Schwel­len­län­der für Über­ra­schun­gen gut

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - MARK RALL,

Wech­selt man bei ei­ner Son­nen­bril­le den Farb­ton, ver­än­dert sich die Wahr­neh­mung. Die­ses Phä­no­men gilt auch für glo­ba­le In­ves­to­ren. Bei den Schwel­len­län­der­an­lei­hen ha­ben sie mit dem Auf­kom­men der Ta­pe­ring-De­bat­te im Mai 2013 die ro­sa Son­nen­bril­le ab- und ei­ne dun­kel­grau ge­tön­te auf­ge­setzt. Seit­her hat sich der Fo­kus um 180 Grad ge­dreht. Er liegt nun nicht mehr bei den Chan­cen, son­dern bei den Ri­si­ken. Po­si­ti­ve Fak­to­ren wie tie­fe Ver­schul­dung, so­li­de Haus­halt­po­li­tik und hö­he­res ab­so­lu­tes Wachs­tum sind in den Hin­ter­grund ge­tre­ten. Statt­des­sen ste­hen nun die ma­kro­öko­no­mi­schen Un­gleich­ge­wich­te, po­li­ti­sche Ri­si­ken und schwa­che re­la­ti­ve Wachs­tums­dy­na­mik im Vor­der­grund. Der ste­ti­ge Ver­kauf von Fonds, vor al­lem bei Pri­vat­an­le­gern, hat nach ei­ner tem­po­rä­ren Er­ho­lung im ver­gan­ge­nen Herbst er­neut zu sin­ken­den An­lei­he­kur­sen und Wäh­run­gen ge­führt, wo­bei die Eu­ro- bzw. Fran­ken­stär­ke sich zu­sätz­lich ne­ga­tiv aus­ge­wirkt hat.

Die Wäh­run­gen der «Fra­gi­le Fi­ve» ( Bra­si­li­en, In­do­ne­si­en, In­di­en, Tür­kei, Süd­afri­ka) ha­ben ge­gen­über dem Fran­ken in ei­nem Jahr 18% bis 26% ein­ge­büsst und auch ein di­ver­si­fi­zier­ter An­lei­he­in­dex wie der J. P. Mor­gan EM Glo­bal Di­ver­si­fied hat aus Sicht ei­nes Fran­ken­in­ves­tors von sei­nem Hoch im Mai mehr als 20% ver­lo­ren. Nach so ei­ner mas­si­ven Kor­rek­tur stellt sich die Fra­ge, ob nicht auch durch die dunk­le Bril­le «Bright Spots», hel­le Fle­cken, zu se­hen sind. Denn die gibt es, et­wa Län­der mit positiver Leis­tungs­bi­lanz­dy­na­mik wie Ko­rea, Russ­land oder Ni­ge­ria. Auch ein Land wie Me­xi­ko mit mo­de­ra­tem Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zit, aber viel­ver­spre­chen­den Wirt­schafts­re­for­men ist auf Ba­sis fun­da­men­ta­ler Mo­del­le at­trak­tiv be­wer­tet. Und die Fra­gi­le Fi­ve ha­ben ihr Han­dels­bi­lanz­de­fi­zit in den ver­gan­ge­nen acht Mo­na­ten hal­biert. Dies ver­deut­licht die po­si­ti­ve Aus­wir­kung der Wäh­rungs­schwä­che auf die Wett­be­werbs­fä­hig­keit. Dar­über hin­aus si­gna­li­sie­ren Kon­tra­in­di­ka­tio­nen re­kord­ho­he Short-Po­si­ti­ven für vie­le Em­Ma-Wäh­run­gen. Dass die In­ves­to­ren bald wie­der die ro­sa Bril­le auf­set­zen, ist nicht zu er­war­ten. Be­trach­tet man je­doch die Be­wer­tung der An­la­ge­klas­se so­wie die Po­si­tio­nie­rung der An­le­ger, spricht ei­ni­ges für ein Zi­tat von Wil­helm Busch: «Stets fin­det Über­ra­schung statt da , wo man’s nicht er­war­tet hat.»

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