Schuss­li­nie der Märk­te blei­ben.

Wett­be­werbs­fä­hi­ge Schwel­len­län­der, de­ren Wirt­schafts­wachs­tum nicht nur auf bil­li­gem Geld ba­siert, sind ge­schützt. Län­der, die ih­re Aus­sen­han­dels­po­si­ti­on mit­tel­fris­tig ver­bes­sern konn­ten, wa­ren von den Ängs­ten um ei­ne Straf­fung der US-Geld­po­li­tik seit Mai 2013 am we­nigs­ten be­trof­fen (vgl. blaue Wol­ke in der Grafik). Da­ge­gen wur­den die Län­der mit dem höchs­ten Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zit – die Tür­kei, Süd­afri­ka, In­di­en, In­do­ne­si­en, Bra­si­li­en – auf dem De­vi­sen­markt hef­tig ab­ge­straft (vgl. Grafik rechts).

Kei­ner will der Letz­te sein

Für den Boom hat­te bil­li­ges Ka­pi­tal aus dem Aus­land ge­sorgt. Doch wenn das Geld wie­der ab­fliesst, will kein In­ves­tor der letz­te sein. Wie bei ei­nem Feu­er drän­gen al­le gleich­zei­tig zum Not­aus­gang – und lö­sen da­mit die Pa­nik erst aus. Der «Sud­den Stop» droht (vgl. Text un­ten).

Kurz­fris­tig ver­su­chen die Zen­tral­ban­ken – wie die­se Wo­che in In­di­en und in der Tür­kei – durch hö­he­re Zin­sen den Ka­pi­tal­ab­fluss zu stop­pen. Das be­las­tet die Wirt­schaft, doch es hilft auch, den nö­ti- gen Druck auf die Re­gie­rung zu er­zeu­gen, Re­for­men für mehr Wett­be­werbs­fä­hig­keit an­zu­stren­gen. Län­der, die sich schnell an­pas­sen, wer­den am we­nigs­ten lei­den.

Die Phil­ip­pi­nen und Me­xi­ko ha­ben den Weg sinn­vol­ler Re­for­men ein­ge­schla­gen, ana­ly­sie­ren Öko­no­men. Auch der Ausblick für In­do­ne­si­ens Wirt­schaft bes­sert sich: 2014 wer­den hö­he­re Ex­por­te er­war­tet, die Neu­ver­schul­dung wur­de bei 3% des Brut­to­in­land­pro­dukts ge­de­ckelt. Das po­li­ti­sche Sys­tem ist sta­bil.

Das kann man von Thai­land nicht sa­gen: Ei­ne Lö­sung für den po­li­ti­schen Kon­flikt scheint wei­ter ent­fernt als je zu­vor. Erst muss die Re­gie­rung ei­nen Kom­pro­miss mit der Op­po­si­ti­on fin­den, be­vor sie Ver­trau­en zu­rück­ge­win­nen kann.

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