Bör­sen vor­erst be­ru­higt

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHIL­IPP SCHÖTT­LER,

Nach den welt­wei­ten Markt­tur­bu­len­zen der ver­gan­ge­nen Wo­che ha­ben sich die Fi­nanz­märk­te vor­erst be­ru­higt. Seit dem Wo­che­n­en­de sta­bi­li­sier­ten sich die wich­tigs­ten Ak­ti­en­in­di­zes oder konn­ten so­gar zag­haf­te Ge­win­ne ver­bu­chen. Der S&P 500 han­del­te zu­letzt 0,2% über dem Schluss­kurs vom Frei­tag, der Dax leg­te eben­falls 0,2% zu, und der SMI ver­lor 0,2%. Spie­gel­bild­lich da­zu ga­ben die ver­meint­lich si­che­ren Hä­fen et­was nach.

Gold rutsch­te seit Mon­tag um 1,4% auf 1253 $, und der ja­pa­ni­sche Yen schwäch­te sich wie­der auf 102,85 ¥/$ ab. US-Tre­a­su­ries mit zehn­jäh­ri­ger Lauf­zeit ren­tier­ten zu­letzt mit 2,77%, han­del­ten zwar nach wie vor deut­lich teu­rer als zu Be­ginn des Jah­res (3%), aber der jüngs­te Zins­rutsch scheint vor­erst ge­stoppt.

Vie­le An­le­ger stel­len sich nun die ban­ge Fra­ge, ob der Ein­bruch da­mit be­reits vor­über ist – und sich so­mit mög­li­cher­wei­se Ein­stiegs­chan­cen bie­ten – oder aber ei­ne län­ge­re Kor­rek­tur an­kün­digt.

Ih­ren Ur­sprung nahm die jüngs­te Markt­schwä­che in den Schwel­len­län­dern. Dort ka­men Re­gie­rungs­kri­sen in Thai­land und der Ukraine zu­sam­men mit po­li­ti­schen Que­re­len in der Tür­kei und schwa­chen Wirt­schafts­da­ten aus Chi­na. Die «Mi­ni­kri­se» in Ar­gen­ti­ni­en, wo die Zen­tral­bank den Wech­sel­kurs des Pe­sos nicht län­ger kon­trol­lie­ren konn­te (er wer­te­te zum Dol­lar seit Jah­res­be­ginn 18,5% ab), brach­te schliess­lich das Fass zum Über­lau­fen.

Bie­ten sich Ein­stiegs­chan­cen oder ste­hen wir vor län­ge­rer Kor­rek­tur?

Be­grenz­te Ri­si­ken

Auch wenn die Häu­fung der Er­eig­nis­se An­lass zur Sor­ge gibt, han­delt es sich doch um re­gio­nal be­grenz­te Fäl­le. Die Si­tua­ti­on lässt sich nicht mit der schwe­ren Wäh­rungs­kri­se der 1990er-Jah­re ver­glei­chen. Die Ak­ti­en­märk­te von Thai­land, Ar­gen­ti­ni­en, der Tür­kei und der Ukraine ma­chen zu­sam­men ge­ra­de ein­mal knapp 6% der Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung der Schwel­len­län­der aus, und vie­le der Pro­ble­me sind haus­ge­macht. Ei­ne Aus­brei­tung der Kri­se auf die ge­sam­te Re­gi­on er­scheint un­wahr­schein­lich. Zwar sind En­ga­ge­ments in Schwel­len­län­dern zur­zeit ris­kant, und ein Ab­war­ten, bis sich die Wirt­schafts­da­ten in der Re­gi­on ver­bes­sern, scheint an­ge­bracht. Ei­ne nach­hal­ti­ge Schwä­chung der glo­ba­len Fi­nanz­märk­te ist aber nicht zu er­war­ten.

Die Wachs­tums­zah­len der In­dus­trie­län­der zei­gen wei­ter un­ge­stör­te Er­ho­lung. Der am Mon­tag ver­öf­fent­lich­te ifo-Ge­schäfts­kli­ma­in­dex für die deut­sche Wirt­schaft klet­ter­te auf den höchs­ten Stand seit Au­gust 2011. Die Un­ter­neh­men be­ur­tei­len so­wohl die ge­gen­wär­ti­ge La­ge als auch die Aus­sich­ten deut­lich bes­ser als 2013. Die wohl gröss­ten Ge­fah­ren für die Ak­ti­en­märk­te 2014 – die Re­duk­ti­on der geld­po­li­ti­schen An­rei­ze durch die US-No­ten­bank so­wie ei­ne mög­li­che Rück­kehr der Eu­ro­kri­se – schei­nen un­ter Kon­trol­le. Der be­fürch­te­te gros­se Zins­an­stieg in den USA blieb bis­her aus; zehn­jäh­ri­ge Tre­a­su­ries wer­fen ak­tu­ell so­gar 0,25 Pro­zent­punk­te we­ni­ger ab als noch zu Jah­res­be­ginn. Und auch die Zin­sen auf An­lei­hen von eu­ro­päi­schen «Kri­sen­län­dern» sind seit dem Jah­res­wech­sel mar­kant ge­sun­ken – et­wa um 0,85 Pro­zent­punk­te für Por­tu­gal – und ha­ben sich auf Vor­kri­sen­ni­veaus ein­ge­pen­delt.

Chan­cen in Eu­ro­pa

Der an­hal­ten­de Auf­schwung der Welt­wirt­schaft und be­grenz­te Ri­si­ken bie­ten wei­ter­hin ein gu­tes Um­feld für Ak­ti­en. Die lau­fen­de Be­richts­sai­son in den USA hat bis­her die Ge­winn­erwar­tun­gen der Ana­lys­ten über­trof­fen.

In der Eu­ro­zo­ne hinkt die Ge­winn­ent­wick­lung der Un­ter­neh­men zwar noch hin­ter­her. Aber ge­ra­de da­rin liegt ei­ne Chan­ce. Im ers­ten Jahr nach der Re­zes­si­on be­steht Aus­sicht auf über­durch­schnitt­li­ches Ge­winn­wachs­tum. Die Ge­winn­mar­gen deu­ten be­reits ei­ne Bes­se­rung an. Und im­mer­hin ge­hört der ita­lie­ni­sche FTSE MIB zu den we­ni­gen Ak­ti­en­in­di­zes, die seit Jah­res­be­ginn ei­nen Ge­winn (2,7%) ver­zeich­nen konn­ten. Vor al­lem Un­ter­neh­men, die ih­re Ge­win­ne durch in­ter­ne Re­struk­tu­rie­rungs­mass­nah­men und Kos­ten­ein­spa­run­gen stei­gern kön­nen und da­mit nicht auf star­kes Nach­fra­ge­wachs­tum an­ge­wie­sen sind, soll­ten in die­sem Um­feld gut ab­schnei­den.

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