Mo­to­ro­la-Ver­kauf be­geis­tert auf den zwei­ten Blick

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Der Schritt hat­te stets für Kopf­schüt­teln ge­sorgt: Als Goog­le vor drei Jah­ren Mo­to­ro­la über­nom­men hat, ver­stand nie­mand so recht, wie­so sich die Such­ma­schi­ne den ma­ro­den Han­dy­her­stel­ler ans Bein bin­det. Kauf­preis da­mals: 12,5 Mrd. $. Nun über­nimmt Le­no­vo die Mo­to­ro­la-Spar­te von Goog­le – für 2,9 Mrd. $. Was auf den ers­ten Blick nach ei­nem Rie­sen­ver­lust­ge­schäft aus­sieht, re­la­ti­viert sich beim zwei­ten – und beim drit­ten Hin­schau­en macht der Ver­kauf zu die­sem Preis so­gar viel Sinn. Das Ge­schäft zeigt, wie cle­ver die Stra­te­gen in der Chef­eta­ge von Goog­le den­ken.

Mit der Über­nah­me des Han­dy­her­stel­lers be­kam Goog­le 3,3 Mrd. $ in Cash aus der Mo­to­ro­la-Kas­se. Nach dem Kauf stiess der In­ter­net-Platz­hirsch die Set­top-Box-Spar­te für 2,4 Mrd. $ ab. Hin­zu kom­men ge­spar­te Steu­ern durch Ver­lust­vor­trä­ge von Mo­to­ro­la. Die ex­ak­te Hö­he ist nicht klar, dürf­te aber um die 2 Mrd. $ lie­gen. Ab­züg­lich des fäl­li­gen Kauf­prei­ses für Mo­to­ro­la von 2,9 Mrd. $ hat das Aben­teu­er Goog­le sum­ma sum­ma­rum we­ni­ger als 2 Mrd. $ ge­kos­tet. Und für die­sen Be­trag be­hält der Web-Kon­zern das Gros der Pa­ten­te von Mo­to­ro­la, die er einst mit 5,5 Mrd. $ be­wer­tet hat. Nach die­ser Rech­nung al­so war der De­al mit Le­no­vo al­les an­de­re als schlecht für Goog­le.

Hin­zu kom­men noch stra­te­gi­sche Im­pli­ka­tio­nen, die schwer in Geld zu be­zif­fern sind. Goog­le hat in der kur­zen Zeit, in der Mo­to­ro­la zum Kon­zern ge­hör­te, ge­zeigt, dass die In­ter­net-Ma­na­ger mehr vom Netz und von Soft­ware ver­ste­hen als von Hard­ware. Mo­to­ro­la spielt im Smart­pho­ne-Seg­ment kei­ne Rol­le. Samsung do­mi­niert (vgl. Grafik) – auch den Ver­kauf von Han­dys mit dem Goog­le-Be­triebs­sys­tem An­dro­id.

Ver­lie­ren die Süd­ko­rea­ner Markt­an­tei­le, lei­det auch Goog­le. Goog­le muss da­her dar­an ge­le­gen sein, ei­nen star­ken Wett­be­wer­ber zu Samsung im An­dro­id-Öko­sys­tem zu schaf­fen. Le­no­vo ist für die­se Zwe­cke der idea­le Kan­di­dat. Die Chi­ne­sen ha­ben nach der Über­nah­me der PC-Spar­te von IBM 2004 schon ge­zeigt, dass sie sich auf die er­folg­rei­che In­te­gra­ti­on von Zu­käu­fen ver­ste­hen. Im Smart­pho­ne-Markt ist das Un­ter­neh­men sehr er­folg­reich, bis­lang al­ler­dings vor al­lem in Schwel­len­län­dern.

Für Goog­le war der Ver­kauf der rich­ti­ge Schritt. Das Ma­nage­ment über­zeugt – auch nach den ei­ge­nen, span­nen­den Zu­käu­fen der ver­gan­ge­nen Zeit. Dem­ent­spre­chend be­wer­tet sind die Ak­ti­en: mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis für 2014 von 18. Le­no­vo muss sich nach dem Zu­kauf der Ser­ver­Spar­te von IBM und des Han­dy­be­reichs von Goog­le be­wei­sen. Das Hard­ware­ge­schäft lei­det un­ter schwa­chen Mar­gen.

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