Im Vi­sier

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - BA

Die Lon­do­ner Ana­lys­ten der CS iden­ti­fi­zie­ren auch re­nom­mier­te Schwei­zer Un­ter­neh­men als mög­li­che Über­nah­me­zie­le. Die Che­mie­bran­che sei dank kon­junk­tu­rel­ler Dy­na­mik und nied­ri­ger Ver­schul­dung reif für mehr M&A, mit Cla­ri­ant als po­ten­zi­el­lem Ziel. Star­ke Mit­tel­ge­ne­rie­rung kom­bi­niert mit ho­hem Sy­ner­gie­po­ten­zi­al auf Kos­ten­ebe­ne sei Ka­ta­ly­sa­tor für Med­tech, wo CS gleich drei po­ten­zi­el­le Ob­jek­te aus­macht: St­raumann, No­bel Bio­ca­re und So­no­va. Nicht neu ist, dass der Ver­si­che­rer Na­tio­na­le Suis­se ins Vi­sier ge­ra­ten ist. Auf der Käu­fer­sei­te in der Schweiz sieht die Stu­die die üb­li­chen Ver­tre­ter ABB, Swatch Group, Ri­che­mont, No­var­tis und Ro­che.

Sul­zer steht nun, nach dem Ver­kauf der Ein­heit Met­co (vgl. Sei­te 5), un­ter Zug­zwang, Mit­tel ein­zu­set­zen. Es gibt va­ge Spe­ku­la­tio­nen, Sul­zer könn­te Burck­hardt Com­pres­si­on (zu­rück-)kau­fen. Seit Län­ge­rem bun­kert For­bo, nach dem Ver­kauf des In­dus­trie­kleb­stoff­ge­schäfts, viel Bar­geld, oh­ne zu wis­sen, was da­mit an­zu­fan­gen ist. An­de­re Di­men­sio­nen an frei­en Mit­teln hät­ten No­var­tis, falls sie ihr Ro­che-Pa­ket ab­stösst oder Nest­lé, nach ei­nem Ver­kauf ih­rer L’Oréal-Be­tei­li­gung.

Fak­tor Zeit spielt mit

Oder doch ein Fehl­alarm?

fers ist der­zeit im his­to­ri­schen Ver­gleich über­durch­schnitt­lich vor­teil­haft, weil die Ren­di­te für Cash oder Bonds nied­ri­ger ist als die auf in­ves­tier­tes Ka­pi­tal von Un­ter­neh­men, so die CS. So kommt es auch, wie de Mall­mann aus­führt, dass die Bör­se der­zeit un­üb­li­cher­wei­se den Käu­fer bei Über­nah­men mit stei­gen­den Ak­ti­en­kur­sen be­lohnt. Die­se An­sicht wird von Un­ter­su­chun­gen et­wa von Dea­lo­gic oder No­mu­ra un­ter­mau­ert (vgl. Grafik 4). Für Un­ter­neh­men be­steht im­mer auch die Mög­lich­keit, die frei­en Mit­tel statt für Ak­qui­si­tio­nen für den Kauf ei­ge­ner Ak­ti­en ein­zu­set­zen. Doch mit stei­gen­den Ak­ti­en­kur­sen ten­diert die Mit­tel­ver­wen­dung weg von Rück­käu­fen hin zu Über­nah­men. Re­gio­nal be­trach­tet ist auf­schluss­reich, dass in Eu­ro­pa die Über­nah­me­prä­mi­en un­ter ih­rem lang­jäh­rien Schnitt lie­gen, in Nord­ame­ri­ka dar­über (vgl. Grafik 5).

Vie­le der Fak­to­ren tra­fen schon im ver­gan­ge­nen und im vor­ver­gan­ge­nen Jahr zu, wenn auch nicht der­art aus­ge­prägt. Den Aus­lö­ser könn­te nun ein­fach die Zeit spie­len: In der Ver­gan­gen­heit folg­te die M&A-Ak­ti­vi­tät der Stim­mungs­auf­hel­lung je­weils mit Ver­zö­ge­rung.

Die Schweiz je­den­falls star­tet von ei­ner nied­ri­gen Ba­sis ins neue Jahr. Das M&AVo­lu­men war 2013 ver­gleichs­wei­se tief (rund 20 Mrd. $). Mar­co Il­ly, CS He­ad In­vest­ment Ban­king Schweiz, sieht für 2014 meh­re­re Trends: Sek­tor­kon­so­li­die­rung (et­wa im Pri­vat­ban­ken­be­reich), Port­fo­li­o­ber­ei­ni­gung (wie Sul­zer Met­co) so­wie in­ter­na­tio­na­le Ex­pan­si­on (wie Bu­cher, vgl. Sei­te 12) und Ver­kauf von Be­tei­li­gun­gen durch Pri­va­te Equi­ty. Das Be­ra­tungs­un­ter­neh­men KPMG ist vor­sich­tig op­ti­mis­tisch und er­war­tet 2014 für die Schweiz mo­de­ra­tes M&A-Wachs­tum. 2013 sei hier­zu­lan­de schwie­rig ge­we­sen, er­in­nern die Be­ra­ter, auch weil die Vor­jah­re von gros­sen De­als ge­prägt wa­ren (Glen­co­re/Xstra­ta 2012, J&J/Syn­thes 2011, No­var­tis/Al­con 2010). Doch die glo­ba­len Ten­den­zen gel­ten auch für die Schweiz: Un­ter­neh­men und Fi­nanz­in­ves­to­ren sit­zen auf viel Cash. Sie sei­en un­ge­dul­dig, die Mit­tel ein­zu­set­zen, «aber nicht ver­zwei­felt», cha­rak­te­ri­siert KPMG.

An­ge­sichts der jüngs­ten Tur­bu­len­zen in den Emer­ging Mar­kets und der an­ste­hen­den Dros­se­lung der lo­cke­ren US-Geld­po­li­tik be­steht je­doch das Ri­si­ko, dass sich die Stim­mung ein­trübt und die Ak­ti­en­bör­sen sin­ken, be­vor die M&A-Wel­le ins Rol­len ge­kom­men ist. Das der­zei­ti­ge Miss­ver­hält­nis zwi­schen positiver Grund­stim­mung und nied­ri­gem M&A-Vo­lu­men wird sich frü­her oder spä­ter schlies­sen. Auf wel­che Art und Wei­se, ist ab­zu­war­ten. Ein Fehl­alarm ist nicht aus­ge­schlos­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.