Käl­te­wel­le stützt Erd­gas

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WAL­TER SCHNEI­DER

DKa­kao­preis steigt um 7% – So­ja­fu­tures un­ter Druck we­gen Bra­si­li­en

ie Ner­vo­si­tät auf den Fi­nanz­märk­ten in den ver­gan­ge­nen Ta­gen wirk­te sich nur we­nig auf die Roh­stof­fe aus. Wäh­rend vie­le Wert­schrif­ten­märk­te in we­ni­gen Ta­gen 5% ein­büss­ten, kon­zen­trier­te sich der Roh­stoff­han­del auf die je­wei­li­gen Fun­da­men­tal­da­ten der Wa­r­ensek­to­ren. Bei den Edel­me­tal­len hielt sich Gold, aber Sil­ber, Pla­tin und Pal­la­di­um ver­zeich­ne­ten Rück­schlä­ge von knapp 4%.

Die Ener­gie­märk­te be­we­gen sich un­ter Ein­fluss des Wet­ters. Neue Käl­te­ein­brü­che in den USA lies­sen die Nach­fra­ge nach Heiz­öl und be­son­ders nach Erd­gas kräf­tig stei­gen. So führ­te Erd­gas mit ei­nem Wo­chen­plus von 15% die Ge­win­ner­lis­te an – im Wo­chen­ver­lauf stie­gen die Kur­se fast 30%. Heiz­öl ver­teu­er­te sich zur Vor­wo­che mehr als 4%, wäh­rend Ben­zin leicht an Ter­rain ein­büss­te.

Dra­ma­tisch ver­lief die Kurs­ent­wick­lung bei den Ge­nuss­mit­teln. Wäh­rend Ka­kao an der Fu­tures­bör­se In­ter­con­ti­nen­tal Ex­ch­an­ge ICE als Fol­ge jüngs­ter La­ger­schät­zun­gen kräf­tig zu­leg­te, ge­rie­ten Kaf­fee und Zu­cker un­ter er­heb­li­chen Ab­ga­be­druck. Vor we­ni­gen Ta­gen hat­te die In­ter­na­tio­na­le Ka­kao-Or­ga­ni­sa­ti­on in ei­ner pro­vi­so­ri­schen Schät­zung ei­nen Rück­gang der glo­ba­len Be­stän­de um 300 000 Ton­nen be­kannt­ge­ge­ben und da­mit ein grös­se­res welt­wei­tes An­ge­bots­de­fi­zit als er­war­tet in Aus­sicht ge­stellt. Der promp­te Lie­fer­ter­min März er­klomm in we­ni­gen Ta­gen ein neu­es Zwei­ein­halb­jah­res­hoch und liegt um 7% über dem Ni­veau der Vor­wo­che. Genau ge­gen­tei­lig ent­wi­ckel­te sich der Kurs­ver­lauf bei Zu­cker. Schein­bar mü­he­los war bei New Yor­ker Fu­tures für Roh­zu­cker zum Wo­chen­be­ginn die 15-Cent-pro-Pfund-Mar­ke durch­bro­chen und ein Drei­ein­halb­jah­res­tief er­reicht wor­den. Zu­cker hat da­mit in den letz­ten drei Mo­na­ten mehr als ein Vier­tel an Wert ver­lo­ren. Ana­lys­ten ge­hen da­von aus, dass im wich­tigs­ten Pro­duk­ti­ons­land Ba­si­li­en die Prei­se nun un­ter den Pro­duk­ti­ons­kos­ten lie­gen, was über kurz oder lang das An­ge­bot de­zi­mie­ren wird. Spe­ku­la­ti­ve Markt­teil­neh­mer ha­ben die Leer­ver­käu­fe wei­ter aus­ge­baut, was die Wahr­schein­lich­keit ei­ner Kurs­kor­rek­tur er­höht.

Ne­ben Zu­cker stan­den auch die Kaf­fee­prei­se in den ver­gan­ge­nen Ta­gen un­ter Ver­kaufs­druck. Hier wer­den in ers­ter Li­nie tech­ni­sche Chart-Fak­to­ren als Grund ge­nannt. Nach den jüngs­ten Kurs­rück­schlä­gen auf we­ni­ger als 114 US-Cent/Pfund er­scheint jetzt der Kaf­fee­markt je­doch neu­tra­ler. Aber ein er­neu­ter Test der Mar­ke von 110 Cent kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.

An den Ge­trei­de­märk­ten rich­tet sich das Au­gen­merk ein­mal mehr auf das Wet­ter. Ei­ner­seits wach­sen im Som­mer der süd­li­chen He­mi­sphä­re der­zeit die neu­en Ern­ten her­an, wäh­rend in Nord­ame­ri­ka die Angst vor Frost­schä­den bei Win­ter­wei­zen die Kur­se stützt. Ana­lys­ten­schät­zun­gen ge­hen der­zeit für Bra­si­li­en von ei­ner Re­kord-So­ja­ern­te von mehr als 90 Mio. Ton­nen aus. Die Aus­sicht auf rie­si­ge Ern­ten hat am Chi­ca­go Bo­ard of Tra­de CBOT die Fu­tures­kur­se un­ter Druck ge­bracht. Der phy­si­sche US-So­ja­ex­port­markt han­delt auf­grund des knap­pen An­ge­bots zwar wei­ter­hin zu stol­zen Prä­mi­en, die gros­sen süd­ame­ri­ka­ni­schen Ern­ten könn­ten aber bei be­ste­hen­den Ver­trä­gen zu Pro­ve­ni­en­zwech­seln von Nord- nach Süd­ame­ri­ka füh­ren. Ob dies ge­schieht, hängt aber nicht nur von der bra­si­lia­ni­schen Ern­te, son­dern noch mehr von der Lo­gis­tik ab. Gros­se War­te­zei­ten in den Ex­port­hä­fen Bra­si­li­ens hat­ten 2013 zu gros­sen Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen ge­führt. Das er­klärt auch die rie­si­gen chi­ne­si­schen So­ja­käu­fe in den USA der letz­ten Mo­na­te.

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