War­um trotz Schwel­len­län­der­schock kei­ne

Wie in Asi­en ab 1997 wol­len die Zen­tral­ban­ken durch hö­he­re Zin­sen den Ka­pi­tal­ab­fluss ver­hin­dern. Auch wenn das nicht funk­tio­niert, ist die Aus­gangs­la­ge d

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ALEX­AN­DER TRENTIN

Es geht die Angst um vor ei­ner neu­en Asi­en­kri­se. Die Par­al­le­len zu heu­te sind frap­pant. Auch in der da­ma­li­gen Vor­ge­schich­te bis zum Crash 1997 sorg­te bil­li­ges Geld aus den USA und Ja­pan für Ka­pi­tal­zu­fluss in die Schwel­len­län­der. Als dann er­war­tet wur­de, dass die No­ten­ban­ken in den ent­wi­ckel­ten Län­dern ih­re Geld­po­li­tik straf­fen, floss das Ka­pi­tal zu­rück. Süd­ost­asi­en brach wie ein Kar­ten­haus zu­sam­men.

Die Phil­ip­pi­nen, Thai­land und In­do­ne­si­en brauch­ten Jah­re, um sich vom Schock zu er­ho­len. Die Nach­be­ben der Asi­en­kri­se sorg­ten für den Zah­lungs­aus­fall Russ­lands. Heu­te könn­te ein Flä­chen­brand der Schwel­len­län­der welt­wirt­schaft­lich ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen ha­ben. 1997 tru­gen die Emer­ging Mar­kets nur et­wa 20% zur glo­ba­len Wirt­schafts­leis­tung bei, heu­te ist es dop­pelt so viel.

Wie da­mals wol­len die Zen­tral­ban­ken der be­trof­fe­nen Län­der nun den Ka­pi­tal­ab­fluss stop­pen. Im Prin­zip kön­nen hö­he­re Zin­sen aus­län­di­sches Ka­pi­tal wie­der an­lo­cken. Gleich­zei­tig steigt oft die In­fla­ti­on, denn durch die Ab­wer­tung der Wäh­rung wer­den die Im­por­te teu­rer. Auch da- ge­gen kön­nen hö­he­re Zin­sen hel­fen. Die­sen Weg ha­ben nun et­wa In­di­en und Süd­afri­ka ein­ge­schla­gen (vgl. Grafik un­ten). Die Tür­kei tut es ganz mas­siv: Sie hat die Leit­zin­sen am Di­ens­tag ver­dop­pelt.

Doch die hö­he­ren Zin­sen ha­ben ei­nen Nach­teil: Sie be­las­ten die hei­mi­sche Wirt­schaft. Und der Er­folg ist un­ge­wiss. Wäh­rend der Asi­en­kri­se konn­ten mas­si­ve Zins­er­hö­hun­gen den Crash nicht ver­hin­dern. Kurz nach der Asi­en­kri­se zeig­te ei­ne Stu­die von Jo­seph Sti­glitz (vgl. Interview un­ten) so­gar ei­nen po­si­ti­ven Zu­sam­men­hang zwi­schen stei­gen­den Zin­sen und der Ab­wer­tung der Wäh­run­gen.

Doch ei­ne Wie­der­ho­lung des lang­jäh­ri­gen Schocks der Asi­en­kri­se nur mit an­de­ren Be­tei­lig­ten scheint we­nig wahr­schein­lich. Vie­le Län­der ha­ben grös­se­re Puf­fer auf­ge­baut ge­gen Schocks aus ei­nem Ka­pi­tal­ab­fluss. Be­son­ders die asia­ti­schen Län­der sind vor­sich­ti­ger ge­wor­den.

Vier Kri­te­ri­en (vgl. Tex­te rechts) spre­chen da­für, dass auch die kri­sen­an­fäl­li­gen Län­der kei­nen Zu­sam­men­bruch fürch­ten müs­sen. Ei­ner­seits sind die De­vi­sen­re­ser­ven grös­ser, kön­nen al­so län­ger spe­ku­la­ti­ve Atta­cken ab­weh­ren. Vie­le Län­der ha­ben auch das De­fi­zit im Aus­sen­han­del ab­ge­baut, brau­chen al­so we­ni­ger Ka­pi­tal­zu­fluss, um die Im­por­te zu fi­nan­zie­ren. Und die Schul­den ge­gen­über dem Aus­land lie­gen un­ter dem Stand der Neun­zi­ger­jah­re.

Am wich­tigs­ten: Die Schwel­len­län­der ver­tei­di­gen mit ih­ren Re­ser­ven kei­ne fes­ten Wech­sel­kur­se mehr. Sol­che Fix­kur­se mo­ti­vie­ren erst die De­vi­sen­spe­ku­la­ti­on: Die Chan­ce auf ei­ne plötz­li­che Ab­wer­tung hat­te in der Asi­en­kri­se viel mög­li­chen Pro­fit oh­ne Ri­si­ko ver­spro­chen.

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